Stolberg/Eschweiler - Notfallpraxen: Kinder nach Stolberg, Eltern in Eschweiler?

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Notfallpraxen: Kinder nach Stolberg, Eltern in Eschweiler?

Von: Sonja Essers und Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Werden in der Notdienstpraxis im St.-Antonius-Hospital bald nur noch Erwachsene behandelt? Entsprechende Überlegungen bestätigte nun der Kreisvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, Dr. Lothar Nossek. Foto: Patrick Nowicki
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Werden in der Notfallpraxis am Bethlehem-Gesundheitszentrum bald nur noch kleine Patienten behandelt? Darüber diskutiert die Kassenärztliche Vereinigung derzeit. Für die Erwachsenen soll es dann an das St.-Antonius-Hospital nach Eschweiler gehen. Foto: Ottmar Hansen

Stolberg/Eschweiler. Eigentlich sollte die Schließung der Notfallpraxen in der Region schon längst vom Tisch sein. Nachdem Krankenhäuser, die Ärztekammer und zahlreiche Stolberger und Eschweiler vor drei Jahren gegen dieses Vorhaben protestierten, entschied sich die Kassenärztliche Vereinigung (KV) dazu, das Thema auf Eis zu legen – bis jetzt.

Laut Informationen unserer Zeitung soll in Sachen Notfallpraxen eine entscheidende Veränderung bevorstehen: Erwachsene sollen künftig am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler und Kinder am Bethlehem-Gesundheitszentrum in Stolberg behandelt werden. Die ambulante Notaufnahme ist nicht betroffen.

Zum Hintergrund: Im Oktober 2014 wurde bekannt, dass die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein die Notdienste neu organisieren wollte. Damals gab es Überlegungen, die Praxen an den Krankenhäusern von Eschweiler und Stolberg zusammenzulegen. Das wiederum löste nicht nur in der Bevölkerung erhebliche Widerstände aus. Auch von Seiten der Politik gab es große Bedenken.

So setzte sich auch Stolbergs Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier für den Erhalt der Praxis ein. Letztlich entschied sich die KV gegen die Schließung und für das so genannte Heinsberger Modell. Bedeutet: Ein KV-Arzt sollte in der Aufnahme jedes Krankenhauses in den Kreisen Aachen, Düren und Heinsberg erster Ansprechpartner der Notfallpatienten sein und darüber befinden, ob ein Fall für Krankenhaus- oder kassenärztliche Behandlung vorliegt.

Nachdem Dr. Lothar Nossek, Vorsitzender der KV-Kreisstelle Aachen, in dieser Woche im Bethlehem-Gesundheitszentrum gesehen wurde, kochte das Thema erneut hoch. Nossek bestätigte am Donnerstag auf Nachfrage unserer Zeitung, dass es derzeit Planungen geben würde. „Die Bereitschaftsdienstpraxen sollen neu organisiert werden. Dabei geht es um eine neue Aufteilung. Beschlossen ist aber noch nichts“, sagte er. Es sei jedoch durchaus denkbar, dass die Behandlung der jüngeren Notfallpatienten künftig am Bethlehem-Gesundheitszentrum von statten gehen könnte. Schließlich verfüge man dort bereits über eine große Kinderabteilung, so Lothar Nossek weiter. „Zunächst einmal muss aber geschaut werden, welche Aufteilung grundsätzlich sinnig ist.“

Neu ist dieses Vorhaben eigentlich nicht. Bereits vor drei Jahren überlegte die KV, fachärztliche Notdienste einzurichten. Hals-, Nasen-, Ohren- (HNO), kinder- und den augenärztlichen Notdienst sollte es an zentralen Stellen geben. Mit den Krankenhäusern in Eschweiler und Stolberg befinde man sich derzeit im Gespräch, so Nossek. Das bestätigt auch Dirk Offermann, Geschäftsführer des Bethlehem-Gesundheitszentrums. Ein Treffen mit Nossek habe stattgefunden.

Dabei sei es um die Implementierung eines kinderärztlichen Bereitschaftsdienstes gegangen, den es in dieser Form bisher nicht gebe. Dieser soll im Laufe dieses Jahres, spätestens allerdings bis zum 1. Januar 2019 eingerichtet werden. Ob damit eine Schließung der Notfallpraxis für Erwachsene einhergeht, konnte Offermann nicht sagen. Er hofft, dass es nicht dazu kommt, teilt er mit.

Und was hält man in Eschweiler davon? „Die Entscheidung obliegt der KV. Wir als Krankenhaus haben keine Einflussmöglichkeit, würden aber alle Anstrengungen unternehmen, damit die Patienten auch entsprechend versorgt werden“, sagt Elmar Wagenbach, geschäftsführender Vorstand des St.-Antonius-Hospitals in Eschweiler.

Nicht nachvollziehbar

Stolbergs Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier erklärt: „Von Seiten der Verwaltung sind wir damit überhaupt nicht einverstanden.“ Bereits vor drei Jahren sei deutlich gewesen, dass der Bedarf für eine Praxis, in der Kinder und Erwachsene behandelt werden, bestehe. Warum die Pläne, die damals aufgegeben wurden, nun wieder auf den Tisch kommen, sei für ihn nicht nachvollziehbar. Zudem spricht Grüttemeier von einer „Kommunikation durch die Hintertüre“.

Mit der KV sei vereinbart worden, dass man die Bürgermeister informiere, sobald es neue Pläne gebe. „Deshalb ist es erstaunlich, dass die Pläne schon so weit fortgeschritten sind“, so Grüttemeier. Er geht davon aus, dass sich in der Bevölkerung großer Widerstand regen werde. Recht hat er. Eine Stolberger Bürgerinitiative, die bereits vor drei Jahren protestierte, hat in den sozialen Netzwerken erneut zu Widerstand aufgerufen.

Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram kritisiert, dass „Krankenhäuser als Wirtschaftsunternehmen gelten und wie solche behandelt werden“. Das Gesundheitssystem sei für ihn Daseinsvorsorge, die für alle Menschen gleich erreichbar sein müsste. Auch gegen die Schließung der Geburtsklinik in Eschweiler vor eineinhalb Jahren hat Bertram protestiert.

„Dass nun die Aufgaben der Notdienstpraxis aufgeteilt werden, ist auch eine Folge dieser Entscheidung“, sagt er. Er fordert, dass die Voraussetzungen geschaffen werden, dass auch die dann nach Eschweiler kommenden Patienten aus Stolberg eine umfangreiche Versorgung erhalten. „Bisher sind wir allerdings noch nicht offiziell als Stadtverwaltung kontaktiert worden“, betont er.

Dem Vernehmen nach soll die Umstellung am 1. Juli dieses Jahres erfolgen. Die Entscheidung, wie es mit den beiden Praxen weitergeht, trifft der Hauptvorstand der KV in Düsseldorf. Dieser teilt mit, dass ein genaues Datum noch nicht feststehe.

„Über die Konkretisierung der Pläne und entsprechende Beschlüsse hinaus braucht es für die Umsetzung neuer Strukturen im Notdienst auch neue Dienst- und Organisationspläne für die niedergelassenen Ärzte der Region – diese bilden die Grundlage für einen geregelten Ablauf der Notdienste vor Ort. Der ambulante Notdienst ist ein komplexes Gebilde mit vielen Akteuren – insofern haben Änderungen stets einen erheblichen Vorlauf“, so Christopher Schneider. In vier Wochen könne mit einer Entscheidung gerechnet werden, sagt Nossek.

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