Neues Gesetz: Nur vier gleichgeschlechtliche Ehen 2018 in Eschweiler

Neues Gesetz : Nur vier gleichgeschlechtliche Ehen 2018 in Eschweiler

Es war ein Meilenstein: Vor einem Jahr am 1. Oktober trat in Deutschland das Gesetz zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare in Kraft. In Deutschland und auch in NRW gab es daraufhin einen regelrechten Ansturm auf Standesämter.

Tausende Paare feierten die rechtliche Gleichstellung. In Eschweiler blieb dieser Andrang aus, wie Stadtsprecher René Costantini auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte.

„Beim Standesamt wurden seit dem 1. Oktober 2017 insgesamt 14 gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen, davon waren aber nur vier neue Eheschließungen“, so Costantini. Die restlichen zehn seien Umwandlungen einer Lebenspartnerschaft in die Ehe gewesen.

Auch Sascha Engels vom Ordnungsamt bestätigt, dass das Standesamt nicht mit Anfragen überhäuft wurde: „Nachdem die gleichgeschelchtliche Ehe ermöglicht wurde, hat es einen Andrang gegeben, der hat sich aber mittlerweile wieder relativiert.“ Ab und an kämen noch Eheschließungen vor, das geschehe aber relativ unregelmäßig. Die Nachfrage sei seit einem Jahr konstant abgeflacht.

Lebenspartnerschaft seit 2001

Die eingetragene Lebenspartnerschaft war bereits seit 2001 möglich, sie war aber rechtlich niemals mit der Ehe gleichgestellt. Zum Beispiel durften homosexuelle Paare keine Kinder adoptieren. Zwischen 2001 und 2017 wurden in Eschweiler laut Engels insgesamt 36 Lebenspartnerschaften geschlossen, davon bestehen heute noch 13, zehn wurden in Ehen umgewandelt.

Nicht nur in der Politik waren gleichgeschlechtliche Ehen ein viel diskutiertes Thema, vor allem in der Kirche gab es kontroverse Ansichten. In der Indestadt zeigen sich diese ebenfalls: Pfarrer Dieter Sommer von der Evangelischen Kirche Eschweiler steht der gleichgeschlechtlichen Ehe sehr offen gegenüber. „Ich plädiere dezidiert dafür, dass man dieses Thema nicht stigmatisiert und die Gefühlswelt der einzelnen Menschen anerkennt“, so Sommer.

Man dürfe die Augen nicht davor verschließen, dass es Liebe nicht nur zwischen Mann und Frau geben kann. Den Menschen, die Vorurteile gegen Homosexuelle haben, sagt Sommer Folgendes: „Wir haben alle noch urzeitliche Gene und Erinnerungen in uns, und das beeinflusst unser Denken. Aber wenn eine Partnerschaft durch äußeren Druck in Frage gestellt wird, kann das verheerend sein!“ Er versuche stets, auf das Seelenleben und die Psyche der Menschen zu achten und jeder Partnerschaft eine Chance zu geben.

Auch wenn sich gleichgeschlechtliche Paare in der evangelischen Kirche noch nicht trauen lassen können, so können sie doch um Gottes Segen bitten. Das geschieht laut Sommer allerdings nicht sehr häufig. „Viele lassen sich von dem desaströsen Ruf abschrecken, dass die Parternschaften nicht gottgewollt sind“, klagt er. In über 30 Jahren Dienst habe er nur zwei oder drei gleichgeschlechtliche Paare gesegnet, „dabei habe ich aber keinerlei Bedenken“.

Von der Gesellschaft wünscht er sich mehr Akzeptanz, damit homosexuelle Paare keine Scheu haben müssen, ihre Liebe in der Öffentlichkeit preiszugeben. „Wenn man das nicht zulässt, ist das ein ziemlicher Schlag für die Seele der Menschen“, so Sommer.

Im Übrigen kann er sich in seiner Unterstützung durchaus auf die Bibel berufen, die oft angeführt wird, wenn man gegen gleichgeschlechtliche Ehen argumentiert. An zwei Stellen, die er zitiert, ist von den Vorzügen einer Zweierschaft die Rede. Es werden die gleichen Werte angeführt, die auch in einer Ehe zwischen Mann und Frau große Bedeutung haben. In den entsprechenden Bibelstellen geht es aber eindeutig um zwei Frauen sowie um zwei Männer, was Sommer als Denkanstoß mit auf den Weg gibt.

Die katholische Kirche war bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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