„Klejbors“ in Eschweiler: Party endet mit zwei Verfahren

Zwei Verfahren : Chaotische Partynacht im „Klejbors“ landet vor Gericht

In der Eschweiler Discothek Klejbors kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen Türstehern und sieben Gästen. Eine Frau wird daraufhin wegen Volksverhetzung angeklagt – und ihr Mann geht seitdem an Krücken, kann nicht mehr arbeiten. Was ist passiert?

Die Party am 15. Dezember des vergangenen Jahres im „Klejbors“ war eigentlich eine gewöhnliche Discofete an einem Samstagabend, viele Leute hatten Spaß, tanzten, tranken, doch seitdem geht Thomas I.* aus Linnich an Krücken. Seit nun zehn Monaten kann der Berufskraftfahrer nicht arbeiten. Der 46-Jährige ist damals in der Discothek von einem Mitarbeiter des Sicherheitspersonals zu Boden gedrückt worden, ein weiterer Türsteher ist ihm von hinten in die Beine gesprungen. So zumindest schilderte der Mann es jetzt vor dem Eschweiler Amtsgericht.

Nur: Bei dem Prozess ging es gar nicht explizit um diesen Vorfall. Denn angeklagt war seine 41 Jahre alte Ehefrau Sabine I. wegen Volksverhetzung. Sie soll den Türsteher, der ihrem Mann in die Beine gesprungen ist, im Nachhinein unter anderem mit den Sätzen „Ihr dreckigen Ausländer, geht dahin, wo ihr hergekommen seid“ und „Früher hätte man euch vergast“ beleidigt haben.

Was ist in dieser Partynacht passiert, als das Ehepaar mit vier weiteren Freunden und der 18-jährigen Tochter im „Klejbors“ gefeiert hat?

Die Sicht der Türsteher: Paul G. bekam vom Thekenpersonal den Hinweis, dass der Gast Thomas I. stark alkoholisiert sei und andere Leute bedrängt habe. Darauf sprach G. ihn an. Da der 46-Jährige sich nicht gesprächsbereit, dafür aber aggressiv gezeigt habe, sollte Thomas I. die Discothek verlassen. „Dann gab es Theater mit der ganzen Gruppe“, sagte G.

Es folgte ein Gerangel in der Mitte des Saals, dabei soll Sabine I. Paul G. von hinten ins Gesicht geschlagen haben. Und kurz darauf fixierten die Türsteher, darunter der hinzugerufene Suat K., Thomas I. auf dem Boden als Reflex auf einen Ausfallschritt des Mannes. Nachdem der sich wieder aufraffen durfte, ging er die Treppe hoch in die Nähe der Garderobe, lehnte sich an einen Stehtisch und verlangte nach einem Krankenwagen mit den Worten: „Ihr habt mir mein Bein gebrochen.“

In diesem leiseren Bereich sind die heftigen Beleidigungen gefallen, schilderte Suat K. „Das tat richtig weh“, sagte er. „Ich bin deutscher Staatsbürger. Ich lebe seit mehr als 30 Jahren in Deutschland.“ Und er betonte, dass Türsteher Gäste nicht grundlos des Hauses verweisen.

Die Sicht der Gäste: Die Angeklagte, ihre Tochter und der Ehemann sagten nicht aus. Thomas I. bemerkte nur, dass er seit jenem Abend arbeitsunfähig sei. Die vier Freunde hatten zwar nur Teile des Geschehens mitbekommen, zeichneten aber ein ganz anderes Bild, als es die Türsteher G. und K. zuvor taten. Zum Beispiel Franz E. aus Wassenberg: Nach Aussagen des 58-Jährigen ist auch er grundlos zu Boden gerissen und in den Schwitzkasten genommen worden, obwohl er sich „mit einem anderen Türsteher vorher noch gut unterhalten habe“, als er nach einem Toilettengang wissen wollte, was passiert sei. Gegen die Attacke habe er sich nicht gewehrt. „Ich habe mich noch nie geprügelt – ich kann ja nicht mal richtig laufen.“ Der stämmige Schlosser ist durch eine Krankheit gehbehindert.

Und Petra S., 34, aus Linnich betonte, dass sie keine Beleidigungen gegen die Türsteher mitbekommen hat – im Gegenteil: Beleidigungen und Aggression gingen von dem Sicherheitspersonal aus. Ihr Mann Bernd S. bestätigte das.

Für Oberstaatsanwältin Carolin Scharf und Richter Sven Gißelbach spielte die letzte Zeugin im Nachhinein die entscheidende Rolle: Daniela B. war mit einem Bus die Fahrerin der siebenköpfigen Gruppe, sie war an dem Abend nüchtern. Die 34-Jährige aus Wassenberg ist die Lebensgefährtin von Franz E., der von einem Türsteher in den Schwitzkasten genommen wurde. Man habe „lustig getanzt“, dann kam der Türsteher auf Thomas I. zu. „Angeblich hat sich jemand beschwert, aber er hatte danach direkt die Hände hinterm Rücken, weil er kein Palaver wollte“, betonte sie. „Er war auch auf dem Weg Richtung Ausgang, wurde aber bedrängt.“

Im Verlauf sei Suat K. erst Thomas I. von hinten in die Beine gesprungen, dann habe er B.s Lebensgefährten attackiert. „Der Türsteher zog sich vorher Handschuhe an und machte sich quasi kampfbereit. Ich hatte das Gefühl, er suchte sich wen für Ärger.“ Auch als ihr Lebensgefährte im Schwitzkasten im Gesicht rot anlief, soll selbst die „Chefin der Türsteher“ nicht eingegriffen haben.

Das Urteil: Oberstaatsanwältin Kraft und Richter Gißelbach waren sich einig, dass sich zehn Monate nach dem Vorfall nicht herausfinden lasse, was sich genau abgespielt hat. Vor allem die Aussagen von Daniela B. sorgten für den Freispruch von Sabine I. „Was noch aufgeklärt werden muss, ist der Vorwurf der Körperverletzung“, sagte Richter Gißelbach, der von diesem Verfahren gegen den vorbestraften Suat K. erst während der Verhandlung erfuhr. Ein Prozess ist noch nicht terminiert.

*alle Namen geändert

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