Matthias Junk von Inde-Singers legt mit 83 Jahren Bass aus der Hand

Sitzung der Bösen Buben : Urgestein der Inde-Singers erntet zum Abschied Ovationen

Der Berg rief und zahllose jecke Gipfelstürmer machten sich am Freitagabend auf den Weg aus dem lieblichen Delio-Tal in ungeahnte Höhen des indestädtischen Alpenvorlands, wo die Bösen Buben ihr im Vorfeld gegebenes Versprechen einlösten und alles mögliche und noch viel mehr auf die Spitze trieben.

Schon der Einmarsch der in Rot und Schwarz gewandeten Schar in Richtung des grandiosen Panoramablick-Bühnenbilds glich einem Triumphzug, schließlich war unten im Tal auch nicht der klitzekleinste Platz freigeblieben. Der unaufhaltsame Weg nach oben begann unmittelbar darauf: Unter dem Motto „Loss mer springe“ präsentierten Kindertanzmariechen Mia Silva Sanchez und Jugendtanzmariechen Julia Lenzen schwungvolle Darbietungen, die das Stimmungsbarometer schon zu Beginn (selbstverständlich) in den Bereich „Hoch“ ausschlagen ließen.

Natürlich bedarf jeder Gipfelsturm aber auch Ruhephasen: Der geschäftsführend Vorstand des Karnevalskomitees erklomm behende die Steilwand des Böse-Buben-Massivs, um zwei Menschen zu ehren, die selten im Vordergrund oder gar Mittelpunkt stehen, aber stets zur Stelle sind, wenn Arbeit anfällt. Rebecca Brandenburg und Gerd Döring nahmen aus der Hand von Präsident Norbert Weiland den „1. Klasse Komitee-Orden“ entgegen.

Nach der kurzen Rast war Aktion angesagt, als Tanzmariechen Britta Hönes der musikalischen Aussage „I am what I am“ Taten folgen ließ. Als Verwandlungskünstler par excellence entpuppte sich Böbu-Präsident Jonas Wintz, der sich nicht nur mit seinem Vize Guido Kuth als wegkundiger Bergführer erwies, sondern als „Penner von nebenan“ in die Rollen, Glitzerjacketts und Kittelschürzen hochdekorierter Büttenredner schlüpfte und dabei unter anderem die Werbetrommel für einen „zotenfreien Karneval“ und eine unfallfreie „Kinderkommunion“ rührte. Auf dem stimmungsvollen Weg in Richtung Gipfel an Basislager 2 angekommen, übernahmen nun die bergerprobten Jecken des Garderegiments Weiß-Rot und der KG Ulk Hehlrath gemeinsam die Seilschaft und überbrückten innerhalb von 45 fulminanten Minuten jede Menge Höhenmeter. „22 Gesellschaften? 22 Freunde!“, brachte es Garderegiment-Präsident Maik Pfeiffer auf den Punkt.

Dann richtete sich der Blick auf eine verschworene Gemeinschaft äußerst erfahrener „Kletterer“, die sich vor nunmehr fünf Jahrzehnten aufmachte, die musikalischen Gipfel des indestädtischen Karnevals zu erklimmen. Doch diesmal stand der umjubelte Auftritt der Inde-Singers unter einem besonderen Stern. Denn Gründungsmitglied Matthias Junk hat sich entschieden, seine Inde-Singers-Karriere mit der laufenden Session zu beenden. Der Auftritt am Freitag bedeutete für den 83-Jährigen (!) die letztmalige Bühnenpräsenz bei einer Kostümsitzung der Bösen Buben. „Es ist mir eine große Freude, diese Festsitzung auf der Bühne zu erleben. Ich habe jahrelang davon geträumt, mit ihnen gemeinsam das 50-jährige Bestehen der Inde-Singers feiern zu können. Dieser Traum ist in Erfüllung gegangen“, sprach Matthias Junk mitreißende Worte und nahm bewegt die Ovationen des Publikums sowie ein spezielles Mützen-Geschenk seiner Bandfreunde entgegen. Zuvor hatte die Band mit Neuzugang Christoph Reck am Bass und Matthias Junk am Mikrofon ihr Programm mit dem Jubiläumssong „50 Johr - un et mäht emmer noch Spaß“ eröffnet.

So manchen Angriff auf die Lachmuskeln aller „Après Ski“-Fans und nicht zuletzt auf Präsident Jonas Wintz hatte Lieselotte Lotterlappen (Joachim Jung) im gut gefüllten Rucksack. Der endgültige Durchbruch in Richtung Gipfel gelang dem (diesjährigen) Reinhold Messner der Eischwiele Fastelovend: Prinz Paulo I. machte sich unterstützt von Zeremonienmeister Pedro und einem stattlichen Gefolge auf, seinen Haus- und Heimatberg in Rekordzeit und natürlich ohne Sauerstoff zu erklimmen. Wie groß der Interpretationsspielraum in Sachen Schönheit, Charme und Anmut sein kann, bewiesen dann die Bösen Buben im Abstand weniger Sekunden. Einerseits die „Bösen Mädchen“, die ein formidables Beispiel alpenländischer Tradition auf die Bühne zauberten, andererseits die „Alpensinchen“ (Männerballett), die mit einem Schuhplattler den Holzmichel im Tiroler Land aufsuchten.

Das Gipfelkreuz bereits in Sichtweite hatte Redner Martin Schopps am frühen Samstagmorgen. Die große und kunterbunt gekleidete Seilschaft schließlich auf den Gipfel zu führen, blieb der Mundartband „Puddelrüh“ vorbehalten. Ein Sound, der bis ins Tal zu hören war. Der Berg rief - und die Bösen Buben waren spitze!

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