Mundartabend des Eschweiler Geschichtsvereins

Mundartabend des Geschichtsvereins : Zahlreiche Indestädter huldigen der „Mottesprooch“

Sie klingt wie Musik in den Ohren eines jeden Menschen, der die Indestadt im Herzen trägt: os Mottesprooch Eischwiele Platt.

Während des Mundartnachmittags des Eschweiler Geschichtsvereins in Kooperation mit der Volkshochschule Eschweiler huldigten am Samstag unter der Gesamtleitung von Leo Braun neun Vortragende und zahlreiche Zuhörer in der Aula der Realschule Patternhof zwei mitreißende Stunden lang dieser gefühlvollen und Emotionen weckenden Sprache, der sich die Mitglieder des Mundartkreises seit Jahrzehnten mit Leib und Seele verschrieben haben.

Und so saß so manches Urgestein dieser Vereinigung am Samstagnachmittag in der ersten Reihe und wurde von Leo Braum besonders herzlich begrüßt. „Vergesst den Stress, die Schmerzen und verschiebt eure Sorgen auf morgen. Macht die Köpfe frei und, vor allem, lacht von Herzen. Viel Amüsemang“, schrieb der Gastgeber, natürlich „op Platt“, den Gästen ins Stammbuch, um im Anschluss kurz an die Ursprünge der Mundartabende und -nachmittage zu erinnern.

„Im Jahr 1983 blickte Eschweiler auf 125 Jahre Stadtrechte zurück und feierte dies eine ganze Woche lang. Der damalige Stadtdirektor Claus-Dieter Härchen kam in Sachen Mundartvorträge, die es bis dahin in Eschweiler nicht gab, auf die Verantwortlichen des Geschichtsvereins zu. Zur Premiere im Alten Rathaus an der Dürener Straße rechneten wir mit 30 bis 50 Personen, um, als alle Plätze besetzt waren, festzustellen, dass noch weitere 75 Menschen vor der Türe warteten. Also gab es eine Woche später eine Wiederholung mit erneut zu wenigen Plätzen. Ein Jahr später durften wir dann beim nächsten Mundartabend 450 Gäste begrüßen“, dachte Leo Braun an den Beginn einer Erfolgsgeschichte zurück, die auch 35 Jahre nach dem Startschuss im jährlichen Wechsel mit dem Volksliederabend des Mundartkreises und der VHS fortgeschrieben wird.

Eischwiele Platt van Häzze: Werner Wolter, Marianne Savelberg, Thomas Erdbrink, Hermann Hoven, Toni Peters, Marita Schaarschmidt, Marie-Theres Kugel, Leo Braun und Heinz-Michael Raby (v. l.) ließen mit ihren Vorträgen die Herzen der Zuhörer höher schlagen. Foto: Andreas Röchter

Gesanglich in „medias res“ ging wenig später Marianne Savelberg, die, von Horst Goerres am Klavier begleitet, zur Melodie von „Kein schöner Land“ die Lobeshymne „Os schön Stadt Eischwiele“ anstimmte und auch das durchaus wehrhafte, aber letztlich chancenlose „Parkplatzrüesje“ (“Heideröslein") mit einem „Leedche“ ehrte.

Marita Schaarschmidt erinnerte an den legendären Franz Koch (frako) und gab dessen Geschichte „Zwei Sprooche“ zum Besten, in der Opa Schmitz seiner Tochter zu verstehen gibt, dass sein Enkel als angehender Student unbedingt mindestens zweisprachig sein müsse und deshalb „Eischwiele Platt“ zu beherrschen habe. Eine Hommage an die „Frönkschaff“ hatte Thomas Erdbrink im Gepäck: „Wenn Menschen sich ohne große Worte verstehen, dann ist dies ein großes Geschenk. Freundschaft muss gepflegt werden. Beidseitig. Denn zur Freundschaft gehören immer mindestens zwei“, so der Vortragende.

Hermann Hoven riet eindringlich, das „Hier und Jetzt“ zu genießen. Denn: „Et kött nauch schlemmere.“ Wobei der Mensch niemals aufhöre, sich Fähigkeiten anzueignen. „Schläät hüre“ lerne man im Alter nämlich gut. Von den außerordentlichen Vorbereitungen im Hinblick auf eine sonntägliche Eifel-Expedition wusste Werner Wolter zu berichten. Anekdötchen von „Doomols en Röetsche“ brachte Marie-Theres Kugel zu Gehör: „Hatten wir Kinder damals unser Sonntagsgeld in Höhe von fünf Pfennigen bereits Samstags erhalten, wurde dieser Reichtum im Laden von Fischers Nettchen in Klömpchere oder in Studentenfutter investiert. Oder es gab in der Eisdiele ein Bällchen im Hörnchen.“ Bei Eisverkäufer und Konkurrent Heinrich Mohren, der sensationellerweise bereits im Telefonbuch als „Eisfabrikant“ gestanden habe, sei dies in preislicher Hinsicht nicht möglich gewesen.

Heinz-Michael Raby unterstrich die Bedeutung der „Mottesprooch“. Ohne „Eischwiele Platt“, bei dem das Herz auf der Zunge getragen werde, sei das Leben wie ein Essen ohne Salz. Schließlich träumte Toni Peters vom „Lottojewinn“ mit sechs Richtigen, stellte nach dem Erwachen jedoch fest, dass eine Leben ohne so viel Geld womöglich besser sei. „Denn eigentlich zählt nur die Gesundheit!“

Dann neigte sich der Mundartnachmittag seinem Ende entgegen. Doch eine weitere Tradition durfte natürlich nicht fehlen: Alle Versammelten stimmten das Lied „Eischwiele es meng Heemet“ stimmkräftig an. „Das hat Autor Ferdi Keutmann sicherlich im Himmel vernommen“, schickte Leo Braun einen Gruß „nach oben“. Ein herzliches „Auf Wiedersehen“ stellte den vorläufigen Schlusspunkt dar. „So Gott will“ spätestens in 2020.

(ran)
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