"Paradise": Vier Künstler präsentieren ihre Idee vom Paradies

Vernissage der Ausstellung „Paradise“ : Abstrakt, figurativ – auf Leinen, unter Plexiglas

Zwischen abstrakt und figurativ lässt sich die Sehnsucht nach dem Paradies erleben. Galeristin Anita Engert vereint in der Ausstellung „Paradise“ gleich vier Künstler, die den Ort des Überflusses und des Friedens verschiedenartig reproduzieren.

Nach der Vernissage sind die Werke von Ansgar Skiba, Zipora Rafaelov, Bernhard Kucken und Ulrik Happy Dannenberg bis Juni in der Galerie in der Wilhelmstraße zu sehen.

Das Paradies beschäftigt seit Jahrhunderten. Die Menschen setzen sich seither mit ihm mittels bildender Kunst intensiv auseinander, als Ort der reinen Natur. Hier herrscht der Frieden zwischen Mensch und Tier, Nahrung wird im Überfluss auf dem goldenen Teller präsentiert. Der Himmel auf Erden findet mit dem Sündenfall ein jähes Ende, die Sehnsucht nach dem goldenen Zeitalter ist geboren und besteht bis heute, auch wenn sie in der Moderne verblasst und zerfleddert. Der Weg führt von der religiösen Vermittlung über die bildende Kunst – da zu frühen Zeiten noch nicht alle Menschen lesen konnten – bis hin zu im- und expressionistischen Werken, nachdem die Aufklärung das Bild vom Paradies abwegig erscheinen ließ.

Der Eindruck und Ausdruck der Welt und ihr Bezug zum Paradiesischen ist nun in der Galerie Art Engert zu sehen. Vier Künstler wollen, so drückte es Anita Engert in ihrer Ansprache aus, die Harmonie der Natur dem Mühsal des modernen Lebens gegenüberstellen – der Versuch, gemeinsam sich gegenseitig stützend, dem Licht der Erkenntnis entgegen zu steigen. Das tun die vier Protagonisten in der Gemeinschaftsausstellung auf unterschiedliche Art und Weise. Einmal abstrakt, dann wieder figurativer kommen verschiedene Techniken und verschiedene Materialien zum Einsatz. Ölfarben auf Leinwand, Cutouts zwischen Pflexiglas oder hölzerne Stelen, so differenziert das Paradies gedeutet werden kann, so unterschiedlich drückt sich auch die Kunst aus.

Zur Vernissage waren zwei der vier Künstler anwesend, es waren Ansgar Skiba und Zipora Rafaelov, die nicht zum ersten Mal in der Galerie ausstellten. Galeristin Anita Engert freute sich, ihre Werke präsentieren zu dürfen und begrüßte die illustre Runde, die der Einladung gefolgt war und nun das Paradiesische in der Kunst suchte.

Ansgar Skiba zeichnet sich nicht nur durch die Plenair-Malerei im Freien, aus. Häufig von den Impressionisten genutzt, sind seine Werke expressiv. Die intensive Farbgebung schreit nach der Unverfälschtheit der Natur, denn für Skiba ist sie ein Ort der Zuflucht, der Versenkung und der Selbstfindung. „Die Hingabe zur Natur kann man bei mir nicht hoch genug einschätzen“, gibt er zu, denn in ihr findet er Inspiration, seelischen Ausgleich und Trost.

So ist die Natur der motivische Schwerpunkt bei den Werken von Skiba. Die Welt aufmerksam betrachtend trägt er lieber zu viel auf: starke Kontraste mit Ecken und Kanten, die Umwelt ist nicht sanft, nicht geschmeidig, wenig elegant und auch nicht rücksichtsvoll. Der in Dresden und Düsseldorf ausgebildete Künstler trägt er die Ölfarben mit Pinsel, aber auch Stäben, Nadeln und den bloßen Händen pastos und nass in nass auf. Sein Fazit ist die Ablehnung der Natur, die uns heute umgibt und die wir selbst weitestgehend geschaffen haben.

Fingerspitzengefühl erfordert

Zipora Rafaelov lebt und arbeitet in Tel Aviv und Düsseldorf. Ihre künstlerische Karriere begann, nachdem sie Journalistik und Ökonomie studiert hatte. Als Meisterschülerin der Kunstakademie Düsseldorf wurde sie bereits mit dem Rheinischen Kunstpreis ausgezeichnet und ist ebenso wie Skiba Wiederholungstäterin in der Galerie von Engert. Rar sind bei ihren Werken Farben, was durch die Formgebung kompensiert wird. Die reich ineinander verflochtene und geschwungene Linienführung der Cutouts führen zu einem ebenso dynamischen Schattenspiel. Aufwendig sind die plastischen Werke, die in ihrer Immaterialität Formen markieren, ohne massive Körper zu sein.

Die Technik des Cutouts erfordert Fingerspitzengefühl, denn mit einem Skalpell schneidet die Künstlerin kleinste Konturen und Flächen, um am Ende ein Werk zu kreieren, indem ein Raum entsteht, indem alles gleitet und schwingt. Die Fantasie des Betrachters wird herausgefordert, obgleich zeitlose Geschichten von Frauen oder Liebespaaren in märchenhaften Umgebungen erzählt werden.

Bernhard Kucken zeichnet ein düsteres Bild mit seinen hölzernen Stelen. Der Bildhauer, Maler und Grafiker, der zur Vernissage entschuldigt in China auf Kunstreise war, war mit vier Plastiken zu erleben. In Stamm geschnitzte und übereinander geschichtete Menschenleiber hat er erschaffen. Eine gesichtslose Menge an Menschen wird als heutige Massengesellschaft gedeutet. Die Hölle wie bei Hades oder Dante ist gegenwärtig, das Paradies ist vergangen und der Himmel ist weit entfernt.

Ulrik Happy Dannenberg komplettiert das künstlerische Quartett und verfolgt in Pop-Art-Manier eine optimistischere Sichtweise auf das Paradies. „Eisdielenatmosphäre“ zwischen Fremdeln und Harmonie waren das i-Tüpfelchen der Ausstellung.

Die zwei anwesenden Künstler Skiba und Rafaelov vermitteln mit ihren Werken eine Botschaft. Die Sehnsucht nach dem Paradies, nach der Rückkehr zu ihm und doch wird nicht die Hoffnung geweckt, dass wir es wieder gewinnen. Der Ruf nach einer Umkehr wird mit der ausdrucksstarken Kunst gar nicht so leise geflüstert.

Info zur Ausstellung: Die Ausstellung läuft noch bis zum 8. Juni. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags: 13:00-19:00 Uhr, samstags: nach Vereinbarung. Am 5. Mai wird zudem der Skulpturengarten im Rahmen von „Paradise“ eröffnet, weitere Künstler der Düsseldorfer Kunstakademie sind dabei beteiligt. Die Eröffnung wird durch eine Performance von Susanne Hille begleitet.

(mah)
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