Orgel in der Dreieinigkeitskirche eingeweiht

Die „Königin der Instrumente“ : In der Dreieinigkeitskirche wurde die Erweiterung der Orgel gefeiert

„Something so wonderful“. Schon die Auftaktzeile des von Tore W. Aas komponierten Gospelsongs „Celebrate“, den die Sänger der Trinity Gospel Company am Pfingstsonntagmorgen zu Beginn des Festgottesdienstes in der gut besuchten Dreieinigkeitskirche anstimmten, wies den Weg für die kommenden gut acht Stunden.

Die Evangelische Kirchengemeinde Eschweiler feierte die Erweiterung der von-Beckerath-Orgel mit einem würdevollen, abwechslungsreichen und berührenden Programm, das Geist und Seele ansprach.

Im Oktober 2017 hatten die Planungen begonnen, nach Ostern legten die Orgelbauer Rolf Miehl und Axel Birnbaum Hand an das Instrument (wir berichteten), das vor 30 Jahren ebenfalls von Mitarbeitern der Rudolf-von-Beckerath-Orgelbau-GmbH aus Hamburg, die weltweit zu den ersten Adressen ihrer Zunft gehört, installiert worden war. Ehrensache, dass die Orgelbau-Spezialisten gemeinsam mit Geschäftsführer Holger Redlich und zahlreichen Gemeindemitgliedern sowie Eschweiler Bürgern der Einweihung der erweiterten Orgel beiwohnten.

Der „Heilige Geist“

Diese lies Kantor Gerhard Behrens während des Festgottesdienstes, den Pfarrer Thomas Richter gemeinsam mit Pfarrer Dieter Sommer und unterstützt von Pfarrerin Ulrike Sommer und Diakon Bernhard Habermeyer von der Katholischen Pfarre St. Peter und Paul im Beisein von Jens Sannig, Superintendent des Kirchenkreises Jülich, leitete, erstmals in voller Pracht erklingen. „Pfingsten, so heißt es, ist der Geburtstag der Kirche. Und zum Lobe Gottes erklingt Musik“, erklärte Thomas Richter, bevor Dieter Sommer in seiner Predigt den nach christlichem Glauben an Pfingsten ausgesandten „Heiligen Geist“ als Geist der Wahrheit benannte und darüber hinaus auch die Bedeutung der Musik für den Glauben unterstrich. „Genau wie der Geistliche hat der Organist einen Verkündigungsauftrag“, erklärte der Pfarrer.

Diesem kam Gerhard Behrens während der anschließenden Orgel-Matinée sowohl als Solist als auch im Verbund mit Organistin Kerstin Heinritz nach. Die andächtig lauschenden Zuhörer kamen in den Genuss der gesamten Bandbreite des erweiterten Instruments, als die Interpreten Johann Sebastian Bachs „Präludium“ und „Fuge Es-Dur“ intonierten, um über die „Toccata h-Moll“ von Eugène Gigout und Jéhan Alains „Litanies“ zur Komposition „The Washington Post“ von John Philip Sousa und dem beschwingten Werk „Pomp and Circumstances“ von Edward Elgar zu gelangen.

Im Rahmen eines kurzen Festakts im Martin-Luther-Haus zitierte Thomas Richter zunächst den Dichter und Theologen Johann Gottfried Herder, der die Orgel als „den längsten Atem der Welt“ und die „Königin der Instrumente“ bezeichnete, in ihrem Klang die „nicht fassbare Dimension des Unendlichen“ wahrnahm und zu dem Ergebnis kam, dass es zahlreiche gute Gründe gebe, die Orgel zum Lobe des Herrn einzusetzen. Bürgermeister Rudi Bertam zollte während seines Grußwortes sowohl den Orgelbauern als auch den Interpreten höchsten Respekt. „Das Zuhören berührt, die Musik dringt ein“, so der Verwaltungschef, der der Musik nicht zuletzt verbindenden Charakter zuschrieb. „Die gesellschaftliche Entwicklung geht sehr stark in Richtung Polarisierung und weg vom Miteinander. Dies bereitet mir große Sorgen!“ Die Kirchen seien ein Anker der Gesellschaft. Doch es bestehe die Gefahr, dass dieser wegschmelze. Aufgabe der Politik müsse sein, grundsätzlich den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und ein Gemeinwesen aufrecht zu halten, in dem alle gerne lebten und bereit seien, Verantwortung zu übernehmen. „Deshalb lade ich alle zum Dialog ein, der hart in der Sache sein und auch Dissensen zu Tage fördern kann. Doch die gegenseitige Achtung darf nicht verloren gehen“, so Rudi Bertram. Hannokarl Weishaupt, Pfarrer der Katholischen Gemeinde Heilig-Geist, betonte, dass die Orgelmusik zur Kultur der Stadt Eschweiler und zur DNA des Christentums gehöre und äußerte darüber hinaus einen ökumenischen Gedanken. „Ich bin überzeugt, dass der Heilige Geist so lange dicke Bretter bohrt, bis wir gemeinsam Pfingsten feiern können.“

Bis zu sechs Meter lang

Am Nachmittag weihten dann Kantor Gerhard Behrens (unterstützt von einer Orgelmaus) und Orgelbauer Rolf Miehl junge und junggebliebene Musikinteressierte in die Geheimnisse der „Königin der Instrumente“ der Dreieinigkeitskirche ein. So erfuhren die Kinder unter anderem, dass die erweiterte von-Beckerath-Orgel nun über 2546 Pfeifen (zuvor rund 1800) verfügt, die bis zu sechs Meter lang sind, aus Holz oder Metall bestehen und über unterschiedlichste Durchmesser verfügen. „Durch die Wahl unterschiedlicher Klangfarben ist es möglich, dass gleiche Stück vollkommen unterschiedlich zu interpretieren“, erklärte Gerhard Behrens und trat den Beweis auch musikalisch an, als er nicht zuletzt die Echowirkung des Instruments demonstrierte. Seinen erwachsenen Zuhörern versicherte der Kantor, dass die „zuvor bereits gute Orgel“ nun den Aufstieg in die Königsklasse vollzogen habe. „Für uns war es wichtig, nicht einfach etwas draufzusetzen, sondern den bereits vorhandenen Klang in eine Synthese mit den neuen Klängen zu bringen“, erklärte Rolf Miehl die Aufgabe der Orgelbauer, die noch nicht vollständig abgeschlossen ist. „Einige wenige Register fehlen noch.“

Dies tat dem den Festtag abschließenden Konzert mit Beate Rux-Voss aus Heidelberg jedoch nicht den geringsten Abbruch. Die Ausnahmeorganistin startete mit der weltberühmten „Toccata & Fuge d-Moll“ von Johann Sebastian Bach, um das Instrument und die Zuhörer anschließend mit anspruchsvollen Werken von Sigfrid Karg-Elert, Olivier Messiaen, Naji Hakim sowie einer von Tobias Zuleger bearbeiteten Version von Gershwins „Rhapsodie in Blue“ herauszufordern. Stehend dargebrachter Applaus war die Reaktion der spürbar beeindruckten Konzertgäste nach dem Verklingen des letzten Tons. Ein Symbolbild für einen außergewöhnlichen Tag!

(ran)
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