Eschweiler Ansichten: Mit der Konzession zum Schnapsausschank

Eschweiler Ansichten : Mit der Konzession zum Schnapsausschank

Den Manufaktur- und Colonialwarenhandel mit Konzession zum Schnapsausschank betrieb die Familie Tillmanns im Bereich der Dürener Straße 28 schon bis 1839.

In diesem Jahr heiratete der aus Hückelhoven stammende Hubert Lorenz Franzen (1807-1893) die Tochter Cäcilia Tillmanns und nach deren Tod 1847 in zweiter Ehe Cäcilia Keller (1822-1903). H. L. Franzen war nicht nur über Jahrzehnte ein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern auch bekannt und hochgeachtet bei seinen Mitbürgern. Er war 42 Jahre Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums, 25 Jahre Erster Beigeordneter, 50 Jahre Mitglied im Kirchenvorstand der Pfarre St. Peter und Paul, davon viele Jahre Vorsitzender.

Hier war er maßgeblich beteiligt am Umbau der Hauptpfarrkirche und der Gründung des St.-Antonius-Hospitals. In den schwierigen Zeiten des Kulturkampfes war er es, der als Vorsitzender des Katholischen Volksvereins für die katholische Sache eintrat. Vor allem hatte er als langjähriger Präsident des Vincenz-Vereins großes Verständnis für die Armen.

Nach seinem Sohn Karl führte der Enkel Carl Franzen mit Maria, geb. Söhnen, das Geschäft in dritter Generation in der Dürener Straße 28 weiter bis in die 1920er-Jahre. Die Familie Franzen als Vermieter und Nachbar war eng befreundet mit Hauptlehrer Julius Winter sowie dessen Sohn Konrektor Josef Winter, Dürener Straße 26. Josef Winter (1872-1956) war über 40 Jahre im Schuldienst tätig. Er war jahrzehntelang Mitglied im Kirchenvorstand der Pfarre St. Peter und Paul und des Kuratoriums des St.-Antonius-Hospitals. Als Vorstandsmitglied des Geschichtsvereins war er bis zum Zweiten Weltkrieg ein eifriger Betreuer des Eschweiler Heimatmuseums.

Die Dürener Straße 28 heutzutage. Foto: Armin Gille

Bereits vor dem letzten Krieg hatte Willi Hamacher in der Dürener Straße 28 seinen Damen- und Herren-Friseursalon eröffnet. Er wurde 1959 als Schützenkönig gefeiert, bevor Erich Pogundke das Friseurgeschäft vor der Schließung übernahm. Nachdem Winfried Krieger das Haus um 1967/68 erworben hatte, etablierte sich hier das „Tanzlokal Karussell“ unter der Regie von „Karusselle Jupp“. Es war benachbart zur Gaststätte „Em goldene Klomp“, Dürener Straße 26, unter der Regie von Pächter Josef Obgenoth. In diesem Haus hatte nach dem Krieg 1948 Johann Miseré (1916-1969), aus Hastenrath stammend, einen Haushalts- und Eisenwaren-Einzelhandelsbetrieb gegründet, in dem es nur hier Holzklumpen zu kaufen gab. Und ein solcher „goldener Klomp“ hing nun über der Eingangstür zur Gaststätte.

Oft sind es Glücksfälle, wenn Ahnenforscher mit ihrer Familiengeschichte Tore aufstoßen, die für das Verstehen der Ortsgeschichte von Bedeutung sind. Dies trifft jedenfalls für das frühere hintere Umfeld der Häuser Dürener Straße 26-28 zu.

Ein bekannter Eschweiler: Hubert L. Franzen (1807-1893). Foto: Archiv Walter Franzen

Die Eltern der Malerzwerge Preyer, die Eheleute Johann Wilhelm Preyer (Siamosenfabrikant) und Anna Katharina geb. Braß, zogen im Jahre 1810 von Rheydt nach Eschweiler. In einem kleinen Haus hinter dem erst um 1870 erbauten „Prachthaus Dürener Straße 28“ der Familie Franzen führten die Eltern der Künstlergeschwister eine Kolonial- und Materialwarenhandlung mit Atelier der Preyer-Geschwister bis zum Tod der Mutter im Jahre 1840. Eine kleine Gasse führte dorthin, die „Hamachergasse“, die von der Schnellengasse neben dem Kleinen Gürzenich abbog und direkt zum oberen Graben (heute Grabenstraße) führte.

Die beiden kleinwüchsigen Brüder Johann Wilhelm, Gustav und deren Schwester Louise lebten von 1810 bis Mitte 1830 in Eschweiler. Ab 1822 waren dann die Geschwister Gustav und Johann Wilhelm Schüler der „Düsseldorfer Kunstakademie“.

Die beiden Künstler besuchten noch über viele Jahre ihre zweite Heimat Eschweiler und zeichneten hierbei „ganz exakt und sachlich nach der Natur“. Aber auch die Burgen in unmittelbarer Nähe regten sie zur künstlerischen Tätigkeit an. Internationale Berühmtheit erlangten die meisterhaften Stillleben des Johann Wilhelm Preyer, die in aller Welt verstreut sind. Es ist sehr zu bedauern, dass sich in Eschweiler nur noch wenige dieser hervorragenden Kunstwerke befinden.

Im Jahre 1974 wurde nach der berühmten Malerfamilie Preyer in Eschweiler die Kasernenstraße in Preyerstraße umbenannt. Im Oktober 1977 wurde eine vielbesuchte Ausstellung „Preyer und die Düsseldorfer Malerschule“ in der Realschule Patternhof eröffnet.