Eschweiler-Dürwiß: Narrengarde geht neue Wege mit Sitzung und Party

Eschweiler-Dürwiß : Narrengarde geht neue Wege mit Sitzung und Party

Eines war dann doch „wie immer“: Der Ruf „Kaaf alaaf“ hallte am Samstag während der Sitzung der KG Narrengarde Dürwiß ungezählte Male durch die mit bunt und fantasievoll kostümierten Jecken vollbesetzte Festhalle. Ansonsten war aber fast alles anders.

Stichwort Konzept! Eine neue Startzeit am Nachmittag und ein größtenteils von bestens aufgelegten eigenen Kräften präsentiertes Programm mit hochkarätigen Einsprengseln von „anderswo“ ließ dem närrischen Volk ausreichend Zeit, um nach dem letzten jecken Ton auf der Bühne vor eben dieser noch eine ausgelassene und stimmungsvolle Party zu feiern. „Wer immer in der gleichen Spur bleibt, kommt nur wenig voran und kann nicht überholen“, begründete Vizepräsident Thorsten Schnitzler die Neuerungen.

Sie rocken und rocken: Prinz Patrick I. und sein Zeremonienmeister Michael brachten auch ihr „Wohnzimmer“ zum Kochen. Foto: Andreas Röchter

Wobei wir schon bei der nächsten „Ungewöhnlichkeit“ dieser Narrengarde-Sitzung wären. Thorsten Schnitzler fungierte als Sitzungspräsident und vertrat einen gewissen Patrick Nowicki, der einmal mehr etwas anderes zu tun hatte, voller Wortwitz, Lust sowie bester Laune. Desweiteren machte er nicht zuletzt seinen Elferrats-Mitstreitern schnell klar, dass die Bezeichnung „Sitzung“ nur eine leicht-ironische Umschreibung dessen war, was die Gäste gut vier Stunden lang erwartete: Denn bei aller Modernisierung spielten die traditionellen Zutaten „Spaß und Dollerei“, die das närrische Volk immer wieder zu schweißtreibenden Fitness-Übungen jenseits aller Stühle und Bänke hinrissen, die bestimmende Rolle.

Ehre, wem Ehre gebührt: Narrengarde-Ehrenpräsident Hans-Peter Schnitzler wurde mit dem Komiteewappen in Gold mit Brillanten ausgezeichnet. Foto: Andreas Röchter

Björn Heuser heizt der Gemeinde ein

Hatten die Jugendkaafsäck die Gäste in der sich immer weiter füllenden Festhalle schon im Vorprogramm mit stimmungsvollen Klängen eingestimmt, ging es nach der von Thorsten Schnitzler unter dem Motto „kurz und bündig“ gehaltenen Begrüßung im wahrsten Sinne des Wortes stehenden Fußes in „medias res“. Denn kein Geringerer als der kölsche Sänger, Gitarrist und Liedermacher Björn Heuser lud die gesamte Gemeinde zu einem stimmungsvollen Mitsingkonzert ein. Was sich die eingeborenen Dürwisser und Indestädter naturgemäß nicht zweimal sagen ließen.

Einhundertprozentig text- und (93,7 Prozent) notensicher warfen sie mehr als nur einen Blick auf den „kölschen Stammbaum“, dachten an „ming eetste Fründin“, huldigten „unserem Veedel“ und zitierten mit „Kölsche Jong“ genauso Brings wie Willy Millowitsch. Vom Hinsetzen sahen die Narrengarde-Jecken weiterhin ab, schließlich stürmte unmittelbar darauf das Trompetenkorps „Die Kaafsäck“ die Bühne, um „Polka, Polka, Polka“ zu tanzen, „alle Jläser huh“ zu nehmen, musikalische Leckerbissen in Form von Süppchen und Pizza zu servieren und schließlich unter der Leitung von Dieter Kaltenbach, der das Korps seit vier Jahrzehnten leitet, die „Stääne“ und die erste „La Ola“ des frühen Abends vom Himmel zu holen.

