Verkehrschaos an Schulen: Liebfrauenschule hat morgens mit unzähligen „Elterntaxis“ zu kämpfen

Verkehrschaos an Schulen : Liebfrauenschule hat morgens mit unzähligen „Elterntaxis“ zu kämpfen

Rund um die Liebfrauenschule gibt es seit Jahren ein Problem mit Eltern, die ihre Kinder bis vor die Schultür bringen. Dadurch entsteht morgens ein regelrechtes Verkehrschaos. Eine Anwohnerin, der Schulleiter und das Ordnungsamt schildern ihre Sicht auf die Dinge – und fordern ein Umdenken.

Die Verkehrssituation rund um die Liebfrauenschule ist seit Langem angespannt. Vor allem morgens kommt es an der Kreuzung Liebfrauenstraße/Reuleauxstraße zu gefährlichen Situationen. Aber auch die vermeintlich kleineren Nebenstraßen wie die Mozartstraße und der Schubertweg sind betroffen. Im Herbst, wenn das Wetter schlechter wird, verstärkt sich das Problem.

Eine Anwohnerin vom Schubertweg beobachtet das Verkehrstreiben bereits seit geraumer Zeit. Jeden Morgen zwischen 7.30 und 8 Uhr stauen sich unzählige Autos – um möglichst nah bis vor das Schultor zu fahren. „Es gibt hier keine Elterntaxiplätze, deshalb halten die Mütter und Väter überall vor dem ganzen Schulgebäude“, berichtet sie. Vor der Schule herrsche deshalb ein großes Verkehrschaos. Autos hielten in zweiter und sogar dritter Reihe, „da wird es schon verdammt eng“.

Ihre Kinder besuchen die Don-Bosco-Grundschule und haben eigentlich einen Schulweg, der gut zu Fuß möglich ist. Doch die Strecke führt an der Reuleauxstraße entlang – und kreuzt die Liebfrauenstraße. „Mittlerweile ist es da so schlimm, dass ich meine Kinder nicht zu Fuß zur Grundschule gehen lassen möchte, obwohl der Weg nicht weit ist“, klagt die Anwohnerin. Sie habe Verständnis dafür, dass man sein Kind ab und an mit dem Auto fahre, aber das müsse wirklich nicht jeden Tag sein. „Diese Regelmäßigkeit ist das, was das hohe Verkehrsaufkommen ausmacht.“

Kinder fördern und ihnen vertrauen

Das ginge so weit, dass ihre Kinder sie fragten, warum sie eigentlich zu Fuß gehen müssen, wenn andere Schüler mit dem Auto gebracht werden. „Das ist ärgerlich, denn wir wollen unsere Kinder ja fördern und ihnen das Vertrauen geben, dass sie den Weg alleine schaffen“, betont die Anwohnerin. Es sei sinnvoll und wichtig, seine Kinder mindestens ein paar Meter selbstständig laufen zu lassen. Dazu gebe es zum Beispiel an der Jülicher Straße Einbuchtungen, von wo aus die Schüler nur noch eine kurze Strecke bis zur Liebfrauenstraße zurücklegen müssten. An sieben Orten (Grundschulen, Kita, Waldschule) gibt es auch sogenannte Eltern-Haltestellen.

Weitere Optionen zeigt Carsten Gier auf. Dem Schulleiter der Liebfrauenschule ist das Problem seit Jahren bekannt. Er verweist nicht nur darauf, etwas weiter weg zu halten, sondern sensibilisiert nochmal für andere Möglichkeiten wie das Fahrrad oder den Bus. „Aber generell ist der Appell: Traut euren Kindern zu, den Weg zu Fuß zurückzulegen“, sagt Gier. Das sei auch bei schlechtem Wetter mit entsprechender Kleidung möglich. Denn das sei einer der größten Faktoren. „Es hat kaum etwas mit der Einschulung der neuen Fünfer zu tun, viel mehr ist es die Wetterlage“, erzählt Gier. Wenn das nasse, kalte Wetter jetzt wieder anfange, würden auch wieder mehr Eltern ihre Kinder mit dem Auto bringen.

Bei 880 Schülern, für die morgens um 8 Uhr der Unterricht beginnt, ist das eine Herausforderung für die umliegenden Straßen. Deshalb hat die Elternpflegschaft im vergangenen Jahr eine Verkehrsaktion ins Leben gerufen, um Autofahrer für das Problem zu sensibilisieren.

Mit Polizei, Ordnungsamt und Schülervertretung werden Eltern darauf hingewiesen, die Parkbuchten zu nutzen und nicht in zweiter Reihe zu halten. Zuletzt am Montag dieser Woche hat die Aktion stattgefunden, wann der nächste Termin ist, verrät Gier nicht. Im vergangenen Schuljahr habe die Aktion zwei Mal jeweils eine Woche am Stück stattgefunden. Doch der Langzeiteffekt sei nicht da gewesen. „Für die Zeit der Aktion waren die Eltern sehr sensibilisiert, zwei Wochen später war der Effekt wieder vorbei“, sagt er.

Schule kann nur sensibilisieren

Deshalb habe man sich in diesem Jahr für einzelne, unregelmäßige Tage entschieden, die nicht vorher angekündigt werden. Zudem weise man auch regelmäßig bei Schulpflegschafts- und Elternpflegschaftssitzungen darauf hin. Auch die Schüler werden stark gemacht, ihren Eltern zu sagen, dass sie zumindest einen Teil des Weges auch allein schaffen. „Mehr als darauf hinweisen können wir als Schule auch nicht, wir haben ja kein Weisungsrecht im öffentlichen Verkehrsraum“, betont Gier.

Das haben Polizei und Ordnungsamt. Sie unterstützen die Aktion der Liebfrauenschule und haben das Problem ebenfalls auf dem Schirm. „Der Straßenabschnitt Reuleauxstraße ist der Knackpunkt“, sagt Sascha Engels vom Ordnungsamt. Dort sei die Aktion der Elternpflegschaft auch gut und sinnvoll. „Aber die Wirksamkeit hält sich leider in Grenzen“, bedauert Engels. Viele seien zwar einsichtig und geben zu, noch nie richtig über die Auswirkungen nachgedacht zu haben. „Andere bringen ihre Kinder aber weiterhin lieber bis ins Klassenzimmer.“

Die Situation an der Liebfrauenschule sei aber nicht die einzige Probemzone. Überall an Kindergärten und Schulen gebe es dieses Situation. Deshalb kontrolliert das Ordnungsamt auch unabhängig von Elternaktionen in regelmäßigen Abständen an allen Eschweiler Schulen. „Wir kommen aber nicht mit der Keule und kassieren nur ab“, sagt Engels, „sondern wir setzen auf Aufklärung.“

Ähnlich sieht das die Polizei, die ebenfalls Kontrollen durchführt. „Wer sich nicht regelkonform verhält, wird erst mal angesprochen“, teilt Frank Plum von der Pressestelle der Polizei mit. Erst in zweiter Instanz würden die Eltern mit Verwarngeldern sanktioniert. Dass Polizei und Ordnungsamt mit von der Partie sind, hält Engels für ein wichtiges Signal: „Die Akzeptanz mit Polizei und Ordnungsamt ist schon höher als bei einem Schüler mit Warnweste.“ Und abschließend stellt er eine Frage, die einige Eltern ganz unabhängig von der Frage der Bequemlichkeit zum Denken anregen soll: „Wie sollen die Kinder den Umgang im Straßenverkehr lernen, wenn sie überall immer bis vor die Tür gefahren werden?“

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