Eschweiler: Klaus Fehr: Über Röhe und die Schwierigkeiten vieler Clubs

Eschweiler: Klaus Fehr: Über Röhe und die Schwierigkeiten vieler Clubs

Nicht jeder kann sich mit seinem Wohnort identifizieren. Andere schaffen das gut. Einer könnte dafür der Prototyp gewesen sein: Klaus Fehr. Beim Aufzählen seiner Vereinsmitgliedschaften in Eschweiler-Röhe kommt der Gedanke auf, das soziale Leben des Ortes läge lahm ohne ihn.

Er ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Röher Ortsvereine, 2. Vorsitzender im Karnevalsverein, Mitglied beim TFB (Handball), im Trommler- und Pfeiferkorps, im Männergesangverein, im Förderverein der Grundschule, im Förderverein Mai-Club Röhe, Beisitzer und Sprecher des Sportplatz e.V. und nicht zuletzt Leiter des Arbeitskreises Röhe beim Geschichtsverein, mit dem er die Ausstellung „Röhe früher und heute“ organisiert. Die öffnet heute ab 15 Uhr ihre Pforten im Jugendheim Röhe. Unser Mitarbeiter Thomas Vogel hat sich mit ihm über seinen Stadtteil und die Vereinsarbeit unterhalten:

Sind alle bei der Ausstellung: Klaus Fehr, Puppe mit Kostüm des Zeremonienmeisters von 1998/99, und die Fahne der „Rheinischen Wanderburschen“, die es seit Jahrzehnten nicht mehr gibt. Foto: Thomas Vogel

Die Liste ihrer Vereinsmitgliedschaften legt den Gedanken nahe, dass Sie in Röhe jeden mit Vornamen begrüßen. Kann man im Stadtteil besser vernetzt sein, als Sie es sind?

Fehr: Nein, ich glaube nicht. Es sind zwar ein paar Leute nach Röhe gezogen in den letzten Jahren, aber viele kenne ich persönlich.

In wie fern hilft das bei der Organisation einer Ausstellung wie dieser?

Fehr: Es erleichtert sehr vieles. Meine Familie lebt seit über 100 Jahren in Röhe und ist dementsprechend bekannt. Die Vereinsarbeit tut ihr übriges. Wenn man dann mal jemanden nach einem Stück für die Ausstellung fragt, hört man eher eine Antwort wie: ‚Ach, Du bist es. Ja, Du bekommst es.‘

Warum überhaupt diese Ausstellung über Röhe und warum gerade jetzt?

Fehr: Der Geschichtsverein feiert in diesem Jahr 40. Geburtstag. Wegen der vielen Publikationen des Geschichtsvereins ist ein Buch aber immer schwierig unterzubringen. Deshalb haben wir uns überlegt: Wir machen eine Ausstellung, weil so viel Material vorhanden ist, das wir den Leuten mal zeigen wollen. Die schlummern ja seit Jahrzehnten zum Teil schon auf Dachböden, in Schubladen und sonst wo.

Wo Sie gerade Bücher ansprechen: Sie haben an einem Buch über den Stadtteil Röhe mitgewirkt. Ich könnte mir vorstellen, dass es schwierig war, genug Quellen aufzutreiben ...

Fehr: Nein, ganz im Gegenteil. Es sind so viele Leute, die bereit waren, daran mitzuarbeiten. Wir hätten noch viel mehr bringen können, aber das hätte den Rahmen des Buches gesprengt. Deshalb haben wir im Geschichtsverein uns vor drei Jahren, als das Buch erschien, schon überlegt, dass wir ein zweites Buch Röhe als Bildband herausbringen. Der wird vor 2017 oder 2018 aber sicher nicht erscheinen.

Sie haben seit geraumer Zeit bereits mit den Kollegen Stücke für die Ausstellung zusammengetragen und gesichtet. Ist Ihnen dabei auch etwas Besonderes unter die Augen gekommen?

Fehr: Besonders sind mit Sicherheit die Sachen aus dem Nachlass des Röher Komponisten Wilhelm Rinkens, der in Thüringen Karriere gemacht hat. Sein Urenkel hat sich letztes Jahr bei uns gemeldet und gefragt: ‚Ich hab so viele Sachen hier, was kann man damit machen?‘ Das war natürlich ein wunderbarer Einstieg für uns. Im November bin ich mit Heinz-Josef Esser dann zu ihm bis hinter Frankfurt gefahren. Ergebnis: Besucher der Ausstellung können etliche Leihgaben sehen, die noch nie oder seit langer Zeit nicht mehr in Röhe waren. Ein Wahnsinnsteil ist auch der Wetterhahn der abgebrannten Röher Kirche, der neben Bildern des Brandes ausgestellt wird.