Wortwitz in Reinkultur und einfallsreicher Reimform ließ „Der Lange“ Alfred Wings hören. Der leidgeprüfte Ehemann und Vater hatte vor kurzem seine Tochter unter ungewöhnlichen Umständen unter die Haube gebracht. Über die Tatsache, dass die Haarstylistin im Vorfeld tief ins Glas geschaut hatte, zeigte er sich „betroffen, schließlich war diese besoffen“, während Tante Elfie rund 190 Mal zum Selfie ansetzte. Ganz nebenbei brachte der Redner während seiner Zugabe noch so manchen Thermomix an den Narr beziehungsweise die Närrin.

Das Musik-Quintett „Kuhl un de Gäng“ behauptete anschließend glaubhaft „Ich han dä Millowitsch jesinn“, versicherte „Die schönste Mädcher han mir“, machte gemeinsam mit dem sich außer Rand und Band befindenden Publikum schalschwenkend samt Bühnenfeuerwerk die „Naach zom Daach“, um mit „Loss mer springe“ dem Wahnsinn im besten Sinne freien Lauf zu lassen.

Ist Hape Kerkeling Donald Trump?

Nachdem nun Arm- und Beinmuskulatur aller Jecken aufs äußerste strapaziert waren, machte sich mit Kai Kramosta ein Pfundskerl aus der östlichen Vulkaneifel erfolgreich daran, den Lachmuskeln den Rest zu geben: Der gebürtige Nickenicher bescheinigte dem Elferrat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem „letzten Abendmahl in 16:9“, stellte die wohl auch wissenschaftlich fundierte Theorie auf, dass sich Hape Kerkeling über kurz oder lang seiner Donald-Trump-Maske entledigen werde und hob die Vorteile hervor, die das Aufwachsen auf dem Land mit sich bringe: „Dorfkinder wissen, wann Frühling ist. Wenn es nach Gülle riecht!“ Außerdem gelte ein Städter nach fünf Bier als Alkoholiker, während die gleiche Person auf dem Dorf als Fahrer geradezu prädestiniert sei.

Es folgten zwei Stunden in Blau und Gelb, die von einem ganz besonderen Gespann mit fünf Federn und Tuppstab nebst Anhang eröffnet wurden: Prinz Patrick I. und Zeremonienmeister Michael wurden triumphal in ihrem Wohnzimmer empfangen und rockten die Stadt, das Dorf und die Halle, was das Zeug hält. „Es gibt Dinge, die sind schöner, als man sie sich zuvor vorstellen kann“, zeigte sich seine Tollität während seines Heimspiels absolut ergriffen.

„Chefoberpage“ Norbert Weiland zauberte dann noch eine ganz besondere Überraschung aus dem Hut. Der Präsident des Geschäftsführenden Vorstands des Karnevalskomitees zeichnete Narrengarde-Ehrenpräsident Hans-Peter Schnitzler mit dem Komitee-Wappen in Gold mit Brillanten aus. „Ein Orden, der nur einmal pro Session vergeben wird, für eine Persönlichkeit, die die Narrengarde geführt, geformt und geprägt hat“, so Norbert Weiland.

Mit schwungvollen Tänzen voller Akrobatik, Temperament, Charme und Esprit verzauberten die Jugendtanzgruppe der Narrengarde sowie die „Rainbow Dancers“ ihr begeistert mitgehendes Publikum. Zwischendurch lud Sängerin Laura Wings die Jecken im Saal sowohl mit Fastelovends-Ohrwürmern als auch mit rockigen Klängen zum Träumen, Schunkeln und Tanzen ein.

Der Aufmarsch des gesamten Korps der KG Narrengarde Dürwiß setzte dem Treiben schließlich die Krone auf: Kommandant Oliver Franken ließ den Regimentsspielmannszug unter der Leitung von Christoph Gühsgen antreten, der „Et jitt kei Wood“ anstimmte, bevor das Tanzpaar Milena Getz und Fabian Florenkowsky auf „Wolke 7“ tanzte sowie Marketenderin Julia Engelhardt mit der Damentanzgruppe und den Gardisten einen fantastischen Schlusspunkt setzte. Schlusspunkt? Weit gefehlt! Vielmehr Startschuss zur „Après-Sitzungs-oder-Sauseparty“.