Neujahrsempfang im Amtsgericht

Neujahrsempfang: Ein mühsam zu bohrendes dickes Brett

Beim Neujahrsempfang wird eine positive Bilanz gezogen. Und ins neue Jahr geblickt: Historische Fliesen im Gerichtsflur werden bald freigelegt.

Viel geschafft im vorigen Jahr und zuversichtlich, auch im neuen Jahr ziemlich flott für Gerechtigkeit zu sorgen – beim Neujahrsempfang zog der Direktor des Amtsgerichts Rainer Harnacke eine positive Bilanz. Nur der geplante Erweiterungsbau an der Kaiserstraße erweist sich jedes Jahr aufs Neue als ein mühsam zu bohrendes dickes Brett. Aber man wird weiter bohren.

Vier von fünf Deutschen meinen, Gerichtsverfahren würden zu lange dauern. Die Statistik spreche aber eine andere Sprache, versicherte Dr. Harnacke in seiner Ansprache bei dem Empfang am Donnerstag im Sitzungssaal des Amtsgerichts. Deutschland liege bei Zivilprozessen mit knapp 200 Tagen für die erste Instanz europaweit im guten Mittelfeld. Und in Eschweiler gehe es noch etwas schneller: „Wir haben sowohl im Zivilbereich als auch bei den Familiensachen eine durchschnittliche Erledigungszeit von 6,3 Monaten pro Verfahren. In Strafsachen sogar von 4,7 Monaten.“

Die Zahl der Verfahren ist beim Amtsgericht, das für die Städte Stolberg und Eschweiler zuständig ist, im vorigen Jahr gesunken. Fünf Prozent weniger Zivilverfahren, sechs Prozent weniger Familiensachen und sogar 18 Prozent weniger Strafverfahren gab es im vorigen Jahr. Das sei aber noch immer viel Arbeit, die auf wenigen Schultern ruht. Für die 1470 Zivilverfahren gab es 3,5 Richterstellen, die 1236 Strafverfahren verteilen sich auf 3,8 Richterstellen. Es fehle, so Rainer Harnacke, immer noch Personal. Einerseits. Andererseits bedankte Harnacke sich herzlich bei Christiane Fleischer, der Präsidentin des Landgerichts Aachen, denn das Amtsgericht Eschweiler hat im vorigen Jahr zusätzliches Personal bekommen: „eine halbe Richterstelle, eine Aufstockung im Servicebereich, eine Gerichtsvollzieherin und einen Wachtmeister“.

Herzliche Dankesworte gab es beim Neujahrsempfang für das gesamte Team des Amtsgerichts: „Sie haben einen großen Einsatz für die Justiz erbracht“, so Harnacke. Und die Vorsitzende des Aachener Anwaltsvereins, Dr. Susanne Fischer, lobte die vielen Veranstaltungen, die das Amtsgericht als Arbeitgeber für die Mitarbeiter organisiert: „Es sind Veranstaltungen mit hohem Einsatz, und diese Mitarbeiter-Motivation trägt Früchte.“ Unter anderem gab es einen Info-Tag zum Familienrecht und einen Brandschutz-Lehrgang. Aber auch eine Rückenschulung und gesellige Anlässe wie Karnevalsfrühstück und Maiwanderung standen auf der Agenda.

Renovieren ist am Amtsgericht Eschweiler ein Dauerthema, immerhin ist der „wunderschöne Altbau“ (Harnacke) 1907 errichtet worden. In diesem Jahr werden die WC-Anlagen grundlegend saniert. Im Erdgeschoss soll der historische Bodenbelag wieder sichtbar werden. Denn unter dem grauen PVC, so berichtete der Direktor des Amtsgerichts, liegen im Mittelteil des Flurs alte Fliesen, die wieder zum Vorschein kommen werden. Die anderen Teile des Flurs und die Treppe erhalten einen Linoleumboden. Im Gebäude an der Peter-Paul-Straße wurden im vorigen Jahr die Toiletten, Flure und der Sozialraum renoviert, in diesem Jahr sind dort die beiden Sitzungssäle und eine Geschäftsstelle an der Reihe.

Seit Jahren kämpft das Amtsgericht um einen Erweiterungsbau auf dem Gelände an der Kaiserstraße. Auch beim jüngsten Neujahrsempfang war das wieder Thema. Inzwischen gibt es ein Raumprogramm, in dem alle notwendigen Räume, ihre Größe, Ausstattung und künftige Nutzung beschrieben sind. Jetzt geht es an die Ausschreibung und die Suche nach einem Architekten. Rainer Harnacke ist sich sicher, dass auch beim Neujahrsempfang 2020 der Erweiterungsbau wieder ein Thema seines Vortrags sein wird.

Zu dem alljährlichen Empfang im Amtsgericht Eschweiler sind die Bediensteten des Gerichts, die Rechtsanwälte und Notare mit ihren Beschäftigten und Vertreter der beiden Städte Stolberg und Eschweiler eingeladen. „Wo wir uns teilweise nur vom Briefpapier, von Telefonaten oder aus sachlichen Gerichtsverhandlungen kennen“, so der Direktor des Gerichts, bietet der Neujahrsempfang die Gelegenheit, zwanglos ins Gespräch zu kommen. Dazu gab es Getränke wie Bier, Sekt und Saft sowie ein Büfett. Und tatsächlich viele gute Gespräche.

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