Eschweiler: Neues Projekt soll Jugendliche für Kommunalpolitik begeistern

Eschweiler : Neues Projekt soll Jugendliche für Kommunalpolitik begeistern

Zukunft bastelt man nicht mit links. Einer Stadt wie Eschweiler, gerade in Zeiten, in denen durch den bevorstehenden Fortfall des Kraftwerks Weisweiler wieder einmal ein Strukturwandel angesagt ist, zu nachhaltigen Jobs und guten Perspektiven zu verhelfen, das erfordert enormen Einsatz.

Nicht nur von der Verwaltung, auch von der Kommunalpolitik. Männern und Frauen, die ehrenamtlich für die nächsten Generationen arbeiten. Generationen, die ihrerseits bislang mit Kommunalpolitik nicht allzu viel „am Hut“ haben.

Das soll sich ändern. Ein Ziel, das die Stadt unter anderem mit Hilfe des Projekts „KidS“ (Kommunalpolitik in der Schule) anpeilt. Ein Projekt, in dem junge Indestädter hautnah miterleben, wie Stadtverordnete Zukunft gestalten. Dreimal fand diese außergewöhnliche Kooperation zwischen Schülern und Ratsmitgliedern bereits statt. Eine Kooperation, die sich nicht nur in den Augen der Stadt bewährt hat und deshalb in diesem Jahr fortgeführt werden soll. Die genauen Termine müssen noch mit den weiterführenden Schulen abgestimmt werden.

Und so funktioniert‘s: Für mindestens acht Wochen stehen den Schülern (im vergangenen Jahr waren es insgesamt 15 von der Realschule, dem städtischen Gymnasium und der Liebfrauenschule) 18 Ratsmitglieder aller im Rat vertretenen Parteien als Mentoren zur Verfügung. Sie informieren den Nachwuchs nicht nur grundlegend über die Fraktions- und Rats-arbeit, sondern nehmen sie auch mit zu politischen Terminen, in die Fraktions- und (öffentlichen) Ausschusssitzungen. Die Mentoren werden zu Beginn des Projekts den Schülern zugelost; nach Ablauf der Hälfte der Projektzeit wird neu gelost, um Überparteilichkeit zu gewährleisten.

Projektnote: sehr gut

Nicht nur bei Rat und Verwaltung stößt das „KidS“-Projekt auf ein durchweg positives Echo, auch die beteiligten Jugendlichen sind hoch zufrieden mit dem, was sie erfahren können. Dies ergab eine Fragebogenaktion, deren Ergebnisse die Verwaltung jetzt dem Schulausschuss vorlegt.

Von den 15 beteiligten Schülern (darunter neun Mädchen) im Alter von 14 (ein Schüler), 15 (sieben), 16 (fünf), 18 und 19 Jahren (je einer), von denen elf ein Gymnasium und vier die Realschule besuchten, fanden 13 das Projekt sehr gut, zwei gut. Den Projektablauf benoten acht mit sehr gut, sieben mit gut. Ihre Teilnahmemöglichkeiten beurteilen sieben Schüler mit sehr gut, sechs mit gut, zwei mit „geht so“. Die Einblicke, die sie in Kommunalpolitik und Verwaltung bekamen, bezeichnen elf mit sehr gut, drei mit gut und einer mit „geht so“. Die Weitergabe von Informationen an sie fanden neun Schüler sehr gut, sechs gut.

Der Umgang zwischen Mentor und Schüler bekam 14 mal ein sehr gut, einmal ein gut. Dass sie weitergehende Kenntnisse über politische Themen unserer Region haben, bestätigen alle 15 Schüler. 13 kennen die Ausschüsse der Stadt, alle 15 verstehen die Aufgaben der Ratsmitglieder und kennen die Fraktionen, zwölf wissen, wie der Rat gewählt wird. Und immerhin neun sind überzeugt, in Eschweiler etwas bewegen zu können. 13 wollen versuchen, sich weiterhin politisch zu engagieren. Und alle 15 wollen das Projekt ihren Freunden und anderen Schülern empfehlen.

Erfolgreich gestartet ist auch das Eschweiler Jugendforum, das sich als Interessenvertretung der Eschweiler Jugendlichen bei Politik und Verwaltung versteht. Zwei- bis viermal im Jahr tauschen sich die Mitglieder mit der Verwaltung aus, einmal jährlich gibt es eine große Gesprächsrunde mit dem Bürgermeister. Die Wünsche, Anregungen und Forderungen der Jugendlichen werden dann an den Jugendhilfeausschuss weitergeleitet.

Sprachrohr der Jugend

Mitmachen können und sollen die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Jugendpartizipation Eschweiler“, Schülervertreter der weiterführenden Schulen und alle interessierten Jugendlichen und junge Erwachsene aus Eschweiler im Alter von zwölf bis 26 Jahren. Wer sich beteiligt, bekommt dies möglicherweise demnächst schriftlich: „Wünschenswert und für Jugendliche motivierend wäre eine Zertifizierung der Teilnahme am Jugendforum“, konstatiert die Verwaltung. „Als Anreiz für Schülervertreter, sich im Jugendforum zu engagieren, ist in Abstimmung mit den Schulen ein Vermerk auf dem Zeugnis anzustreben.“

„Das Jugendforum soll sich mit jugendspezifischen Themen aus-einandersetzen und gesellschaftliche und politische Beteiligung von Jugendlichen fördern“, unterstreicht die Verwaltung. „Die Themen des Jugendforums sollen keine parteipolitischen Ziele verfolgen. Als Sprachrohr der Jugend aus Eschweiler bleibt das Jugendforum politisch neutral.“

Schon die Auftaktveranstaltung Ende April war ein voller Erfolg: Unter der Moderation der Arbeitsgruppe „Jugendpartizipation Eschweiler, unterstützt von Mitarbeitern der Mobilen Jugendarbeit, diskutierten im Jugendtreff „Check-In“ rund 60 junge Inde-städter darüber, was ihnen unter den Nägeln brennt, was sie in Eschweiler gut finden und was sie hier stört. Zu Letzterem zählte übrigens vor allem das den Jugendlichen unzureichend erscheinende Nahverkehrsangebot, insbesondere zu vorgerückter Stunde. Viermal im Jahr soll das Forum tagen — ab sofort mit Beteiligung von Entscheidungsträgern aus Politik und Verwaltung.

Die Stadt, die das Konzept des Jugendforums am kommenden Mittwoch dem Schulausschuss präsentiert, stellt dem Jugendforum sogar einen kleinen Etat zur Verfügung: 2500 Euro. Davon können zum Beispiel Referenten zu Fachthemen bezahlt oder Öffentlichkeitsarbeit finanziert werden.