Sie setzen sich mit der Arbeit in diesem Verein aktiv mit der Geschichte Ihres Heimatortes auseinander. Hat sich die Beziehung zwischen Ihnen und dem Stadtteil dadurch eigentlich verändert?

Fehr: Sie ist intensiver geworden, weil ich von vielen Dingen höre, die ich vorher gar nicht kannte und zu Sachen zurückfinde, die ich vergessen hatte. Ich gehe mit anderen Augen durch den Ort, wenn ich zum Beispiel ein Haus sehe und weiß: Ach ja, da hat der mal gewohnt oder da war mal dieses Geschäft drin. Das hab oder hätte ich vorher vielleicht vergessen.

Sie haben sich entschlossen, für die SPD zur Ratswahl anzutreten. So viele Vereinsmitgliedschaften und jetzt auch noch in die Politik? Warum?

Fehr: Wenn man sich so engagiert, dann wird doch an vielen Stellen klar, wo man ein bisschen mehr bewegen könnte, wenn man in der Politik ist. Das ist der Punkt, der mich zu meiner Entscheidung für einen Antritt bewogen hat.

Hört sich an, als ob der Schuh irgendwo gewaltig drückt. Wo denn?

Fehr: Bei den Vereinen. Die äußeren Einflüsse sind mittlerweile so massiv, dass zu befürchten ist, viele Vereine gehen in den nächsten Jahren den Bach runter. Dagegen will ich unbedingt etwas unternehmen.

Können Sie das ein bisschen erläutern. Wo genau liegt die große Gefahr für die Vereine, was müssen die schlucken, das sich als zu großer Brocken herausstellen könnte?

Fehr: Gema-Gebühren zum Beispiel. Das können die Vereine finanziell fast nicht mehr stemmen. Dass Gebühren erhoben werden, ist ja nachvollziehbar. Aber welche Summen ein kleiner Verein für eine Veranstaltung zu zahlen hat ... das ist enorm. Die Wagenengel für Fahrzeuge beim Karnevalsumzug zum Beispiel sind teuer. Seit der Loveparade-Tragödie in Duisburg müssen die Vereine versicherungsmäßig richtig tief in die Tasche greifen. Und neben dem Geld spielen eben Mitgliederzahl und -aktivität eine entscheidende Rolle.

Gibt es da ein konkretes Beispiel für einen Verein in Röhe, für den der Druck so groß wurde, dass er überlegen musste: Wie kann es in Zukunft weitergehen?

Fehr: Unsere Schützen hatten das Problem vor 20 Jahren. Da haben sich, wie bei vielen Vereinen, nur noch ein paar Mitglieder engagiert. Alle wollen feiern, aber viele nicht arbeiten. Und man muss etwas bieten, Künstler, die kosten, dazu kommen Versicherungen, Hallenmiete und, und, und. Das verkraften kleine Vereine nicht länger.

Können Sie im kleinen Verein überhaupt etwas dagegen machen, oder müssen Sie sich dem ausliefern?

Fehr: Das ist schwierig ... nein. Da ist man dann einfach machtlos. Gegen die äußeren Gegebenheiten kann man nichts machen, zumindest nicht aus dem Verein heraus.

Mit der Röher Vergangenheit und den Vereinen setzen Sie sich intensiv auseinander. Abschließend: Wie ist es in Ihren Augen um die Zukunft des Stadtteils bestellt?

Fehr: Wünschen würde ich mir, dass unsere Vereine weiter existieren und dass viele junge Leute nach Röhe kommen. Röhe ist derzeit überaltert. Was wir dringend brauchen, sind Baugrundstücke, um junge Familien hierher zu holen. Vor ein paar Jahren ist ein Anfang gemacht worden, indem auf dem alten Sportplatz Ellerberg Einfamilienhäuser gebaut wurden. Davon brauchen wir mehr. Auch um die Grundschule zu erhalten. Röhe muss nicht größer werden — wir nennen es ja auch „dat Dorf“ — aber eine Verjüngungskur täte Röhe gut.