Eschweiler: Kita-Streik: Dauerstreik würde die Falschen treffen

Eschweiler : Kita-Streik: Dauerstreik würde die Falschen treffen

„Ein soziales Herz allein genügt nicht“, „Wir sorgen für unser Wertvollstes“, „Wer eine Horde Jugendliche managt, bekommt ein Managergehalt!“, „Arbeitgeber, bewegt euch!“: Rund 140 Erzieher, Eltern und Kinder aus Eschweiler und den umliegenden Kommunen sind am Dienstag vom Talbahnhof durch die Stadt zum Rathaus gezogen, um ihren Forderungen nach mehr Anerkennung für den Erzieherberuf und mehr Lohn Nachdruck zu verleihen.

Neben Erziehern der BKJ-Kindergärten (Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung) waren außerdem Mitarbeiter der mobilen Jugendarbeit beim Zug durch die Stadt dabei.

Rund 140 Erzieherinnen, Eltern und Kinder aus Eschweiler und umliegenden Kommunen zogen gestern in das Eschweiler Rathaus, um für mehr Anerkennung und Lohn zu demonstrieren. Fotos (4): Valerie Barsig. Foto: Valerie Barsig

„Es ist wichtig, dass wir der Öffentlichkeit zeigen, wofür wir kämpfen. Das ist nicht nur ein höherer Lohn, sondern auch die Anerkennung für das, was wir tun“, sagt Claudia Müller, stellvertretende Personalratsvorsitzende der BKJ, als der Zug im Rathaus angekommen ist. Sie sei besonders dankbar, dass auch etwa 25 Eltern den Zug begleiten, so wie Stefanie Köhl aus Eschweiler. Sie findet die Forderungen der Erzieher berechtigt. „Sie müssen danach bezahlt werden, was sie leisten. Und die Verantwortung, die Erzieher übernehmen, ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen.“ Deshalb sei es für sie selbstverständlich, die Erzieher im Streik zu unterstützen. Claudia Müller ist es hingegen auch wichtig, nicht nur jetzt, sondern auch für die Zukunft ein Zeichen zu setzen. „Wenn sich jetzt nichts ändert, wird es schwer, in Zukunft noch Fachkräfte zu bekommen“, sagt sie.

Rund 140 Erzieherinnen, Eltern und Kinder aus Eschweiler und umliegenden Kommunen zogen gestern in das Eschweiler Rathaus, um für mehr Anerkennung und Lohn zu demonstrieren. Fotos (4): Valerie Barsig. Foto: Valerie Barsig

Dauerstreik ist keine Lösung

Das bekräftigt auch Vera Joußen, Vorsitzende der BKJ. Gute Erzieher seien angesichts von U3-Betreuung, Inklusion und der zunehmenden Zahl an Kindern aus Flüchtlingsfamilien bitter nötig. Diese immer größeren Anforderungen müssten honoriert werden. Begonnen haben man in den BKJ-Kindergärten mit der Sanierung der Gebäude, um bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Das sei aber laut Joußen erst der erste Schritt gewesen. Der zweite müsse nun eine bessere Bezahlung der Erzieher sein. „Dennoch: Dauerstreiks sind keine Lösung, denn es trifft die Falschen.“ Damit spielt Joußen auf das schlechte Gewissen an, das viele streikende Erzieher den Eltern gegenüber haben, die ihre Kinder in Notgruppen oder bei Verwandten unterbringen müssen. Das bestätigt auch Claudia Müller. „Mir tun die Eltern leid“, gibt sie zu. Dennoch sei der Streik wichtig, um für Unterstützung der Öffentlichkeit zu werben.

Der Streik der Erzieher sei berechtigt, sagt auch Bürgermeister Rudi Bertram, der sich im Rathaus den Erziehern stellt. „Wie wir die Forderungen nach mehr Lohn erfüllen können, weiß ich allerdings nicht“, gibt er zu. Und betont, er habe den Streik zur Kenntnis genommen. Man wolle in Zukunft nach Lösungen suchen. Bertram verspricht, die Forderungen in der Bürgermeisterkonferenz zu diskutieren. Ob das den Erziehern hilft, ist fraglich, denn den Kommunen fehlt schlicht das Geld — zumindest bisher. Immerhin in Sachen Rückerstattung der Kita-Gebühren kann die Stadt Eschweiler etwas tun: Am 17. Juni soll im Stadtrat zumindest über eine anteilige Rückzahlung des Geldes an die Eltern beraten werden.

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