Eschweiler: Modell-Flug-Club: Technik und Fachsimpelei

Eschweiler: Modell-Flug-Club: Technik und Fachsimpelei

Sie fliegen regelmäßig. Aber Frank Portheine und Matthias Eickhoff gehen nicht in die Luft. Sie lassen bloß ihre Modellflugzeuge in den Eschweiler Himmel steigen. Auf der 250 Meter langen Start- und Landebahn des Modell-Flug-Clubs Eschweiler können bis zu 25 Kilogramm schwere Flugzeuge abheben und aufsetzen. Portheine, 1. Vorsitzender und Eickhoff, Jugendleiter und Schriftführer, sind echte Experten: Portheine hat über 25 eigene, flugfähige Modelle.

Eickhoff bringt Anfängern das Fliegen bei. Im Interview sprechen sie über Abwechslung im Winter, die Jugendarbeit und die Faszination Modellfliegen.

Eigentlich ist die Saison für das Modellfliegen jetzt vorbei, aber Sie fliegen trotzdem weiter ...

Portheine: Es trennt sich ein bisschen. Einige ziehen sich vom Modellflug zurück und bauen. Also: im Sommer Modellflug, im Winter Modellbau. Seit 2004 fliegen wir auch in der Halle.

Wie ist es dazu gekommen?

Portheine: Vor rund 15 Jahren gab es die ersten kleineren Flugzeuge. Dann sind die Leute auf die Idee gekommen, dass man die auch in der Halle fliegen kann. Das wollten wir auch mal versuchen. 2004 haben wir dann eine Halle in Herzogenrath bekommen, seit 2005 sind wir in der Sporthalle Ost in Eschweiler.

Wie waren die ersten Geh- oder besser Flugversuche in der Halle?

Portheine: Das war schon ein große Umstellung. Da merkt man erst mal, wie klein so eine Halle ist, dabei ist die Halle in Herzogenrath 120 Meter lang.

Wie groß muss eine Halle denn sein, um darin fliegen zu können?

Portheine: Normalerweise sagt man, dass man eine Dreifach-Sporthalle braucht. Aber die Flugzeuge werden immer kleiner. Deshalb geht das auch ein kleineren Hallen. Mit Hubschraubern kann man sowieso in kleineren Hallen fliegen.

Gibt es in der Region viele Hallen, in denen man fliegen kann?

Portheine: Es gibt noch eine kleinere Halle in Aachen am Geschwister-Scholl-Gymnasium, die nächsten sind dann in Neuss, Köln und Belgien. Es gibt also deutlich weniger Hallen als Modellflugplätze. Deshalb kommen auch viele Leute aus Stolberg, Würselen, Aachen, Jülich oder Düren zu uns in die Halle. Es würde aber auch keinen Sinn ergeben, wenn jeder Verein seine eigene Halle hätte, dafür gibt es zu wenige Indoor-Flieger.

Mit wie vielen Leuten fliegen Sie in der Halle?

Portheine: Im Sommer sind es manchmal nur fünf oder sechs. Im Winter habe ich schon mal 50 gezählt.

Und wenn man im Winter lieber einen Flieger baut — wie lange braucht man, bis er flugfähig ist?

Eickhoff: Das kann man so pauschal nicht sagen. Es gibt Schnellbaukästen, aus denen man schon in weniger als einem Monat ein Flugzeug bauen kann. Es gibt aber auch Leute, die alles selber bauen komplett ohne Baukasten.

Portheine: Bei meinem großen zweimotorigen Modellflugzeug habe ich mir die Originalbaupläne besorgt, sie verkleinert und dann von A bis Z alles selbst gebaut. Das hat drei Jahre gedauert. Es hat eine Spannweite von 3,74 Meter, ein Startgewicht von 22 Kilogramm und zwei Verbrennungsmotoren.

Beeindruckend — und mit einem Bausatz kann sich jeder sein eigenes Flugzeug bauen?

Eickhoff: Ein gewisses technisches Verständnis sollte man doch mitbringen. Auch bei fast fertigen Bausätzen muss man ein paar Dinge beachten, die sich nicht sofort erschließen. Das Zusammenbauen geht dann vielleicht noch, aber dann fliegen sie nicht. Man sollte am Anfang sowieso besser unter Anleitung fliegen. Dafür sind die Modellflugclubs auch da und man erspart sich viel Frust. Wir bringen Anfängern gerne das Fliegen bei.

Ab wann kann man denn wieder draußen fliegen?

