Eschweiler: Kurios: Rübenernte lange nach der Kampagne

Eschweiler : Kurios: Rübenernte lange nach der Kampagne

Manch einer mag sich am Freitag verwundert die Augen gerieben haben, als er den Rübenroder auf dem Feld bei St. Jöris erblickte. Dort holte Gerd Pfennings mit seinem Traktor Zuckerrüben aus dem Boden. Für viele ist der Zeitpunkt ungewöhnlich, weil die Rübenkampagne eigentlich erst im September beginnt und im frühen Winter endet.

Der St. Jöriser Landwirt verkauft die Rüben allerdings nicht für die Zuckerproduktion, sondern verfüttert sie an die Kühe im Hof der Familie an der Neusener Straße. Dafür müssen sie allerdings noch zerkleinert werden, da Zuckerrüben wesentlich fester sind als die Futterrüben, die das Vieh mit den Zähnen spalten kann.

Die meisten Knollen auf der Parzelle in St. Jöris haben den Winter gut überstanden. Die Blätter sind zwar abgestorben, aber die Wurzel im Boden ist nicht betroffen. „Der harte Frost im Februar hat manchen dennoch zugesetzt“, berichtet Gerd Pfennings. Der überwiegende Teil kann jedoch für die Verfütterung genutzt werden. Bei den gestiegenen Temperaturen trieben die ersten Blätter wieder aus. Dies senkt natürlich den Zuckergehalt der Rübe. Auch aus einem anderen Grund müssen die verbliebenen zehn Reihen geerntet werden: Die Parzelle soll mit Mais bepflanzt werden — und die Saatphase läuft auf Hochtouren. Auf den Nachbarfeldern liegt die Saat bereits im Boden oder die Pflanzen sprießen bereits hervor.

Die alternative Verwendung der Zuckerrübe wird für Landwirte vor allem dann lukrativ, wenn in einem guten Erntejahr zwar der Ertrag in die Höhe steigt, die Preise auf dem Markt allerdings in den Keller purzeln. Dies war im vergangenen Jahr der Fall. Sogar von einer „Rekordernte“ war die Rede, was zu Überkapazitäten auf dem Markt führte.

Die wertvollere Zuckerrübe dann zu Viehfutter zu verarbeiten, bildet jedoch inzwischen nicht mehr die einzige Alternative zum Verkauf an eine Zuckerfabrik. Das Substrat der Rübe eignet sich auch für Biogasanlagen. Allerdings ist diese Verwendung nicht unumstritten, denn manche sehen die Nutzung von Ackererzeugnissen zur Energiegewinnung skeptisch.

Auf der Fläche in St. Jöris blieben nur wenige Rübenreihen über Winter stehen. Gerd Pfennings ist sich sicher, dass man in dieser Zeit keine weiteren Rübenroder in der Region sehen wird: „Das ist schon einmalig“, schildert er. Den Kühen im Stall der Familie dürfte dies gefallen, denn der Nährwert der Zuckerrübe ist sehr hoch.

(pan)
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