Eschweiler: Niemanden mit Fotos „verletzen“

Eschweiler: Niemanden mit Fotos „verletzen“

Es sind Fotografien, die vom Leben erzählen. Menschen, deren Gesichter Geschichten verbergen und erzählen. In schwarz-weiß fotografiert und dann auf Leinwand oder Holz mit verschiedenen Materialen in Szene gesetzt. Das macht Hanne Horns Kunst aus und zieht ihr Betrachter in ihren Bann.

Zum ersten Mal stellt die Düsseldorfer Künstlerin in Eschweiler ihre Werke aus. Im besonderen Ambiente des Talbahnhofs weiß sie genau, wie sie ihre Bilder richtig in Szene setzt. „Ich spiele mit der Hängung“, verrät Hanne Horn. „Als ich wusste, dass ich hier ausstellen werde, habe ich mir zuerst die Räume angesehen.“ Und weil es dort sowohl abgetrennte als auch offene Räume gibt, konnte die Künstlerin problemlos sowohl Holz als auch Leinwände aufhängen. „Dieses Mal war ich sehr sparsam, denn weniger ist manchmal mehr“, begründet sie die Menge der gezeigten Bilder.

Und doch sind es einige, von denen dem Betrachter auf Augenhöhe die verschiedensten Menschen entgegenblicken. „Zu jedem meiner Bilder kann ich eine Geschichte erzählen“, berichtet die Fotografin weiter. Und so unterschiedlich die Bilder und deren Geschichten auch sein mögen, sie alle strahlen eine Natürlichkeit aus und geben dem Betrachter ein Gefühl von Vertrautheit.

Das Arrangement im Talbahnhof strahlt zudem eine gewisse Ruhe aus, die es ermöglicht, jedes Bild für sich zu betrachten. Bei der Eröffnung am vergangenen Sonntag waren bereits viele Gäste vor Ort, die diese Atmosphäre genossen. Eröffnet wurde die Ausstellung von Ralf Walraff, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Eschweiler Kunstvereins sowie vom Kunsthistoriker Stefan Skowrov. Skowrov erläuterte kurz Hanne Horns Werke und verwies darauf, dass es nicht nur „diese technische Fotografie“ ist, sondern dass „erst der Zusammenhang aller Elemente das Bild ergibt“. Mit Elementen sind dabei die Stoffe, die Erde, das Zeitungspapier und anderes gemeint, mit dem Hanne Horn ihren Bildern erst die ganz besondere Note verleiht. „Die Vielzahl von Interventionen verleiht ein Geheimnis und holt das Bild aus dem Abbildsein in die befreite Kunst“, erklärt der Kunsthistoriker.

Und damit diese Kunst auch wirken kann braucht es ein gutes Konzept. „Die Bilder auszuwählen und zu entscheiden, welches wo hängen wird, das ist die meiste Arbeit“, erklärt Hanne Horn. „Aber als wir fertig waren, war es einfach wunderbar!“, sagt sie und schaut sich lächelnd im Talbahnhof um. Aber nicht nur die Ausstellung verlangt viel Geduld, auch die Entstehung der Bilder kann manchmal viel Zeit in Anspruch nehmen. „Es vergehen oft Filme, bis das richtige Foto entstanden ist“, berichtet Horn, die bis vor wenigen Jahren ausschließlich analog arbeitete.

Erfreuliche Entdeckung

Heute benutzt sie auch digitale Kameras und hat eine erfreuliche Entdeckung gemacht: „Mittlerweile zeige ich den Leuten, das erste Foto, das ich geschossen habe und es ist erstaunlich, aber danach entsteht ein unglaubliches Vertrauen. Denn vor allem der Satz ‚Ich bin nicht fotogen‘, den ich so oft höre, verändert sich dann in ein ‚Das sieht ja gar nicht so schlecht aus‘. Und dann können wir gut und locker gemeinsam arbeiten“, weiß die Künstlerin. Ihr ist es wichtig, mit ihren Fotos niemanden zu „verletzen“, denn sie weiß auch, dass das geringe Selbstbewusstsein vor der Kamera von schlechten Erfahrungen herrührt. „Aber wir müssen nur beide wollen“, erklärt sie weiter und dann können so wunderbare Werke wie im Talbahnhof entstehen. Und die wollen gesehen werden, so Hanne Horn und dazu haben in Eschweiler alle Interessierten bis zum 1. Juni Zeit. Denn so lange wird es die Ausstellung mit dem Titel „Hanne Horn — Fotografie und...“ im Talbahnhof zu sehen sein.

(kaba)