Ökumenischer Kreuzweg der Jugend

Leiden Jesu Christi : „Das Leben kommt ans Licht!“

Der ökumenische Kreuzweg der Jugend hat einmal mehr viele Teilnehmer angelockt.

„Während unserer Gebete lenken wir den Blick auf innere Wege und erinnern uns an das Leiden Jesu Christi, von dem wir als Christen glauben, dass er das Licht der Welt ist.“ Mit diesen Worten eröffneten Mitglieder des Jugendmesskreises St. Bonifatius Dürwiß am frühen Freitagabend den ökumenischen Kreuzweg der Jugend, der in diesem Jahr unter der Überschrift „Ans Licht“ steht, konzeptionell auch auf Musik und Kunst als Säulen zurückgreift, dennoch aber minimalistisch geprägt ist und so den Teilnehmern die Gelegenheit gibt, sowohl zur Ruhe zu kommen als auch den Blick auf das Wesentliche zu richten.

Im dunkel gehaltenen Gotteshaus im Eschweiler Norden waren auf zwei großen Leinwänden Bilder des in Leipzig geborenen Malers Ben Willikens zu sehen, die in Abstufungen von Dunkelheit 13 Stationen des Kreuzwegs „Ans Licht“ präsentierten. Musikalisch gestaltet wurde der Jugendkreuzweg von einem Projektchor unter der Leitung von Peter-Heinz Arnolds, der einerseits mit eigens für den Anlass komponierten Liedern zum Mitsingen einlud, andererseits Musik als „soundtrackartige“ Untermalung bot.

Zentrale Bedeutung hatten aber auch und vor allem die Texte, die Ann-Kathrin Joswig, Lisa Plum, Katja Küpper, Daniel Beckers sowie Markus Schmetkamp vortrugen und die thematisch eine Klammer zwischen dem Kreuz als Symbol des Todes und dem Kerzenlicht als Zeichen der Auferstehung darstellten. „Wir gehen den Weg mit Jesus mit, in Gedanken, mit unseren Gefühlen, den Erfahrungen und im Glauben“, so die jungen Christen. Jeder Mensch habe seine persönliche und individuelle Lebensgeschichte, die hoffentlich von vielen schönen Momenten geprägt sei, in der jedoch auch dunkle Momente, in denen es keinen Ausweg zu geben scheine, vorkämen. Deshalb spreche der ökumenische Kreuzweg der Jugend, der in Eschweiler im Vorfeld von Diakon Günter Schiffeler mitgestaltet worden war, den einzelnen Menschen persönlich an.

Im Verbund mit den Glaubensschwestern und -brüdern schritten die fünf Vortragenden den Kreuzweg Jesu in Gedanken ab und setzten jede der 13 Stationen von der Verurteilung Jesu bis zur Auferstehung in Bezug zum realen Leben der Gegenwart. So fühle sich ein zu Unrecht Verurteilter (Station eins) auch heutzutage der Willkür ausgeliefert. „Andere urteilen über dich, weil du nicht in ihre kalte, dunkle Welt passt.“ Die dritte Station, in der Jesus seiner Mutter begegne, offenbare einen kurzen Moment des Vertrauens, des Verständnisses, der Geborgenheit, Heimat und Liebe. Gefühle, ohne die ein Mensch nicht leben könne. Gleiches gelte für die Hilfe durch Mitmenschen, die jedem die Gewissheit gebe, nicht alleine zu sein.

„Wer sieht dich, wenn es dir nicht gutgeht? Wer sind deine echten Freunde?“ Aber auch: „Hast du schonmal einem anderen Menschen unverhofft geholfen?“ Stattdessen sei die Bloßstellung anderer (Jesus wird seiner Kleider beraubt), die beim Betroffenen Angst vor Spott und Hohn hervorrufe, ein immer stärker um sich greifendes Phänomen unserer Zeit. „Vor wem kann ich mich noch trauen, so zu sein, wie ich wirklich bin?“, laute daher häufig die Frage. Jesus habe fremde Schuld auf sich genommen, weil nur so der Teufelskreis der Gewalt habe durchbrochen werden können. „Genau wie Jesus sollten wir voller Vertrauen alles in die Hände Gottes legen!“

Dinge die Angst machten, schienen stets unfassbar groß. Doch trotz zwischenzeitlicher Verzweiflung, die auch den Menschen Jesus erfasst habe, wie der Chor mit den gesungenen Worten „Mein Gott, warum hast du mich verlassen“ während des gesamten Kreuzwegs immer wieder ins Gedächtnis rief, sei die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod ein zentraler Gedanke eines Gläubigen. „Glauben heißt, einen Schritt ins Unbekannte zu tun.“

Manchmal sei es notwendig, Dinge zu begraben. Denn mit der Auferstehung vergehe das Dunkel und Licht ströme in die Finsternis. „Leid, Gewalt und Tod haben nicht das letzte Wort. Gott ist mit uns auf unserem Lebensweg“, ermunterten die Vortragenden die Mitbeter des okumenischen Kreuzwegs der Jugend Kerzen anzuzünden. „Das Leben kommt ans Licht!“

(ran)
Mehr von Aachener Nachrichten