Eschweiler: Liebfrauenschule zeigt herrliche Komödie mit Unterton

Eschweiler : Liebfrauenschule zeigt herrliche Komödie mit Unterton

„Die Entwicklung künstlicher Intelligenz könnte entweder das schlimmste oder das beste sein, das den Menschen passiert ist“. Unter anderem dieses Zitat von Steven Hawkings, gesprochen von der tiefen Stimme aus dem Off noch bevor sich der Vorhang öffnete, erzeugte am vergangenen Montag bereits zu Beginn des Theaterstücks eine spannende Atmosphäre, die erahnen ließ, dass das, was gleich präsentiert wird, nicht nur ein leichtes Abendprogramm werden würde.

Die Schüler des Literaturkurses der Q1 der Bischöflichen Liebfrauenschule brachten das Stück „Marionetten“ auf die Bühne ihrer Aula. Gleich zwei Abende hintereinander begeisterten sie zahlreiche Besucher mit einer herrlichen Komödie, die aber doch auch bitterernste Untertöne anschlug.

Bereits der Einstieg unterschied sich von klassischen Theaterdarbietungen, denn bevor sich wie gewöhnlich der Vorhang öffnete, blieb es zunächst dunkel und die Stimme aus dem Off, gesprochen von Peter Bardenheuer, richtete das Wort ans Publikum. Das führte zu ersten nachdenklichen Reaktionen, bevor diese vom dann folgenden Beginn der Komödie vorerst unterbrochen wurden.

Es war ein kurzweiliges Stück, das viele Facetten offenbarte. Es begann in einer Fabrik, die Roboter herstellte, die so weit entwickelt waren, dass sie lediglich durch die Steckdose zum Aufladen von „normalen“ Menschen zu unterscheiden waren, gab Einblicke in das Leben mit einem Roboter, endete schließlich vor Gericht, um zu klären, ob die „Puppe“ Sophie (gespielt von Mara Kahlen und Christina Meyer) eine Fehlproduktion sei, und schloss mit dem verzweifelten Versuch des Firmenchefs (alias Lennart Schmitz), die Welt vor der Machtübernahme der Roboter zu schützen, indem er seine Fabrik in die Luft jagte.

Was mit allgemeiner Begeisterung für die neue Technik begann, ließ also schon bald Fragen und Zweifel aufkommen: „Was ist, wenn Menschen durch diese absolut perfekten Maschinen ersetzt werden? Was, wenn Männer ihre Frauen durch makellose Roboter ersetzen? Was, wenn der Mensch sich in eine Maschine verliebt oder diese auf einmal einen eigenen Willen entwickelt? Und was ist, wenn Wirklichkeit und künstliche Intelligenz miteinander verschwimmen und bald niemand mehr weiß, wer Mensch und wer Maschine ist?“

Perfekte künstliche Intelligenz

Die Schüler brachten diese Fragen beinahe beiläufig auf die Bühne und die kritische Diskussion über Vor- und Nachteile der perfekten künstlichen Intelligenz wurde dem Publikum unterschwellig mit auf den Weg gegeben. Denn trotz der Ernsthaftigkeit des Themas standen an diesem Abend Spaß und Humor im Vordergrund. Viele Schüler überraschten und überzeugten mit ihrem darstellerischen Talent. In Teilen wechselte die Besetzung an den beiden Aufführungsabenden. So wechselte neben der Besetzung der Sophie zum Beispiel auch die der Ehefrau Otti (Bianca Weingarte/ Caitlin Wald) oder der Fitnesstrainerin (Lara Külzer/Luisa Gohmann).

„Ich habe euch heute von einer ganz anderen Seite kennengelernt und das ist es, was Literaturabende immer so besonders macht“, sagte Schulleiter Carsten Gier, der von der Aufführung ebenso begeistert war wie die Kursleiter Veronika Hummel und Winfried Brinkhues. Sie waren mächtig stolz auf ihre Truppe und lobten die Jugendlichen für ihren Einsatz. Gemeinsam mit drei weiteren Lehrern sorgten sie zudem mit einer Aerobicszene für ein ganz besonderes Highlight.

Und auch sonst gab es im Theaterstück den einen oder anderen Überraschungsmoment. Für das Bühnenbild wurde eigens ein spezieller Beamer angeschafft, der aus den freien Elternbeiträgen der Schule finanziert wurde und nun der ganzen Schulgemeinde für verschiedene Zwecke dienen wird.

„So gut wie noch nie“

Die Schüler waren von ihrem Theaterspiel erkennbar begeistert: „Wir haben heute so gut gespielt wie noch nie“, erklärte Tim Siegers nach der Premiere und beschrieb, dass es ein unglaubliches Gefühl gewesen sei, vor den vielen Zuschauern zu stehen. Schade sei lediglich, dass es wohl bei nur zwei Auftritten bleiben würde. Auch Lara Prilop bestätigte, dass die Aufführung allen unglaublich Spaß gemacht habe und dass vor allem die Stimmung auf und hinter der Bühne großartig gewesen sei.

„Wir waren alle irgendwie aufgeregt, aber wir haben uns gegenseitig beruhigt und es war einfach nur ein tolles gemeinsames Erlebnis.“ Und das wohl nicht nur für die Akteure des Literaturkurses wie die standing ovations an beiden Abenden erahnen ließen.

(kaba)
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