Kommentar zum Euregio-Lkw-Benefiz-Konvoi: Klimakampf ist gut, Menschlichkeit auch

Kommentar zum Euregio-Lkw-Benefiz-Konvoi : Klimakampf ist gut, Menschlichkeit auch

In der heutigen Zeit sorgen selbst Benefiz-Aktionen für (schwerkranke) Kinder für Diskussionen, wenn sie im Widerspruch zum hehren Ziel Klimaschutz stehen. Stellen Sie beim Grillabend mal die Frage, ob ein Konvoi mit 100 Schwerlastern, die 80 Kilometer durch die Dörfer fahren, zeitgemäß ist. Ich habe es getan.

Es gibt einige Argumente gegen und für die Aktion, und es lässt sich schön diskutieren, weil niemand mit Regeln und Gesetzen argumentieren kann, sondern rein mit der persönlichen Einstellung. Natürlich haben Kinder auch Spaß, wenn sie auf Kosten anderer einen Tag im VIP-Bereich ein Fußballspiel schauen oder auf Pferden durch die Natur geritten werden. Und der CO2-Ausstoß ist im Vergleich zu einer Lkw-Fahrt verschwindend gering. Aber darum geht es bei der Lkw-Aktion nicht.

Mein Lieblingskommentar auf Facebook zum Samstag ist: „Was wohl Greta (Thunberg, Anm. d. Red.) dazu sagt?“ Mir ist es ehrlich gesagt egal, was die junge Aktivistin sagen würde, ohne ihr Bemühung um eine bessere Welt auch nur ansatzweise infrage zu stellen. Denn wer sich hinstellt, und diese außergewöhnliche Aktion für unnötig erklärt, der erkennt etwas ganz Entscheidendes nicht. Und das ist etwas, was nicht minder bemerkenswert ist als der Kampf ums gute Klima für die folgenden Generationen: Menschen opfern Geld, Freizeit und Nerven, um (schwerkranken) Kindern ein einmaliges Erlebnis zu bereiten. Die schönen Gesten am Straßenrand und im Internet geben ihnen Recht. Und dass man beim sinnvollen Kampf ums Klima niemals die Menschlichkeit hinten anstellen sollte, beweisen die Kommunen und Bürger, die das Wunderland Kalkar zu dem gemacht haben, was es heute ist.

Wenn die Stadt Aachen es bei der diesjährigen Ausnahme belässt, muss 2020 eine neue Route her. Was schade wäre, denn in Aachen-Brand hat die Feuerwehr die Fahrer und Beifahrer begeistert. Für diese Szenen setzen sich die Männer auch samstags ohne Lohn ans Steuer, nach einer Woche, in der sie schon für das Wohl aller unterwegs gewesen sind. Ohne Lastkraftwagenfahrer geht nichts, ohne sie funktioniert die Globalisierung nicht, schon gar nicht der Onlinehandel. Dass der Organisator des Benefiz-Konvois, Wolfgang Schiffers, auch das Image der Fahrer aufpolieren möchte, ist leider traurig. Weil wir sind es nun mal alle, die sie auf die Straße schicken und somit indirekt dafür sorgen, dass es schwarze Schafe gibt.

Ich persönlich bin froh, am Samstag mitgefahren zu sein, mit Fahrern und Eltern gesprochen, Zusammenhalt, Begeisterung, Wertschätzung und Tränen in den Augen gesehen zu haben. Wer das aus Klimaschutzgründen für zweitrangig hält, der könnte ein Paket im Monat weniger online bestellen und Retour schicken. Diese Wege sind unnötig, verschmutzen die Umwelt deutlich mehr – und machen keinen Menschen glücklich.

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