Eschweiler: Mensch und Tier müssen ein Team sein

Eschweiler: Mensch und Tier müssen ein Team sein

Nicht anfassen, nicht mit ihnen reden, möglichst keinen Kontakt aufbauen — die Regeln bei Andreas Ohligschläger sind für Besucher deutlich. Sie sind Teil seines Konzepts der Hundetagesstätte, in der die Tiere einfach sie selbst sein können. „Hier dürfen sie sich auch mal anknurren, Zähne fletschen, eben miteinander kommunizieren.“

Darauf legt der 45-Jährige Wert. Diese Kommunikation komme häufig zu kurz. „Ich habe hier viele Hunde, die vorher kaum oder gar keinen Kontakt zu Artgenossen hatten.“ Das will Ohligschläger ändern. Auf der weitläufigen Grünfläche stimmen für ihn die Gegebenheiten. Es gibt viel Platz, damit sich die Hunde kennenlernen und die diversen Kommunikationsformen ausleben können. „Hier wird nicht den ganzen Tag bespaßt und nach Leckerchen gesucht. Die Hunde können hier frei laufen, ihren Bewegungsdrang ausleben.“ Diese „Resozialisierung in der Gruppe“ ist ein Teil seiner Arbeit, den „Hund wesensfester zu machen“.

Andreas Ohligschläger bietet seit sieben Jahren Verhaltensbeobachtung und -training an, in Eschweiler ist er seit 2006 mit „Andys Dogworld“ an seinem festen Außengelände. Vorher hatte er eine mobile Hundeschule. Mittlerweile referiert er auch über Kommunikationsformen in gemischten Hundegruppen. Dabei kommt auch zur Sprache, dass viele Menschen lernen müssen, den Hund mehr Hund sein zu lassen, ihm nicht so viele Verboten geben.

Entsprechend ist die Arbeit mit dem Haustier nur die Hälfte des Schlüssels zum Erfolg. „Man muss zeitgleich mit dem Halter arbeiten“, erklärt er. Fragen zum eigenen Verhalten und dem Wirken auf andere Hunde und Halter stehen dann im Fokus.

Das Verhalten von Mensch und Tier zu hinterfragen sieht auch Monika Saus, zertifizierte Hundetrainerin und Inhaberin des „Euregio Hundezentrums“, als eines ihrer wesentlichen Arbeitsgebiete. „Am Hundeverhalten muss man erkennen, wie es motiviert ist. In welcher Situation ist der Hund, welche Stimmung hat er — das muss man interpretieren können.“

Zentrale Fragen dabei sind: Warum reagiert der Hund so? Was steckt hinter seinem Verhalten? „Dazu gehört auch, das Verhalten des Hundeführers zu beurteilen, denn der Hund richtet sich viel nach dem Verhalten des Menschen.“ Zwar hätten die meisten ihrer Kunden eine Ahnung davon, berichtet Saus, aber sie wüssten nicht, was sie tun könnten. „Viele Leute sind verunsichert“, bestätigt Andreas Ohligschläger.

Respektvoller Umgang

Vor dem Hintergrund freut sich Monika Saus, dass immer mehr Menschen direkt mit Welpen zu ihr in die Hundeschule kommen, „weil sie von Anfang an alles richtig machen möchten. Sie wollen ihren Hund besser verstehen.“ Bei ihrer Arbeit unterscheidet die 50-Jährige zwischen Erziehung und Ausbildung. Während bei der Erziehung der respektvolle Umgang und angepasstes Verhalten an die Umwelt trainiert werden (die Nachbarin nicht anbellen, keine Butterbrote klauen), geht es in der Ausbildung darum, dem Hund bestimmte Fertigkeiten beizubringen. „Theoretisch kann ich eine Ausbildung mit jedem Hund machen. Soll ein Hund aber besondere Fertigkeiten erfüllen, muss man auch Talent und Zuchtziel des Hundes berücksichtigen.“

Beste Voraussetzung dafür ist, dass sich die Halter im Vorfeld mit der Rasse und den Eigenarten auseinandergesetzt haben. Andreas Ohligschläger hat die Erfahrung gemacht, dass sich zwar viele Menschen spezifisch eine Rasse aussuchen, „sich aber nicht informieren, was das bedeutet“. Der Australian Shepherd sei beispielsweise, ein Hütehund, mit dem viel gearbeitet werden müsse. Das „Agility Training“ kann eine gute Beschäftigungsmöglichkeit sein.

