Heldinnen, Ikonen und Hausfrauen : Kunstausstellung von Kristina Kanders im Talbahnhof

Heldinnen, Ikonen und Hausfrauen : Kunstausstellung von Kristina Kanders im Talbahnhof

„Kanders malt(t) anders“ ist eine Ausstellung von Kristina Kanders, die ab Ende des Monats in der Städtischen Kunstsammlung im Talbahnhof zu sehen ist. Veranstalter ist der Eschweiler Kunstverein.

Vernissage ist am Sonntag, 31. März, 15 Uhr. Einführende Worte spricht Alexandra Simon-Tönges; die musikalische Begleitung übernimmt Bernd Gast an der Gitarre. Insgesamt sind die Werke bis einschließlich 14. April, jeweils samstags und sonntags, von 15 bis 18 Uhr (und nach Vereinbarung) zu sehen.

Die Kölner Künstlerin Kristina Kanders zeigt in der Einzelausstellung des Eschweiler Kunstvereins erstmals Bilder aus drei ihrer aktuellen Serien: Disappearing Housewives – Verschwindende Hausfrauen, Heroes und Icons – Heldinnen und Ikonen,Food People – Du bist, was du isst.

Oft ausgehend von Frauenfotos aus der Werbung der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts malt Kristina Kanders Ölbilder dieser Motive auf dekorative Originaltapeten aus dieser Zeit. Hierbei spielt sie mit der Seherfahrung des jeweiligen Betrachters, sodass sie die Frauen mal mehr, mal weniger im Muster der Tapete aufgehen lässt –  die Frauen im Hintergrund scheinen zu verschwinden. Dennoch vervollständigt das Auge des Betrachters die Figuren – die Unsichtbarkeit wird sichtbar gemacht.

Bis in die 60er Jahre waren auch deutsche Frauen vornehmlich hauptberuflich Hausfrauen. Die Hausherrin und ihre unterbewertete Arbeit war so selbstverständlich wie die Tapete an den Wänden: dekorativ, schmückendes Beiwerk – aber sie hatte wenig zu sagen. Inzwischen sind viele Frauen berufstätig. Doch wie steht es heute um „das bisschen Haushalt“? Wie viel Emanzipation hat tatsächlich zu Hause stattgefunden?

In der Serie „Heroes und Icons – Heldinnen und Ikonen“ zeigt Kristina Kanders ihre persönlichen Helden: sowohl Personen, die sich mutig entschlossen für Frieden, Aufklärung und Menschenrechte einsetzen bzw. gekämpft haben, als auch einige ihrer persönlichen musikalischen Vorbilder.

Diese „Bilder“ erhalten ihren besonderen Reiz dadurch, dass sie aus bis zu 6-schichtiger Wellpappe herausgeschnitten werden. Auf extreme hell-dunkel Kontraste reduziert, überträgt sie dabei die Porträts auf Wellkarton, wobei einzelne Schichten teilweise entfernt und bemalt werden. Die dadurch freigelegten Wellen spielen ihrerseits wieder mit Licht und Schatten und verleihen den Kunstwerken eine reliefartige Tiefe. Manche der Portraits erschließen sich erst auf den zweiten Blick, was zum Suchen und Finden einlädt.

Unter dem Motto “Du bist, was du isst” zeigt Kristina Kanders den Zusammenhang zwischen der Nahrung, unserer Figur und den Einflüssen unserer Entscheidungen auf die Umwelt. Der Betrachter kann eindrücklich nachvollziehen, welche Ernährungsform er wählen möchte.

Aus der Werbung ausgeschnittene Lebensmittelbilder werden von der Künstlerin zu Ganzkörper-Collagen zusammengestellt, auf bemaltem Holzuntergrund geklebt und oberflächenversiegelt. Ob „Heinz und Barbie Q“ (Grillfreunde), „Adam und Eva“ (Frutarier) oder „das Süße Kind“ – die hochaktuellen Werke haben ernsten Hintergrund und Humor zugleich.

Kristina Kanders, geboren in Köln, begann bereits in jungen Jahren zu malen und Musik zu machen. 1987 ging sie nach New York, um zu studieren (Bachelor of Fine Arts, Parsons School of Design, NYC; Master or Arts Degree, Queens College, NYC). Insgesamt blieb sie fast 20 Jahre dort, gab international Konzerte und unterrichtete elf Jahre an der New School University.

Nach ihrer Rückkehr nach Köln 2005 produzierte Kristina mehrere CDs und Kunst- und Musikvideos. Ausstellungen und Konzerte in Deutschland folgten. Seit 2012 liegt der Schwerpunkt ihres Schaffens vollständig in der bildenden Kunst.

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