Interview zum Tag der Feuerwehrleute: „Mehr Eigenschutz wäre früher gut gewesen“

Interview zum Tag der Feuerwehrleute : „Mehr Eigenschutz wäre früher gut gewesen“

Heute ist ihr Tag: der internationale Tag der Feuerwehrleute. Den gibt es seit 1999, seit in Australien fünf Wehrleute der Geelong West Fire Brigade bei einem Buschfeuer in ihrem Einsatzfahrzeug verbrannten.

Seither ist der 4. Mai, der Tag des Heiligen Florian, weltweit der Tag, an dem die Wehren ihrer Verstorbenben gedenken. Und die Bürger den Wehrleuten für ihren steten und oft lebensgefährlichen Einsatz ein großes Dankeschön sagen.

Walter Huppertz, 63, war bis vor vier Jahren Einsatzleiter in Eschweiler und insgesamt 36 Jahre hauptamtlicher Feuerwehrmann – eine Ausstattung wie die heutige hätte er sich gerne gewünscht, als er im Juli 1979 in den Dienst trat. Mit ihm sprach Carsten Rose über einiges, das sich verändert hat, unter anderem die Nachbarschaftsverhältnisse.

Herr Huppertz, ist die heutige, schwere, multifunktionelle Ausrüstung eine, von der Sie damals geträumt haben?

Walter Huppertz: Solch ein Eigenschutz wie heute wäre damals gut gewesen. Der hat sich in den vergangenen Jahren zum Glück stark verbessert. Früher hatte man noch darum gebettelt, die Lederjacke von einem älteren Kollegen zu bekommen. Aber die hat man zum Glück irgendwann abgeschafft.
Sie hatten also auch schwer zu tragen, obwohl sie weniger Ausrüstung hatten.

Huppertz: Ja, einmal wegen der schweren Jacken, und weil früher viel mehr aus Metall war. Heute ist es Leichtbau. Mit der verbesserten Ausrüstung können Feuerwehrleute näher an den Brand heran, sie sind stärker abgeschirmt, früher war es schnell viel zu heiß für uns.

An welche drei Einsätze in Eschweiler werden Sie sich immer erinnern?

Huppertz: Auf jeden Fall an den Großbrand beim Mineralölwerk Wenzel & Weidmann 1985, der Einsatz hat über Tage gedauert. Den dicken Rauch haben wir schon ab der Bismarckstraße gesehen, als wir von der Rosenallee kamen, und das Öl lief die Jülicher Straße herunter. An die 200 Fässer sind explodiert und durch die Luft geflogen. Dann bleibt mir die Suche nach den Kindern Sonja und Tom in Erinnerung. An dem Sonntag hatte ich Dienst, und wir wurden für die Suche alarmiert. Als Drittes würde ich alle Nebeleinsätze auf der Autobahn nennen. Da gehörten ja Massenunfälle mit vielen Verletzten zu. Es kamen dann so viele Notrufe rein, dass wir gar nicht wussten, was uns erwartet. Einmal haben wir von Weisweiler an bis Birkesdorf Verletzte aufgenommen.

Wenn Sie an die heute alltäglichen Einsätze der Feuerwehr denken, woran denken Sie als Erstes?

Huppertz: Das Anspruchsdenken der Bürger hat massiv zugenommen. Früher hat man sich selbst geholfen, ist zum Arzt oder ins Krankenhaus – heute wird direkt der Rettungsdienst gerufen. Und ich wüsste nicht, dass wir damals jemals einen brennenden Mülleimer gelöscht hätten – heute wird die Feuerwehr dafür gerufen. Ob das gut oder schlecht ist, darüber lässt sich diskutieren.

Wie könnte sich das Denken, das Sie ansprechen, wieder umkehren lassen?

Huppertz: Das ist eine schwierige Frage. Ich wüsste keine Lösung. Ich denke aber, dass es früher von Vorteil war, dass sich die Menschen in einem Mehrfamilienhaus besser kannten. Heute ist das nicht mehr so der Fall. Meines Erachtens hat man sich früher schneller und vor allem eher untereinander geholfen.

Wo Sie gerade den Aspekt Hilfe ansprechen: In diesem Bereich hat sich ja auch viel für die Feuerwehrleute getan, was die psychologische Hilfe angeht. Sie waren Einsatzleiter. War so etwas wie Seelsorge bei Ihnen damals Thema?

Huppertz: Dass es die psychologische Hilfe heutzutage, finde ich sehr gut! Zu meiner Zeit gab es kaum Gespräche, wobei ich aber denke, dass es sehr viele Feuerwehrleute gab, die mit manchen Einsätzen zu kämpfen hatten. Auf der anderen Seite: Als ich angefangen habe, stammten viele Wehrleute aus der Kriegsgeneration. Sie haben Erlebnisse vielleicht anders wahrgenommen und auch anders verarbeitet.

Verglichen mit der heutigen Zeit hätten Sie sich damals eine ebenso gute Ausrüstung gewünscht. Welche Technik sollte Ihrer Meinung nach heutzutage noch verbessert oder erfunden werden?

Huppertz: Es wäre sicherlich eine große Hilfe, wenn mehr Drohnen benutzt würden, vor allem bei Flächeneinsätzen oder Einsätzen auf der Autobahn. Ein Hubschrauber steht ja nicht immer direkt zur Verfügung.

Was wird sich im Alltag der Feuerwehr denn niemals ändern und so sein wie in der Zeit, als Sie angefangen haben?

Huppertz: Dass die Einsätze per Telefon gemeldet werden. Ich denke nicht, dass Soziale Medien oder andere Hilfsmittel wie Smartphones das jemals ändern werden.

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