Eschweiler: Piraten kentern, AfD klettert, Liberale jubeln

Eschweiler : Piraten kentern, AfD klettert, Liberale jubeln

Das erste Ergebnis stand am Sonntagnachmittag schon fest: 10238 Menschen entschieden sich diesmal für eine Briefwahl — so viele wie noch nie bei Bundestagswahlen in Eschweiler. Diese hatten sich also schon vor dem Wahlsonntag festgelegt, wem sie ihre Stimme geben.

Im Vorfeld hatte man zwar im Wahlamt vorgesorgt und einen weiteren Briefwahlbezirk eingerichtet, aber von solch einer großen Zahl war man überrascht worden. Die Folge: In einem Briefwahlbezirk mussten 2044 Stimmen ausgezählt werden. Kurz vor 21.30 Uhr kam aber auch von dort grünes Licht. Zu diesem Zeitpunkt fehlten in anderen Städten der Städteregion wie Alsdorf und Stolberg noch das ein oder andere Ergebnis.

Erste Analyse

Bei der ersten Analyse der Zahlen legte sich Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram fest: „Überall dort, wo die AfD deutlich zugelegt hat, hat die CDU ähnlich deutlich verloren.“ Es lässt sich allerdings nicht zweifelfrei sagen, woher die AfD ihr Plus erhalten hat. Auffällig ist jedoch, dass sie bei den Briefwahlbezirken allesamt schlechter abschnitt als im Gesamtergebnis.

Auch in den beiden CDU-Hochburgen St. Jöris und Lohn/Fronhoven konnte sie nicht so deutlich zulegen. Für die AfD gab es zwischen Erst- und Zweitstimme kaum einen Unterschied im Ergebnis. Die „Alternative“ schnitt sogar um 0,1 Prozent in der Zweitstimme schlechter ab, während die anderen kleineren Parteien Gewinne verzeichneten.

FDP auf Platz drei

Die Liberalen hingegen profitierten in Eschweiler vor allem von einem hohen Zweitstimmenergebnis. Dies deutet darauf hin, dass viele derjenigen, die in der Erststimme CDU gewählt haben, in der Zweitstimme auf die FDP setzten, um in Berlin ein schwarz-gelbes Regierungsbündnis zu erreichen. Für die FDP bedeutet dies, dass sie bei den Zweitstimmen wieder drittstärkste Kraft in Eschweiler ist. Die Grünen vereinten letztlich lediglich 3,67 Prozent der Stimmen auf sich und blieben damit weit hinter dem Bundesergebnis der Partei zurück.

Keine Rolle spielen mehr die Piraten, die weiter an Zuspruch verloren und ganze 119 Zweitstimmen erhielten. Damit liegen sie sogar noch hinter der Tierschutzpartei mit 236 und „Die Partei“ mit 158 Stimmen. Die ÖDP konnte nicht davon profitieren, dass sie sogar einen eigenen Einzelkandidaten ins Rennen schickte. Bei den Zweitstimmen entschieden sich lediglich 81 Wähler dafür, bei der ÖDP ein Kreuz zu machen. Drei Stimmen mehr verzeichnete die NPD.

Die Zahl der ungültigen Stimmen bei den Bundestagswahlen hielt sich in Grenzen: 345 Wahlzettel konnten nicht gewertet werden. Dies ergibt einen Anteil von 1,12 Prozent. Vor vier Jahren galten noch 1,89 Prozent der Wahlzettel als ungültig.

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