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Hilfe vor Ort: Nachbarschaftshilfe ist mehr denn je gefragt

Hilfe vor Ort : Nachbarschaftshilfe ist mehr denn je gefragt

Die Nachbarschaftshilfe in Eschweiler ist gerade in Corona-Zeiten sehr gefragt. Es werden weitere ehrenamtliche Helfer gesucht.

Wer sein Leben lang selbstständig, agil und mobil war, tut sich oft schwer damit, dass bislang routinemäßige Dinge wie Einkaufen, Rasen mähen, mit dem Bus in die Stadt fahren, immer schwerer fallen. Plötzlich ist der Gang zum Bäcker geradezu eine Herausforderung für ältere und kranke Menschen. Was aber tun, wenn man keine Verwandten oder Bekannten mehr hat, die einem zur Seite stehen können und mit kleinen Hilfen das Leben wieder etwas einfacher und lebenswerter machen?

Für diese Fälle hat sich die Stadt Eschweiler gut aufgestellt und kümmert sich um ihre älteren Bürger. Die Villa Faensen an der Marienstraße ist ein lebendiges und soziales Haus der Begegnung, das für viele Senioren und auch für Jüngere ein beliebter Treffpunkt ist. Hier können sie nicht nur dem oft eintönigen Alltag entfliehen, hier finden sie auch wertvollen Rat und tatkräftige Hilfe verschiedener Art.

Die Villa Faensen verfügt vor Ort über ein Netzwerk, das geradezu einmalig ist. Hier greift ein Rädchen ins andere. Eines dieser Rädchen ist die Nachbarschaftshilfe – die vermutlich in dieser Zeit wieder gefragter ist denn je. Die Coronavirus-Erkrankungen explodieren und viele ältere und kranke Menschen ziehen sich vor der Infektionsgefahr in ihr (Schnecken)-Haus zurück. Das bedeutet wiederum, dass sie – wenn keine Angehörigen oder Freunde sich kümmern können – isoliert sind und oft nicht wissen, wie sie alleine ihren Einkauf tätigen oder den anstehenden Arztbesuch bewerkstelligen sollen. Zudem fehlen ihnen oft persönliche Kontakte.

Und genau hier setzt die Nachbarschaftshilfe an, die seit Juli 1994 aktiv ist. Die Initiative Nachbarschaftshilfe der Stadt Eschweiler hat es sich zur Aufgabe gemacht, Hilfen zu organisieren und persönliche Kontakte herzustellen. Die Möglichkeiten, Menschen zu helfen und gegenseitige Hilfen zu organisieren, sind vielfältig. Dazu zählen unter anderem Einkaufshilfen, Hilfen beim Schriftverkehr mit Behörden, Besuche, Gespräche, Spaziergänge und hin und wieder auch kleinere Reparaturen im Haushalt.

Peter Toporowski, Seniorenbeauftragter und Leiter der Villa Faensen, und Cem Gökce, Quartiersentwickler und Berater in der städtischen Einrichtung haben die Leitung der Nachbarschaftshilfe im Sommer 2019 nahtlos von der langjährigen Leiterin Renate Peters übernommen. Wenn auch in abgeänderter Form.

„Wir hatten die Intention, die Nachbarschaftshilfe auf neue Beine zu stellen und haben überlegt, wie wir das System freier handhaben können“, erzählt Peter Toporowski. „Wir haben eine App eingeführt. Hier war allerdings die Voraussetzung, dass unsere Ehrenamtler ein Smartphone haben, auf dem sie diese App, die absolut sicher ist, installieren können. Diese App erspart uns langes Abtelefonieren der Leute. Wir stellen die Anfrage der Hilfesuchenden in die gesamte Gruppe „Nachbarschaftshilfe“ und innerhalb kürzester Zeit, wissen wir, wer Zeit hat und sich kümmern kann.“

Zurzeit seien es 17 ehrenamtliche Helfer, die sich rührend um Hilfesuchende kümmern. Meistens seien es Einkaufsdienste, die die Helfer verrichten. „Aber natürlich kann es auch mal sein, dass man mal eine kleinere Reparatur durchführt oder einen Schrank verrückt, aber bei uns gibt es keine Putzfrau auf Kosten der Krankenkasse und auch keine Möbelschlepper“, klärt Toporowski auf.

Jede Anfrage von Hilfesuchenden und Rückmeldungen von Ehrenamtlern werden von Toporowski und Gökze akribisch dokumentiert. „Wir bitten unsere Ehrenamtler auch immer darum, ein Foto vom Einkaufszettel und vom ausgehändigten Geldschein noch vor Ort zu machen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt!“, erzählt Toporowski weiter. „Aber da hat es glücklicherweise noch nie Probleme gegeben“, merkt Cem Gökce an.

„Unsere Ehrenamtler, die allesamt einen Dienstausweis haben, unterliegen selbstverständlich der Schweigepflicht und haben alle eine Verschwiegenheitsklausel und Datenschutzklausel unterschrieben“, so Toporowski weiter.

Zurzeit liegen die Anfragen noch bei rund zwei in der Woche. Doch mit dem erneuten Lockdown rechnen Gökce und Toporowski mit einem deutlichen Anstieg der Hilferufe. „Das Schöne ist, dass sich unsere Ehrenamtler auch schon selbst um ihre Schützlinge kümmern, und sich direkt mit der „vertrauten Person“ in Verbindung setzen!“

Demnächst möchten Toporowski und Gökce ein Sozialtelefon einführen. „Die Vereinsamung bei (nicht nur) älteren Menschen ist ein großes Thema“, weiß Toporowski. „Wir möchten Menschen, die keine oder kaum soziale Kontakte haben, ermöglichen, mit uns zu kommunizieren. Ich muss allerdings klarstellen, dass wir keine Telefonseelsorge sein möchten. Wir sind auf der Suche nach Ehrenamtlern, die sich zur Verfügung stellen, beispielsweise zweimal die Woche einen bestimmten einsamen Menschen anzurufen, um mit ihm zu plaudern.

Ab Montag bietet die Villa Faensen auch Beratungstermine per Videokonferenz an. „Die bieten wir jetzt nicht nur grundsätzlich wegen der Corona-Pandemie an“, erklärt Toporowski. „Es gibt viele pflegende Angehörige, die ein zeitliches Problem haben, uns physisch zu treffen. So können sie eine Beratung erhalten und sich trotzdem weiter um ihre zu pflegenden Angehörigen kümmern. Voraussetzung sind natürlich ein PC oder ein Laptop, ein Mikro und eine Kamera, damit wir die Leute zu einem 1:1-Meeeting einladen können.“