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Bischöfliche Liebfrauenschule: Literaturkurs zeigt selbstgedrehten Film im Kino

Bischöfliche Liebfrauenschule : Literaturkurs zeigt selbstgedrehten Film im Kino

Kein roter Teppich, kein Blitzlichtgewitter, aber trotzdem eine Premiere – eigentlich sogar eine doppelte. Am Dienstagabend präsentierte der Literaturkurs der Q1 der Bischöflichen Liebfrauenschule Eschweiler, bestehend aus 22 Schülerinnen und 11 Schülern, mit ihren Kurslehrern das Ergebnis ihrer Arbeit des vergangenen Schuljahres.

Neu war in diesem Jahr, dass nicht ein Theaterstück einstudiert worden war, das in der Schulaula zur Aufführung kam, sondern man hatte sich die Produktion eines Filmes zur Aufgabe gemacht, der nun im Primus Palast auf der großen Kinoleinwand gezeigt wurde – Premiere Nummer zwei.

Die Idee, bekannte Pfade zu verlassen und einmal etwas ganz anderes auszuprobieren, wurde Schulleiter Carsten Gier Anfang des Schuljahres von den Kurslehrern unterbreitet und stieß sofort auf offene Ohren. Mit „dann legen wir mal los“, machte er, wie er schmunzelnd bei seinen Eröffnungsworten zugab, den Weg frei für den ersten Film eines Literaturkurses an der BLS.

Dass die Arbeit in diesem Jahr völlig anders verlaufen würde, war natürlich allen klar. Der Kurs musste anders organisiert werden. Waren sonst Rollenverteilung, Kostüme und Bühnenbild die zentralen Themen, mussten nun viele weitere Aspekte beachtet werden. Da musste gefilmt, Schauplätze ausgesucht und die Ergebnisse geschnitten werden. Vieles spielte sich also auch hinter der Kamera ab. „Unsere Arbeit war in verschiedene Bereiche aufgeteilt. So musste-unglaublich viel im Hintergrund gearbeitet werden. Wir hatten Teams für Szenenzuteilung, Terminplanung und Informationsweitergabe, eine Make-up-Gruppe für Kostüm und Schminke, ein Kamerateam und eins für den Schnitt“, berichtete die Darstellerin des modernen Rotkäppchens, Lena Schmalbrock.

Zeitintensive Arbeit

„Anders als bei den vorherigen Inszenierungen, kommt beim Filmen der gesamte Prozess ins Stocken, sobald ein Schauspieler seinen Text nicht beherrscht oder krank ist, das Wetter nicht stimmt oder die Technik nicht funktioniert“, beschriebVeronika Hummel die Problematik der veränderten Arbeitsabläufe und Martin Hillemacher, der die Leitung des Schnitts übernahm, ergänzte: „Diese Arbeit war sehr zeitintensiv. Ingesamt kamen wir auf 2,5 Gigabyte Rohmaterial mit einer Laufzeit von etwa vier Stunden, der letztendliche Film dauerte 55 Minuten mit einem Umfang von einem Gigabyte. Da kann man sich schon vorstellen, wie viel Arbeit der Schnitt geleistet hat.“

Bei so viel „Neuland“ kann man nachvollziehen, dass alle Akteure an diesem Premiereabend entsprechend nervös waren. Umso erfreulicher war es daher, dass trotz der hohen Temperaturen, viele Mitschüler – aktuelle und ehemalige – Lehrer und Angehörige gekommen waren und so der große Kinosaal gut gefüllt war. „Wenn Sie meinen, Ihnen wäre gerade sehr warm, seien sie sicher in unserer Aula wäre ihnen noch wärmer“, tröstete der Schulleiter die Besucher, die es sich, ganz klassisch, mit Popcorn und Getränken bequem gemacht hatten.

Dem eigentlichen Film voran wurde, wie im Kino üblich, Werbung gezeigt. Diesmal natürlich keine kommerzielle, sondern ebenfalls von den Schülern erstellte Spots. Mit pfiffigen Ideen wurde für hochwirksames Shampoo, Wunderreiniger oder Beziehungen stiftendes Parfum geworben und dem Publikum Geschmack auf mehr Humor dieser Art gemacht. Eine kleine Panne zu diesem Zeitpunkt ließ alle Beteiligten kurzzeitig den Atem anhalten, denn die Werbung wurde zu früh gestartet und hätte beinahe den Beginn der Filmvorführung, der mit einem kleinen Sketch eingeleitet werden sollte, durcheinander gebracht. Da half kurzerhand nur: alles auf Anfang.

Satirische Neuauflagen von Märchen

Der Film selber, der auf der Theatervorlage „Rotkäppchen und Co – die wahren Geschichten“ von Susanne Petrovic-Farah beruht, beschäftigt sich auf humorvolle, satirische Weise mit der Frage, ob die alten Märchen wirklich so stattgefunden haben, wie sie niedergeschrieben wurden. Oder waren möglicherweise Hänsel und Gretel gar keine bedauernswerten Kinder, die von den Eltern verstoßen wurden, sondern vielmehr Ausreißer, die keine Lust hatten ihren Pflichten nachzukommen. Vielleicht konnte Rotkäppchen den Wolf nicht von der Großmutter unterscheiden, weil sie zuvor die Nacht durchgemacht und zu lange gefeiert hatte.

Die Rahmenhandlung, in die die einzelnen Clips eingebettet waren, bildeten eine Talkshow, bei der sich der sensationslüsterne, flippige Reporter Caspar (Leo Matull) einen lebhaften Schlagabtausch mit der spießigen Märchenwissenschaftlerin Frau Prof. Dr. Dr. Grimmig (Lena Buchbinder) lieferte. Die Figuren, die wie bei satirischen Inszenierungen üblich, oft überzogen dargestellt werden mussten, stellten die jungen Schauspieler oftmals auch vor schwierige Aufgaben. „Es war durchaus peinlich, aber wir haben auch viel gelacht“, beschreibt Leo Matull seine Aufgabe, bei der er immer wieder aus sich herauskommen musste, und Lena Buchbinder ergänzte: „Diese ständige Verwunderung über alltägliche Dinge war für mich eine Herausforderung, hat aber Spaß gemacht.“ Einzig Richarda Kairies fühlte sich in ihrer Rolle als moderate Hexe von Beginn an zu Hause, wie sie lachend gestand.

Eine Überraschung hielten die beiden Kurslehrer dann vor dem Abspann noch für ihre Schüler bereit. Bis zu diesem Zeitpunkt waren sie, obwohl das ein Herzenswunsch aller Kursteilnehmer war, selber nicht auf der Leinwand zu sehen gewesen. Daher hatten sie an dieser Stelle dem Film noch einen Sketch über ihre „Lehrer-WG“ zugefügt, von dem offensichtlich tatsächlich niemand etwas wusste und in dem sie sich selber auf die Schippe nahmen.

Zufriedene Schüler

Noch während des Abspanns wurde die Arbeit des vergangenen Jahres, „die zusammen geschweißt hat und deren Ergebnis, der Film, für uns alle eine Bereicherung ist ,“ so der Darsteller von Lucky Hans/Hans im Glück, Clemens Nowak, mit viel Applaus belohnt und alle Akteure konnten hoch zufrieden sein. Man darf gespannt sein, ob und wie sich weitere neue Ideen in den nächsten Jahren entwickeln werden.

(abu)