Vier weitere Stolpersteine in Eschweiler: Nazi-Gegner wurden in Konzentrationslagern umgebracht

Vier weitere Stolpersteine in Eschweiler : Nazi-Gegner wurden in Konzentrationslagern umgebracht

Im nächsten Jahr sollen vier weitere Stolpersteine verlegt werden. Das beschloss der städtische Arbeitskreis „Stolpersteine gegen das Vergessen“ am Dienstag. In Eschweiler erinnern bisher schon 57 Stolpersteine an Opfer des Nationalsozialismus.

Die meisten dieser Opfer waren Juden. Die Gedenksteine, Messingtafeln von zehn mal zehn Zentimetern Größe, liegen im Bürgersteig vor den letzten frei gewählten Wohnungen der Ermordeten. 2015 wurden die bislang letzten verlegt. Jetzt konnten noch einmal vier Schicksale geklärt werden. Karteikarten aus Konzentrationslagern und Akten aus Wiedergutmachungsverfahren der 50-er Jahre führten auf die Spur der NS-Opfer.

Am 4. Oktober 1944 verhaftete die Geheime Staatspolizei (Gestapo) in Weisweiler eine Gruppe von NS-Gegnern direkt am Arbeitsplatz. Die acht Männer kamen alle ins KZ. Einer davon war der 1890 geborene Michael Müller. Er starb im Februar 1945 im Konzentrationslager Buchenwald. Müller hinterließ seine Frau und einen Sohn Georg.

Ebenfalls aus politischen Gründen wurde Gottfried Ripphausen aus der Phönixstraße in das KZ Buchenwald gebracht. Er war Witwer und hatte keine Kinder. Er starb dort am 28. Dezember 1944.

Im KZ Sachsenhausen starb im März 1941 der Bergmann Kaspar Laufs, der aus Scherpenseel stammte und zuletzt in der Marienstraße wohnte. Der Grund seiner KZ-Haft ist bisher nicht bekannt.

Auch an den jüdischen Metzger Leo Heumann vom Langwahn soll mit einem Stolperstein erinnert werden. In Eschweiler war er auch als Handball-Funktionär bekannt. Heumann flüchtete 1938 nach Maastricht. Als er nach Deutschland ausgewiesen werden sollte, beging er Selbstmord. Seine Frau und sein kleiner Sohn wurden später in einem Vernichtungslager im Osten ermordet.

Der Arbeitskreis recherchiert seit zwölf Jahren ehrenamtlich die Schicksale von Opfern des Nationalsozialismus. Die Stolperstein-Aktion wurde von dem Kölner Künstler Gunther Demnig erfunden. Für die jetzt geplanten vier Gedenksteine gab es direkt in der Sitzung am Dienstag Spendenzusagen. Die Finanzierung ist somit bereits gesichert.

Alljährlich im November werden die Stolpersteine gereinigt und geputzt. In diesem Jahr werden das Schülerinnen und Schüler Eschweiler Schulen übernehmen. Mehrere Schulen haben ihre Teilnahme bereits zugesagt, hieß es in der Versammlung im Rathaus.

Mitgeteilt wurde auch, dass einer der bisherigen Stolpersteine neu verlegt werden musste. Der Stein, der an den ermordeten Gewerkschafter Georg Kurt Dietz erinnert, war bei Straßenbauarbeiten abhanden gekommen. Er wurde neu angefertigt und von Mitarbeitern der Stadtverwaltung verlegt.

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