Portheine: Anfliegen ist immer am 1. Mai. Technisch ist es auch möglich im Winter zu fliegen. Aber jetzt ist es abends auch früher dunkel, dann schaffen es viele Leute nicht nach der Arbeit zu fliegen.

Welche Wetterbedingungen braucht man zum Fliegen?

Portheine: Regen geht gar nicht. Wasser ist für die Elektronik tödlich. Am Flugzeug bekommt man zwar alles dicht, das Problem ist eher die Fernsteuerung. Und Wind ist der Hauptgrund, der Leute vom Flugplatz weghält.

Eickhoff: Aber man kann auch noch bei Windstärke 5 oder 6 fliegen. Pauschal kann man sagen, je größer und schwerer das Flugzeug ist, desto besser kann man es bei Wind fliegen.

Und wie schnell kann so ein Modellflugzeug unterwegs sein?

Portheine: 463 Kilometer pro Stunde ist die Grenze, die für den Sichtflug gesetzlich gilt. Daran halten wir uns natürlich.

Eickhoff: Anfängerflugzeuge fliegen oft 40 bis 60 Kilometer pro Stunde, das ist ganz gut handhabbar. Viele Flugzeuge schaffen 80 bis 100 Sachen. Und dann gibt es noch schnellere, zum Beispiel Jets, die über 300 Kilometer pro Stunde fliegen.

Was macht für Sie die Faszination am Modellfliegen aus?

Portheine: Das macht einfach Spaß, ich bin über meinen Vater dazu gekommen. Mir hat das immer Spaß gemacht, mit ihm zum Platz zu fahren. Man kann da mit Leuten fachsimpeln, das Thema ist unerschöpflich.

Eickhoff: Für mich spielt die technische Komponente eine große Rolle. Und es ist ein Hobby für jedes Wetter. Bei gutem Wetter fliegt man, bei schlechtem bastelt man an seinen Modellen.

Portheine: Ja, für mich ist es auch die Kombination aus dem Bauen und dem Fliegen. Es ist schön, wenn man etwas gebaut hat, das dann auch fliegt.

Scheinbar gibt es viele Menschen, die das ähnlich sehen — wie viele Mitglieder hat ihr Verein?

Eickhoff: 110 Mitglieder. Wir sind zwar ein Eschweiler Verein, aber unser Einzugsgebiet ist größer. Es kommen auch Leute aus Aachen, Stolberg oder Düren.

Und wie sieht es mit dem Flieger-Nachwuchs aus?

Eickhoff: Gut. Wir haben einen Jugendanteil von 13 oder 14 Prozent. Die meisten Jugendlichen kommen etwa mit zehn Jahren. Im Sommer können sie dann mit dem Vereinsmodell üben. Damit bringen wir ihnen das Fliegen bei. Seit zwei Jahren haben wir auch einen Bastelraum. Wenn sie über den Sommer dabei bleiben, können sie im Winter ein eigenes Modell aus Holz bauen.

Wie teuer ist dieses Hobby?

Eickhoff: Ein Einsteigermodell, zum Beispiel ein Elektrosegler mit Zubehör, geht bei 200 Euro los. Wenn Equipment — wie Sender oder Ladegerät — für die nächsten fünf bis zehn Jahre ausgelegt sein soll, dann kostet der Einstieg eher 300 bis 400 Euro. Größere Jets können leicht 5000 Euro kosten.

Wie lange dauert es, bis man ein Modellflugzeug steuern kann?

Eickhoff: Der größte Teil lernt die Grundzüge des Fliegens in einer Saison. Grundsätzlich kann man sagen: Je jünger die Leute sind, desto schneller lernen sie es. Dieses Jahr kam zum Beispiel ein Zehnjähriger zu uns in die Jugendgruppe. Bei dem brauchte man nach fünf oder sechs Wochen fast nicht mehr eingreifen. Aber wir schulen nicht nur Jugendliche. Bei uns kann jeder das Fliegen lernen. Und bisher hat es auch noch jeder geschafft.

Wie entwickelt sich der Modellflug im Allgemeinen?

Eickhoff: Stark ansteigend. Das liegt vor allem an der großen Verfügbarkeit der Fertigbausätze.

Portheine: In den beiden deutschen Dachverbänden sind 100 000 Aktive organisiert. Und es gibt noch mal in etwa die gleiche Anzahl an Wildfliegern. Das hört sich schlimm an, meint aber nur das Fliegen „auf der Wiese“ ohne Flugplatz. Für kleine Modelle ist das erlaubt.

Mehr von Aachener Nachrichten