Eschweiler: Nur jeder Zehnte überlebt einen Kreislaufstillstand

Eschweiler: Nur jeder Zehnte überlebt einen Kreislaufstillstand

Wann sollen wir nicht (mehr) reanimieren? Mit dieser Frage setzte sich jetzt Professor Dr. Uwe Janssens im Rahmen der Veranstaltung „Medizin im Dialog“ im St.-Antonius-Hospital auseinander. „Es ist ein ganz wichtiges Thema, das uns überall betrifft“, meinte Janssens, der den Anwesenden, darunter viele Ärzte und Pflegepersonal, den derzeitigen Stand der Dinge wiedergab.

In seiner Präsentation im Hospital-Restaurant „Akzente“ ging er zunächst darauf ein, welche verheerenden Folgen ein unerwarteter Kreislaufstillstand für die Betroffenen und auch für die Angehörigen haben könne. Die Zahlen, die der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am St.-Antonius-Hospital, präsentierte, waren mehr als deutlich. Nur zehn Prozent derer, die einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleiden, überleben diesen auch. Diese Information war auch für die Anwesenden schockierend.

Dass bei den Menschen ein falsches Bild über die gefährliche Situation verbreitet sei, liege vor allem an den TV-Serien, wie Janssens erläuterte. In diesen würden die Patienten zum größten Teil überleben, meinte der Chefarzt. Der Realität würde dies jedoch nicht entsprechen. Doch in welchen Situationen sollte eine Reanimation fortgesetzt, abgebrochen oder gar nicht erst durchgeführt werden? Janssens sprach sich an dieser Stelle für klarere Richtlinien aus, die den Ärzten sowie dem Pflegepersonal ihre Handeln erleichtern sollen.

Fest steht: Das Therapieziel einer Reanimationssituation ist, den Patient am Leben zu erhalten. Doch so vielfältig wie die Patienten sind, sind auch die Reanimationssituationen. Es gebe Fälle in denen eine Reanimation angebracht sei, dann wiederum gebe es welche, in denen eine Reanimation zweifelhaft sei, so Janssens. In manchen Situationen seien Wiederbelebungsversuche sogar nicht sinnvoll. Besonders schwierig sei für Ärzte und Pflegepersonal, dass der Patientenwille in dieser Situation nicht bekannt sei und man sich auf die Aussage der Angehörigen oder Betreuer stützen müsse.

Um aussichtslose Reanimationen einzuschränken, arbeitet Janssens momentan an einer ärztlichen Anordnung zur lebenserhaltenden Therapie. In dieser sollen Patienten persönliche Wünsche für ihre medizinische Behandlung festlegen. Diese richtet sich jedoch nur an Patienten mit einer fortgeschrittenen Erkrankung oder an solche, die an fortgeschrittener Zerbrechlichkeit leiden.

In der anschließenden Diskussion berichteten die Anwesenden über ihre eigenen Erfahrungen und gaben Janssens für seinen Vorschlag positives Feedback. Mit diesem Konzept soll, laut Janssens, sowohl eine Über- als auch eine Untertherapie der Patienten verhindert werden. „Wenn wir das schaffen, wären wir schon sehr weit“, so Janssens.

(se)
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