Dabei durchlaufen Hund und Mensch als Team einen Parcours. „Es ist wichtig, dass der Hund eine sinnvolle Aufgabe hat“, sagt Monika Saus. Hütehunde könnten „sehr gut differenzieren lernen, etwa ihre Spielsachen einzeln wegräumen“. Dalmatiner hingegen bräuchten viel Bewegung, während Jagdhunde mit Nasen- und Fährtenarbeit beschäftigt werden können. „Beispielsweise suchen sie im häuslichen Bereich Gegenstände und Leckerchen — wobei Leckerchen-Suchspiele für jeden Hund geeignet sind.“

Andreas Ohligschläger warnt jedoch davor, den Hund zu überanstrengen. „Es gibt auch ‚Burnout-Hunde‘, die zu viel trainiert sind. Die kommen dann schlecht in Ruhe.“ Darum legt er in seiner Hundetagesstätte Wert auf die mittägliche Ruhephase, die für alle Hunde gilt. Monika Saus erlebt, dass insbesondere älter werdende Hunde auch Entspannungszeiten wollen. „Dann sollte man sie auch lassen.“ Das würde jedoch nicht bedeuten, dass sie geistig nicht mehr gefordert werden sollten. „Trickspiele gehen weiterhin.“ Vielleicht eben nur nicht mehr so schwer.

Haustier im Alltag

Jemand, der sich intensiv mit der Wahl der Rasse beschäftigt hat, ist René Külzer. Seit 1982 ist er dem Rottweiler treu. „Diese Hunderasse fasziniert mich. Dieser Hund ist kein Kläffer sondern einer, der sehr starke Nerven hat. Wir wollten Hundesport machen. Dafür ist er absolut geeignet und ist gleichzeitig ein toller Familienhund.“

Und einer, der gerne in der Gruppe trainiert. 24 Mitglieder zählt die Bezirksgruppe (BG) des Allgemeinen Deutschen Rottweiler-Klubs derzeit, Külzer ist Vorsitzender in Eschweiler. Auf dem Gelände in Dürwiß trainieren die Hund-Mensch-Teams. Teil der Arbeit ist es, junge Hunde in die bestehende Gruppe einzubinden. „Damit fördern wir auch, dass der Hund im Alltag keine Probleme mit anderen Hunden hat“, sagt René Külzer.

Denn ein „Hund darf Menschen nicht belästigen oder angreifen“, sagt Monika Saus. Auch sollte er sie nicht anschnüffeln, „viele mögen das nicht“. Und: „Hundeführer sollten immer Tütchen in der Tasche haben, um die Hinterlassenschaft des Hundes zu entfernen. Und das nicht nur, wenn jemand hinguckt.“ Wird man von den Ordnungskräften der Stadt erwischt, erteilen die vorerst ein Verwarnungsgeld in Höhe von 15 Euro. „Wir sprechen immer mit den Leuten“, betont Edmund Müller vom Ordnungsamt.

„In der Regel merkt man, dass sie sich nach der Strafe richten, sie annehmen. Aber ob es eine innere Einsicht ist, ist schwer zu sagen.“ Gibt es kein Einsehen, kann ein Bußgeld von 100 Euro drohen, gleiches gilt für Wiederholungstäter. Etwa 20 solcher Bußgelder verhängt die Stadt jährlich. „Hin und wieder kommt das Argument: ‚Ich habe doch Hundesteuer bezahlt.‘ Aber das ist kein Entgelt dafür, dass der Hund alles dreckig machen darf“, sagt Edmund Müller.

Die Hundesteuer liegt in Eschweiler derzeit bei 86 Euro für den ersten Hund und steigert sich mit der Anzahl der Tiere bis zu 126 je Hund. Bei einem gefährlichen Hund sind 614 Euro fällig, 767 Euro, wenn es zwei oder mehr sind.

Klare Regeln — für Hund und Mensch. Dazu gehört aber auch, dass der Halter seine aufgestellten Regeln einhält, konsequent ist. „Sonst verwirrt das den Hund nur“, erklärt Andreas Ohligschläger. „Hunde leben keine Demokratie“, sagt Saus. „Sie versuchen natürlich so viele Freiheiten wie möglich zu bekommen, akzeptieren aber ohne weiteres Grenzen. Es entspricht ihrem Wesen, sich in eine Gemeinschaft einzufügen. Passiert das nicht, ist der Hund überfordert, weil er dann die Führung übernehmen muss.“