Eine Demonstration christlichen Glaubens: Pfarrei St. Peter und Paul feiert Gottesdienst und Prozession

Eine Demonstration christlichen Glaubens : Pfarrei St. Peter und Paul feiert Gottesdienst und Prozession

Eine Festmesse mit anschließender Prozession als „Demonstration des christlichen Glaubens“: Pfarrer Michael Datené begrüßte an Fronleichnam zahlreiche Gläubige zunächst in der Pfarrkirche St. Peter und Paul, darunter die Kommunionkinder der Pfarrei sowie die Schützen der St.-Sebastianus-Bruderschaft Eschweiler-Mitte und der St.-Longinus-Bruderschaft Eschweiler-Ost, zum festlichen Gottesdienst, der den Leib Christi als Lebensspender in den Mittelpunkt stellte.

„Wir feiern Jesus Christus, unseren Herrn und Erlöser, der uns in der Wirklichkeit seines Leibes und Blutes nahe bleibt“, so der Geistliche. „Doch leben wir Christen wirklich so, wie Jesus es uns vorgelebt hat? Oder sind wir auch während der Fronleichnamsprozession nur Mitläufer?“, stellte Diakon und Konzelebrant Jürgen Schoenen während seiner Predigt im Angesicht eines besonderen Datums kritische Fragen in den Raum. Denn Fronleichnam fiel in diesem Jahr mit dem UN-Weltflüchtlingstag zusammen, der seit dem Jahr 2001 an jedem 20. Juni begangen wird.

„Flucht verursacht unendliches Leid, dem weltweit momentan mehr als 70 Millionen Menschen ausgesetzt sind. Eine unvorstellbare Zahl“, machte Michael Datené zu Beginn der Heiligen Messe deutlich. Doch berühren uns diese Zahlen? Jürgen Schoenen brach das Thema auf die persönliche Ebene herunter. Noch vor wenigen Tagen habe ihm seine 86-jährige Mutter von ihren Fluchterlebnissen während des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren berichtet. „Flucht ist eine furchtbare Erfahrung, die den betroffenen Menschen ein Leben lang begleitet und die nie vollständig verarbeitet wird“, so der Diakon. Aktuell kämen jeden Tag Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ums Leben. „Doch machen wir uns eigentlich bewusst, was Flucht für den Einzelnen bedeutet?“, lautete eine weitere Frage des Predigers.

Jesus habe gesprochen „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.“ Während Politiker komplexe Entscheidungen treffen und in bestimmten Situationen auch Grenzen setzen müssten, sei es Aufgabe der Christen, den Flüchtlingen zur Seite zu stehen. „Tun wir dies nicht, kommen deshalb nicht weniger, aber es entstehen Parallelwelten auch mit Hass und Gewalt.“

Eine Rettungsdecke als Symbol für das Schicksal unzähliger Menschen auf der Flucht: Der Fronleichnams-Gottesdienst der Pfarrei St. Peter und Paul am Weltflüchtlingstag stand nicht zuletzt im Zeichen der Heimatlosen. Foto: Andreas Röchter

Natürlich gebe es zahlreiche Formen christlichen Engagements, von denen die Flüchtlingshilfe lediglich eine Möglichkeit darstelle, die zudem außerordentlich herausfordernd sei. „Menschen, die in der Flüchtlingshilfe tätig sind, erfahren Freundschaft und Dankbarkeit, aber auch Unverständnis und Verzweiflung traumatisierter Menschen“, betonte Jürgen Schoenen. Dennoch und gerade deshalb dürften Christen nicht davon ablassen, sich für Menschen in Not einzusetzen. „Jesus tat dies, weil er mit und für uns leben wollte. Menschen sind erlösungsbedürftig und davon abhängig, geliebt zu werden“, schloss der Diakon seine Ausführungen.

Während der Gabenbereitung zeigten Pfarrmitglieder den Gottesdienstbesuchern mit einer Rettungsdecke, einem Rucksack, einer Wasserflasche und einem Paddel Gegenstände, die Symbole einer Flucht darstellten. Zum „Vater Unser“ bat Pfarrer Michael Datené die Kommunionkinder zum Altar. Wenig später machten sich die zahlreichen Gläubigen mit dem Allerheiligsten in ihrer Mitte auf zur Fronleichnams-Prozession, die von der Pfarrkirche ausgehend über die Parkstraße, Peter-Paul-Straße und Englerthsgärten zum Familienzentrum St. Theresia führte, wo die Gläubigen unterstützt von den Kindern, Erzieherinnen und Familien der Kindertagesstätte eine Statio mit Gesang, einer Geschichte und Fürbitten hielten. Abschließend setzte sich die Prozession in Richtung Haus St. Josef in Bewegung, wo der Schlusssegen mit anschließender Gelegenheit zur Begegnung und Gesprächen erteilt wurde.

(ran)
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