Kneipengottesdienst im Mexi & Co.

„Heute beim Bier“ : Gottesdienst in der Kneipe? Warum nicht!

Jesus spricht: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“. Und dies gilt natürlich nicht ausschließlich für Kirchengebäude. Am Sonntagabend versammelten sich wesentlich mehr Menschen als nur zwei oder drei, um einen Gottesdienst zu feiern. Wo? In der Gaststätte Mexi & Co., die um 20 Uhr aus ziemlich vielen Nähten zu platzen drohte.

Die Idee dazu hatte Kneipenwirt Michael Esser entwickelt, als während der Wiedereröffnung seiner nach einem Brand arg in Mitleidenschaft gezogenen Gaststätte Pfarrer Michael Datené ein Gebet sprach und den Raum einsegnete (wir berichteten). Der Gedanke fiel bei den Verantwortlichen der Pfarre St. Peter und Paul auf fruchtbaren Boden.

Diakon Günter Schiffeler und Gemeindereferentin Petra Minge entwickelten gemeinsam mit Michael Datené ein Konzept für den Kneipengottesdienst, das nun unter der Überschrift „Heute beim Bier“ in die Tat umgesetzt wurde. Eine nicht unwesentliche Rolle spielte dabei der Termin unmittelbar vor der Eröffnung der Fastelovendsession, die in der Indestadt durchaus eine gewisse Relevanz besitzt.

„Wir starten heute den Versuch, geistliche Impulse in lockerer Runde zu setzen“, erklärte Günter Schiffeler, während Michael Datené die Gottesdienstbesucher schmunzelnd bat, den „Kommunionhelfern mit ihren großen Tabletts“ ein wenig Platz zu machen, dabei aber keinesfalls zu vergessen, mitzufeiern und mitzusingen.

Geistliche Impulse in lockerer Runde: Diakon Günter Schiffeler (links) und Pfarrer Michael Datené brachten während des Kneipengottesdienstes besinnliche und sinnesfrohe Gedanken an die Frau beziehungsweise den Mann. Foto: Andreas Röchter

Ein Gedanke, den Petra Minge aufnahm: „Es ist unser Anliegen, die Begriffe Glauben, Feiern sowie Tod und Auferstehung in Einklang zu bringen“, betonte die Gemeindereferentin, dass eine Kneipe natürlich auch ein Gotteshaus sein könne. „Der Tod hat nicht das letzte Wort“, versicherte Michael Datené, der auf deutliche Spuren des christlichen Glaubens in zahlreichen Karnevalsliedern hinwies und von den Inde-Singers sogleich musikalisch bestätigt wurde. Die Mundartband stimmte mit „Es gibt ein Leben nach dem Tod“, „Die Prozession“, „Eimol Himmel un zurück“ und „Der liebe Jott süht alles“ Fastelovendhits an und fand in den Besuchern viele Nachahmer und Mitsänger.

Die Botschaft der Liebe Gottes sei fest in den Karneval integriert, so Günter Schiffeler. „Darin spiegelt sich die Hoffnung und die Zuversicht, dass Gott es immer gut mit den Menschen meint“, zitierte der Diakon den Höhner-Frontmann Henning Krautmacher.

„Es gibt ein Leben nach dem Tod“: Nicht nur mit dem Bläck Föös-Klassiker stellten die Inde-Singers unter Beweis, dass zahlreiche Karnevals-Lieder mehr als nur Spuren des christlichen Glaubens enthalten. Foto: Andreas Röchter

Anschließend machten sich Petra Minge und Michael Datené im Rahmen eines Zwiegesprächs auf die Suche nach dem Kern des Gebets „Vater unser“, das im „Gottesdienstalltag“ womöglich häufig einfach „heruntergebetet“ werde. „Möchten wir wirklich den Namen Gottes heiligen, also ehren? Soll wirklich Gottes Reich kommen und sein Willen geschehen?“, lauteten einige der Fragen. Dies bedeute, tatsächlich Hungernde zu speisen, Kranke zu heilen, Gefangene zu befreien. Dies bedeute auch, zu vergeben, Frieden im Herzen zu tragen und Gott ernst zu nehmen. Es gelte, das „Vater unser“ mit dem alltäglichen Leben der Menschen in Verbindung zu bringen.

Dem Friedensgruß folgte der Segen und der Vorschlag Günter Schiffelers, vor dem „Nachhauseweg in Frieden“ noch ein wenig zu verweilen. Ein Wunsch, dem die Gottesdienstbesucher gerne und schunkelnd nachkamen. Und die Bilanz der Premiere: Ein gelungenes „säkular-spirituelles Experiment“? Womöglich auch. Doch der erste Kneipen-Gottesdienst im Mexi & Co. dürfte für nahezu jeden Teilnehmer viel mehr gewesen sein. Nämlich ein Zusammenkommen unterschiedlichster Menschen, von dessen Gedanken, Impulsen und Ideen die Teilnehmer zehren können.

Eine Fortsetzung ist übrigens gewiss: Am Sonntag, 13. Januar, steht die zweite Auflage, zu der auch Bischof Helmut Dieser seine Teilnahme zugesagt hat, an gleicher Stelle auf dem Programm. Ob die Devise „Aller guten Dinge sind (mindestens) drei“ in die Tat umgesetzt wird, wird dann die Zukunft zeigen.

(ran)