Eschweiler: Podiumsdiskussion: An der Braunkohle scheiden sich die Geister

Eschweiler: Podiumsdiskussion: An der Braunkohle scheiden sich die Geister

Die Indestadt war und ist ein Energiestandort und profitierte in der Vergangenheit stark vom Braunkohlebergbau. Doch diese Ressource ist endlich und ihr Abbau bereits heute höchst umstritten. Wie sieht also die Energiepolitik in der Region zukünftig aus?

Auf Einladung des Regionalforums Eschweiler der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) diskutierten am Dienstagabend im Kulturzentrum Talbahnhof mit Amtsinhaber Rudi Bertram (SPD), Dr. Christoph Herzog (CDU), Gabriele Pieta (Bündnis 90/Die Grünen) und Albert Borchardt (Die Linke) die vier Eschweiler Bürgermeisterkandidaten dieses Thema. Komplettiert wurde die Runde von Dieter Faust, stellvertretender Gesamtbetriebsratsvorsitzender der RWE Power AG.

Und diesen konfrontierte Moderator Patrick Nowicki, Redakteur unserer Zeitung, gleich mit den Ergebnissen einer Studie aus dem Jahr 2006, die das Kraftwerk Weisweiler EU-weit als sechsgrößten Produzenten von Kohlendioxid ausweist.

Doch Dieter Faust blieb die Antwort nicht schuldig. „Wir sind dabei, den Ausstoß zu reduzieren. Einige Blöcke werden stillgelegt, andere modernisiert. Wir tun alles, um in neue Techniken zu investieren. Voraussetzung ist aber, dass man uns lässt.”

Drei Eckpunkte dürften nicht außer Acht gelassen werden: „Energie muss bezahlbar bleiben, die Versorgungssicherheit muss gewährleistet sein, und der Standort Eschweiler sichert rund 2000 Arbeitsplätze.”

Grundsätzlich kritisch steht Grünen-Politikerin Gabriele Pieta der Energiegewinnung durch den Abbau der Braunkohle gegenüber. „Es gibt nicht wenige Experten, die der Meinung sind, dass die Versorgung durch regenerative Energien in absehbarer Zeit zu 100 Prozent möglich sein wird. Es gilt, den notwendigen Strukturwandel möglichst früh anzugehen. Dass wir von der Braunkohle weg müssen, ist klar.”

Anderer Meinung ist CDU-Kandidat Dr. Christoph Herzog: „Ich glaube, dass auch mit Braunkohle der Strukturwandel möglich ist. Ich weiß nicht, ob wir uns in Deutschland bei unseren geringen Ressourcen einen Gefallen tun, auf Braunkohle komplett zu verzichten.”

Bürgermeister Rudi Bertam mahnte, mit Augenmaß vorzugehen. „Einen ad-hoc-Strukturwandel verkraftet unsere Stadt derzeit nicht.” Das Unternehmen RWE Power stehe nun auch in der Verantwortung. „Das Kraftwerk und die Menschen in Eschweiler haben gegenseitig voneinander profitiert. Nun muss der Strukturwandel gemeinsam vorangetrieben werden”, so der Verwaltungschef.

Eindeutig positionierte sich Albert Borchardt für „Die Linke”: „Braunkohle ist kein Energieproduzent der Zukunft. Auf sie zu vertrauen, heißt, auf die Vergangenheit zu setzen”, machte er deutlich. Dagegen schafften die erneuerbaren Energien Arbeitsplätze.

Dieter Faust gab aber zu bedenken, dass in der Theorie vieles denkbar sei, es in der Praxis aber nicht selten anders aussehe. „Es weht nicht immer Wind und auch die Sonne scheint nicht rund um die Uhr.” Um die Versorgungssicherheit zu garantieren, müssten deshalb „normale” Kraftwerke in der Hinterhand behalten werden. „Wir stehen als RWE auch für den Klimaschutz und investieren in diesem Bereich in Forschung und Technik.”