Eschweiler will Baulücken schließen: Platz für mehr als 300 neue Häuser

Eschweiler will Baulücken schließen : Platz für mehr als 300 neue Häuser

Weit über 300 Häuser könnten laut Verwaltung in Baulücken in Eschweiler errichtet werden. Deshalb startet die Stadt jetzt eine Aktion, um Grundstückseigentümer für das Potenzial ihrer Flächen zu sensibilisieren.

Die Stadt Eschweiler ist ein gefragter Wohnstandort, immer mehr Menschen ziehen in die Indestadt. Um der Nachfrage gerecht zu werden, hat die Stadt jetzt einen Plan zur Baulückenaktivierung aufgestellt. Das bedeutet: Freie Flächen im Stadtgebiet sollen bebaut werden. Der Hintergedanke ist, dass das Bauen auf bereits vorhandenen Grundstücken vergleichsweise einfach umsetzbar ist.

„Wir wollen nicht weiter Flächen versiegeln, sondern vorhandene Flächen reaktivieren“, erklärt Bürgermeister Rudi Bertram. Die Einwohnerzahl steige weiterhin, zurzeit liege sie bei 58.833 (Stand 1. Oktober, inklusive Zweitwohnsitz). „Das ist eine Zahl, die haben wir noch nie gehabt“, sagt Bertram. Ziel sei deshalb, die Baulücken zu schließen. Der Ansatz der Stadt ist ein Fragebogen, der an alle Grundstückseigentümer verschickt wird. Darin fragt die Verwaltung Dinge ab wie: Welche Gründe haben bisher verhindert, dass das Grundstück bebaut oder verkauft wurde? Oder auch: Würden Sie Ihr Grundstück zum Verkauf anbieten?

Mit dieser Vorgehensweise wollen die Verantwortlichen einen Schritt auf die Eigentümer zugehen. „Eine andere Möglichkeit wären Enteignungen, aber das haben wir in Eschweiler auf keinen Fall vor“, betont Bertram. „Wir wollen in den Dialog treten und Hilfestellung leisten.“ Damit ist vor allem planungsrechtliche Hilfe gemeint. Manche Bürger seien sich auch unsicher, welche Rechte und Möglichkeiten es für ihr Grundstück gibt.

Baulücken auf dem Eschweiler Stadtgebiet sollen reaktiviert werden. Foto: grafik

Insgesamt 260 Baulücken hat Eberhard Büttgen von der Stabsstelle Nachhaltige Entwicklung ausfindig gemacht. Mit seinen Kollegen Stephan Miseré (Abteilung für Liegenschaften) und Florian Schoop (Planungsamt) hat er eine Karte entworfen, auf der die freien Flächen gekennzeichnet sind. Insgesamt handelt es sich um 150.000 Quadratmeter Wohnbaufläche. „Eine Baulücke ist nicht klar definiert, aber in unserem Verständnis handelt es sich dabei um Flächen, die sofort bebaubar sind oder eine Lücke zwischen zwei Häusern markieren“, erläutert er.

Das bedeutet, dass bei diesen Grundstücken schon Baurecht und Erschließung vorhanden sind. Es müsste also nicht wie bei Neubaugebieten noch eine Straße gebaut oder ein Kanal verlegt werden. Es gehe darum, die Leute zu sensibilisieren, dass dort schon Bauland vorliegt, dass sofort bebaubar ist. Die Größen sind dabei sehr variabel: „Vom Handtuch-Grundstück bis zu großen Grundstücken, die man noch teilen könnte, ist alles dabei“, sagt Büttgen. Zu finden sind diese nicht nur in der Innenstadt, sondern in vielen Regionen im Stadtgebiet. „Die Grundstücke sind sehr bunt über alle Ortsteile verteilt“, betont Büttgen.

Die Flächen befinden sich zu 100 Prozent in privater Hand. Überwiegend handelt es sich um Einzeleigentümer, es gibt aber auch welche, die bis zu sechs Grundstücke besitzen. „Wenn einer gar nichts mehr damit tun möchte, kann er es auch der Stadt anbieten“, sagt Bürgermeister Bertram. Auch der Technische Beigeordnete Hermann Gödde sieht großes Potenzial in den Baulücken. Weit über 300 Häuser könnten auf den rund 260 Flächen errichtet werden.

„Es ist nur manchmal schwierig, mit den Eigentümern ins Gespräch zu kommen“, berichtet Gödde. Dafür gebe es verschiedene Gründe. Manche würden auf mehr Geld spekulieren, andere wiederum hätten kaum Interesse an einer Weiterentwicklung ihres Grundstücks. Mit Hilfe der Fragebögen solle wieder Schwung in die Baulückenaktivierung kommen. Denn nach wie vor gelte das Ziel: Innenverdichtung vor Außenverdichtung.

Mehr von Aachener Nachrichten