Eschweiler: Patient als Spielball der Apparate-Medizin?

Eschweiler : Patient als Spielball der Apparate-Medizin?

„Kaum eine medizinische Disziplin hat sich in den vergangenen Jahren so rasant weiterentwickelt wie die Intensivmedizin”, so Prof. Dr. med. Uwe Janssens, Leiter der Abteilung Innere Medizin am St.-Antonius-Hospital (SAH). Als ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin leitete Dr. Uwe Janssens vom 6. bis 9. Juni deren 44. Jahrestagung in Köln.

Nur ein weiterer Mediziner-Kongress mit vielen Worten? „Keinesfalls”, entgegnet Janssens. „Es ist absolut keine Platitüde, wenn der Kongress unter dem Motto Der Mensch im Mittelpunkt stand. Der moderne Arzt bewegt sich in einem geradezu irrwitzigen Spannungsfeld, geformt aus den Bedürfnissen der Patienten und der immer intensiveren Forderung nach mehr Effizienz und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen.

Vor allem die Intensivmedizin ist oftmals öffentlich negativ besetzt. Es gibt weitverbreitete Ängste, der Patient mutiere nur noch zum Spielball einer Apparatemedizin, die ihn praktisch willens- und entscheidungslos macht.”

Mit „Medizin auf gleicher Augenhöhe” beschreibt Uwe Janssens das, was sich in deutschen Hospitälern zurzeit entwickelt. Die Kluft zwischen Arzt und Patient überbrücken helfen soll zum Beispiel eine sogenannte „Ethik-Kommission”, die es auch im St.-Antonius-Hospital Eschweiler seit dem vergangenen Jahr gibt.

Kooperativ mit dem Patienten, oder bei nicht mehr entscheidungsfähigen Schwerstkranken mit der Angehörigenkonferenz, soll herausgefunden werden, wie eine medizinisch notwendige Behandlung mit den einzusetzenden Ressourcen harmonisiert werden kann.

„Gerade Intensivmedizin ist eine teure Angelegenheit. Die entstehenden Kosten belaufen sich auf etwa 5 Prozent aller Ausgaben in unserem heutigen Gesundheitssystem”, erläutert Prof. Dr. Janssens.

„Eine optimierte Versorgung muss auch wirtschaftlich sein. Das ist oftmals kein einfach zu lösendes Problem. Der Arzt ist tatsächlich oftmals so etwas wie ein Doppelagent, der seine hochqualifizierte Arbeit zwischen Patient und Gesundheitssystem ausüben muss.” Genau dieses Themenfeld beackerte die Jahrestagung 2012 in Köln, bei der Uwe Janssens als Präsident und Dr. Andreas Niedeggen als Tagungssekretär die Fäden in der Hand hielten.

Zu den prominenten Festrednern gehörte übrigens auch der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche und Mitglied des Deutschen Ethikrates Wolfgang Huber.

Als eines der vordringlichen Ziele sieht Dr. Uwe Janssens die vernetzte Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Physiotherapeuten, Pflegern, Seelsorgern, den Sozialdiensten und den Krankenhausverwaltungen. Nur so gelinge es, schwierige Behandlungssituationen erfolgreich zu meistern.

Rückblickend auf die Kölner Tagung zieht er ein durchaus selbstkritisches Fazit: „Die Internistische und Notfallmedizin bleibt das zentrale Element der modernen Medizin. In Bezug auf Ethik und die Rolle des Patienten gibt es eine Menge Spielraum für Verbesserungen.”

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