Eschweiler: Neue onkologische Ambulanz für 8,7 Millionen Euro

Eschweiler: Neue onkologische Ambulanz für 8,7 Millionen Euro

Dass er auf „sein“ Hospital stolz ist, merkt man Michael Deußen an. Mit Begeisterung berichtet der Technische Leiter des Hauses von der neuen, zukunftsweisenden Energiezentrale des Hospitals, von den zwei brandneuen Niedertemperatur-Brennwertkesseln mit je 1,2 MW Leistung zur Wärmeversorgung und den beiden neuen Blockheizkraftwerk-Modulen, die 75 Prozent des gesamten Stromverbrauchs des Hospitals decken.

Die liefern als „Nebenprodukt“ Heizwärme im Winter und Warmwasser im Sommer. Und weil ein Hospital nun mal auch Kälte braucht, verwandelt eine Absorptionsanlage überschüssige Wärme in nötige Kälte. Falls das überhaupt nötig ist: Denn bei Außentemperaturen unter 8 Grad Celsius wird die kühle Luft von außen ins Haus geholt und in Pufferspeichern zwischengelagert. „Der Großteil unserer Kälte kommt aus Mutter Natur — und das nahezu kostenlos“, schwärmt Deußen.

Über den Dächern der Indestadt: Geschäftsführer Elmar Wagenbach (links) und Architekt Peter Hering auf dem Dach des 8. Obergeschosses des Bettentrakts. Das gesamte Stockwerk wird in der kommenden Woche abgetragen, um Platz für einen Neubau zu schaffen. Oberhalb der Aufbauten links im Bild entsteht später die Hubschrauber-Plattform. Foto: Rudolf Müller

Rund 2,2 Millionen Euro hat das neue Energiesystem gekostet. Was das Hospital jetzt für Umbauten ganz anderer Art aufwendet, ist ein Vierfaches dessen. „Unsere Onkologie platzt aus allen Nähten. Den Zustrom an Patienten durch Beschränkung auf bestimmte Tumoren oder Einzugsgebiete zu regulieren, widerspräche unserem christlichen Verständnis der Hilfe für jedermann. Also müssen wir erweitern“, sagt Elmar Wagenbach, Geschäftsführender Vorstand des St.-Antonius-Hospitals.

Fast völlig entkernt: das achte Obergeschoss des Bettentrakts. Hier entsteht die neue onkologische Ambulanz des Hospitals.

Hinzu kommt, dass eine neue EU-Richtlinie enge Vorgaben für die Gestaltung von Hubschrauberlandeplätzen machen. Der bisherige Helikopterplatz auf dem Rasen hinter dem Hospital genügt da nicht mehr: Jetzt soll eine Landeplattform hoch über dem Dach des Hospitals her. „Wir sind ein Unfallschwerpunkt-Krankenhaus mit Zertifizierung im Trauma-Netzwerk; daher ist ein Landeplatz für uns elementar wichtig“, betont Wagenbach. Schon 2005, bei Bekanntwerden der neuen EU-Verordnung, machte man sich im Hospital gemeinsam mit Gunter Carloff, einem Fluggutachter und erfahrenen Helikopterpiloten, auf die Suche nach einem geeigneten Standort für den Landeplatz. 2011 war das Vorhaben so weit, dass man es konkret in Angriff nehmen konnte. Allerdings: Dutzende von Gutachten und Genehmigungen waren nötig, ehe nun tatsächlich mit dem Bau begonnen werden konnte. Ein Jahr später als ursprünglich geplant: Bürokratie braucht ihre Zeit. Und an die Arbeit machen konnten sich die Männer vom Bau nur im Mai: weil ein späterer Beginn zur Folge gehabt hätte, dass das Hospital im nächsten Winter ohne Frostdämmung und regendichte Abdeckung dagestanden hätte. „Und das wäre katastrophal, dann hätten wir über kurz oder lang das halbe Haus sanieren müssen“, sagt Wagenbach.

Am 19. Mai wurde der 78-Meter-Kran aufgebaut. Seither wird der gesamte Bettenhaustrakt eingerüstet. Im 8. Obergeschoss, bisher als Speicherraum und zur Unterbringung eines Teils der Bettenaufbereitung genutzt, herrscht gähnende Leere. Bis auf den nackten Beton ist die Etage entkernt. „Hier kann man 110 Meter weit bowlen“, sagt Elmar Wagenbach. Das wird sich bald ändern: Am Montag wird damit begonnen, mittels Betonsägen Dach und Außenwände der 1600 Quadratmeter großen Etage zu entfernen und gleich wieder in Form einer Stahlkonstruktion aufzubauen. Mit modernsten Materialien und einem komfortablen Meter Deckenhöhe mehr als im bisherigen Speicher. Hier wird künftig die onkologische Ambulanz ihr neues, topmodernes Domizil finden. Auf über 500 Quadratmetern findet sich dann ein Zytostatika-Labor zur Herstellung von Chemotherapie nach neuesten Erkenntnissen ebenso wie ein kleines Blutlabor und ein Labor zur Fertigung von Frühgeborenen-Nahrung.

Im Sommer kommenden Jahres soll die neue Onkologie in Betrieb gehen. Zeitgleich mit dem Innenausbau der neuen Station wird dann auch auf dem Dach des Hospital gearbeitet: Dort, wo Bettenhaus und Behandlungstakt T-förmig aneinanderstoßen, werden drei riesige Stahlstützen in Drei-ecksanordnung neben den Gebäuden im Erdreich verankert. Sie tragen in 38 Metern Höhe eine tellerförmige, gegen Vereisung beheizbare Aluminiumplattform von 33 Metern Durchmesser — Auffangnetz rundum inbegriffen.

Von hier führt eine Rampe zur einer Kanzel einige Meter über dem Dach des Behandlungstraktes. Von hier aus wird der Flugverkehr überwacht. Und hier endet auch der dann verlängerte Fahrstuhl der Rettungswache, der Notfallpatienten vom Hubschrauber aus unmittelbar zum Herzkatheter, zum Schockraum oder zur Intensivstation bringt.

Daneben entsteht ein neues Notfalltreppenhaus. Es ist nicht der einzige Fluchtweg: Übers Dach des Bettentraktes führt ein zweiter Richtung Elisabethheim zu einem weiteren Treppenhaus. Im Herbst 2014, so schätzt Dipl.-Ing. Peter Hering, der Architekt des St.-Antonius-Hospitals, wird der erste Hubschrauber auf der neuen Dach-Plattform landen können.