Peter Borsdorff erhält den Europäischen Sozialpreis

Auszeichnung : Peter Borsdorff erhält den Europäischen Sozialpreis

Peter Borsdorff, der „Läufer mit der Sammelbüchse“, der sich vor allem für kranke und behinderte Kinder einsetzt, wird mit dem Europäischen Sozialpreis zu Eschweiler ausgezeichnet.

„Ich kann nicht der ganzen Welt helfen.“, ist sich Peter Borsdorff immer noch sicher. Und doch: Der unermüdliche Läufer wird für sein außerordentliches Engagement mit dem Europäischen Sozialpreis zu Eschweiler ausgezeichnet.

Dass der Europäische Sozialpreis erneut am Tag der deutschen Wiedervereinigung verliehen wird, stand vor allem dieses Jahr außer Frage. 30 Jahre Mauerfall waren mehr als Anlass, jene Preisverleihung durchzuführen, die einen Menschen für seinen Beitrag gegen Ungleichheit und soziale Ausgrenzung und für Solidarität und Demokratie ehrt.

Peter Schöner, Präsident des Europavereins GPB, kannte Peter Borsdorff nicht persönlich, als er ihn vor einiger Zeit anrief, um ihm mitzuteilen, dass er der Auserwählte ist. Der 23. Preisträger war erstaunt, gab er zu, doch nahm er den Europäischen Sozialpreis mehr als gerne an.

Zur Verleihung am Feiertag war der Ratssaal im Eschweiler Rathaus gefüllt mit Vertretern von Politik, der Bundeswehr, von Schulen und mit ehemaligen Preisträgern und Laudatoren. Nichtsdestotrotz – und das betonte Peter Schöner – ist der Preis ein Preis von Bürgern für Bürger. Als er 1996 ins Leben gerufen wurde, wählte man den Tag der Wiedervereinigung, weil dieser einer der bedeutendsten Tage der Integrationsgeschichte ist. Ohne ihn wäre beispielsweise eine Erweiterung der Europäischen Union wohl nicht möglich gewesen, war sich Schöner bei seiner Begrüßungsrede sicher.

Neben ihm kam Bürgermeister Rudi Bertram als Laudator zu Wort, aber genauso Patrick Haas, Bürgermeister von Stolberg, in der die Preisverleihung auch schon einmal stattgefunden hatte. Als musikalische Intermezzi präsentierten sich zunächst einmal die „Little Dragons“, eine Gruppe von Kindern, die mit Gesang und Gitarre und unter der Leitung von Claudia Schiffer begeisterten. Wohltätigkeit an die große Glocke zu hängen widerstrebt dem Naturell vom Preisträger Peter Borsdorff und doch überreichte er den Musikern Geld, da sie ebenfalls bekannt dafür sind, sich als Spendensammler zu engagieren. Ehe der Preis verliehen wurde, gestaltete ein vokaler Zusammenschluss zweier Chöre das musikalische Rahmenprogramm. Der Männer-Gesang-Verein der Siedlergemeinschaft Stolberg-Donnerberg und die Chorgemeinschaft Humor-Harmonie 1858 aus Aachen sangen ein Potpourri an Liedern.

Die Gründe, warum gerade Peter Borsdorff sich in den Reigen der Preisträger wie Ingrid Sommerfeld, Dr. Bernd Bierbaum und Deniz Yücel einreiht, lieferte Annelene Adolphs. Sie sitzt wie ihr Mann in jenem Gremium, das den Preisträger wählt. An erster Stelle steht ein soziales und solidarisches Europa. Speziell in diesem Jahr entschied man sich für den Leitgedanken „Generationensolidarität – nicht gegeneinander, sondern miteinander“ auf der Grundlage, dass 89 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz, Deutschland und Frankreich einen verstärkten Zusammenhalt zwischen den Generationen wünscht. Bewegungen wie „Pulse of Europe“, die Jung und Alt vereinen, sind Beispiele dafür. Diese auch im EU-Vertrag konkret festgehaltene Solidarität setzt Peter Borsdorff nach Sicht des Wahlgremiums in die Tat um.

Die Idee für sein Projekt „Running for Kids“ kam ihm 1995, als der aus Polen geflüchtete und heute 76-Jährige bereits 51 Jahre alt war. Nachdem sein Arzt ihm geraten hatte, sich für die Gesundheit mehr zu bewegen, begann er in seiner Heimat in Düren mit dem sportlichen Laufen und nahm unter anderem am New York-Marathon teil. Sechs Jahre später kam ihm dann der Gedanke, dass es ihm ziemlich gut geht und er Menschen helfen möchte, bei denen dies nicht der Fall ist.

„Ich hatte die Kinder in der Region im Blick. Schon damals war mir klar, dass ich nicht der ganzen Welt helfen kann und beschränkte meinen Wirkungskreis auf 50 Kilometer um Düren.“, erklärte er bei der Preisverleihung. Er riss seine eigenen Grenzen jedoch nieder, nachdem er bei verschiedensten Läufen in der Region mit einer Spendendose sammelte, die er aus einem Laufschuh gebastelt hatte. So erzählte er beim Sozialpreis verschiedene Episoden, wie er Kindern – darunter auch Einzelschicksalen – in Griechenland, Bulgarien, Belgien etwas Gutes tun konnte. Eine der jüngsten Aktionen, die wiederum in Eschweiler und Stolberg erreicht wurde: Schüler der Willi-Fährmann-Schule mit Standorten in beiden Städten können zum ersten Mal zum Meer fahren.

Laudator und Bürgermeister Rudi Bertram fehlten fast die Worte. Er war bewegt, zog den Hut, ihm ging das Herz auf und er brachte seine Bewunderung zum Ausdruck. Denn bei all dem, was Peter Borsdorff erreicht hat, mit „Running for Kids“ seit 1995 über 2,2 Millionen Euro bei über 3.100 Aktionen einzunehmen und in 150 Orten mehr als 560 Fällen zu helfen, bleibt er bescheiden. „Ich habe Peter Borsdorff bei sportlichen Veranstaltungen im Umkreis kennengelernt. Er ist keiner, der die Spenden zur Schau stellt.“, erzählte Bertram.

So war es mehr als selbstverständlich, dass sich Borsdorff wie seine Vorgänger nach Verleihung von Urkunde, Medaille und Preisgeld in das goldene Buch der Stadt eintragen durfte, als 23. Preisträger. Ehe der Europäische Sozialpreis mit einem Empfang und Ausstellungsextrakten von „Der Weg zur deutschen Einheit“ und „Wege zur europäischen Einheit“ ausklang, verkündete Peter Schöner eine frohe Botschaft: Der Europaverein GPB wird am 4. November von der Landesregierung als eine von fünf Organisationen in ganz Nordrhein-Westfalen mit dem Prädikat „Europaaktive Zivilgesellschaft“ ausgezeichnet.