Eschweiler-Nothberg/Weisweiler: Kindertagesstätten sind so flexibel wie der Alltag mit Kindern

Eschweiler-Nothberg/Weisweiler : Kindertagesstätten sind so flexibel wie der Alltag mit Kindern

Mit vier Jahren zum ersten Mal in den Kindergarten und um 12 Uhr mittags nach Hause: Das war einmal. In den vergangenen Jahren sind die Anforderungen, die Eltern, Land und Bund an die Betreuung von Kindern im Vorschulalter stellen, immens gestiegen.

Inzwischen können Eltern ihren Nachwuchs bereits im Alter von wenigen Monaten in die Ganztagsbetreuung geben, Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz besteht ab dem vollendeten ersten Lebensjahr.

Ein „Dankeschön“ für die Kinderbetreuung (v.l.): Olaf Tümmeler (Jugendamt), Sandra Mannheims und Sabrina Schumacher (Kita Immenhofkinder), Bürgermeister Rudi Bertram und Stefan Kaever (Stadt Eschweiler). Foto: Kristina Toussaint

Nun versuchen immer mehr Einrichtungen und Tagesmütter, auch die Randzeiten abzudecken oder sogar eine 24-Stunden-Betreuung anzubieten. Auch wer im Schichtdienst, am Wochenende oder schlicht und einfach länger als bis 17 Uhr arbeitet, soll nicht in die Bredouille geraten.

Beliebte Randzeiten

„Gute Kinderbetreuung hat in den letzten Jahren noch mehr an Bedeutung gewonnen“, sagt auch Bürgermeister Rudi Bertram. Mit dem bundesweiten Tag der Kinderbetreuung soll das gewürdigt werden: „Allen, die im System der Kinderbetreuung unterwegs sind, wollen wir so einen Dank aussprechen“, sagte Bertram, der am Montag die Kindertagesstätte (Kita) Immenhofkinder in Nothberg und die Tagespflegestelle Sternschnuppe in Weisweiler besuchte — als Vorbild in der Randzeitenbetreuung und stellvertretend für alle Betreuungsangebote in Eschweiler.

In der Kindertagespflegestelle Sternschnuppe betreut Ramona Frings fünf Kinder im Alter zwischen einem und zwei Jahren — in der Regel zwischen sieben und siebzehn Uhr. Je nach Bedarf der Eltern ist die Tür zu ihrem Wohnhaus in Weisweiler aber auch schon ab 5.30 Uhr geöffnet. Und wenn Eltern einmal länger arbeiten müssen, am Wochenende im Einsatz sind oder abends etwas vorhaben, deckt Frings‘ Sternschnuppen-Gruppe auch diese Zeiten ab. Zusätzlich kann sie drei Kinder in den Randzeiten aufnehmen, wenn deren Betreuung sich mit den Zeiten ihrer fünf Regelkinder ergänzt.

Im Souterrain hat die Tagespflegekraft eine ganze Etage nur für die Kinder eingerichtet: ein Ess- und Spielzimmer, einen „Mobilitätsbereich“ im Flur und eine Küche, in der sie für die Tageskinder kocht. Ihr sei wichtig, ein privates Flair zu erhalten. „Viele meiner Betreuungskinder sind Einzelkinder — hier können sie in einem geschwisterartigen Verhältnis aufwachsen“, sagt Frings. Die Gruppengröße sei sehr kindgerecht und ermögliche eine individuelle Betreuung.

Auch die Kita Immenhofkinder hat im vergangenen Jahr ihr Angebot erweitert: In der Nothberger Einrichtung können Kinder nun bereits ab 5.30 Uhr spielen, toben oder die Kitaeigenen Ponys füttern gehen. Bis 21 Uhr müssen die letzten Kinder abgeholt werden. Eingehalten werden muss dabei die gesetzlich zulässige Betreuungszeit von maximal 45 Stunden pro Woche.

Die Einrichtung, die 2013 auf Privatinitiative mit zwei Gruppen gestartet ist, bietet seit 2017 eine weitere Gruppe für Kinder im Alter unter drei Jahren an. Im Anbau des Gebäudes gibt es für die Gruppe neben einem Spiel- und Essraum auch einen Schlafsaal für den Mittagsschlaf. Übernachten können die Kinder hier jedoch noch nicht. Über-Nacht- und Wochenendbetreuung kann in Zukunft aber auch ein Thema werden: „Solchen Angeboten wollen wir uns nicht verschließen“, sagt Kita-Leiterin Sabrina Schumacher.

Bei den Eltern sei zur Zeit oft noch eine Hemmschwelle zu bemerken, wenn es darum geht, ihre Kinder auch außerhalb der Kernzeiten in der Kita zu lassen - geöffnet ist die Kita innerhalb der Angebotszeiten aber auch, wenn gerade nur ein Kind da ist. Aktuell seien besonders die frühen Zeiten gefragt.

„Grundsätzlich planen wir mit den monatlichen Dienstplänen der Eltern, wenn sich aber spontan etwas an den Arbeitszeiten ändert, ist auch das kein Problem“, sagt Schuhmacher. Abgedeckt werden die bis zu 77,5 Stunden, die die Kita geöffnet ist, aktuell von neun Vollzeitkräften. Hinzu kommen bald noch zwei Kinderpflegerinnen in Teilzeit. „Realisieren können wir das breite Angebot nur, weil unsere Mitarbeiterinnen bereit sind, flexibel zu arbeiten“, betont Schumacher. Wenn bei den Eltern etwas dringendes dazwischen kommt, können sie per Notfallhandy immer eine Mitarbeiterin der Einrichtung erreichen.

Mehr Familienzeit

Durch die Nutzung der erweiterten Betreuungszeiten würden viele Kinder nicht etwa weniger, sondern sogar mehr Zeit mit der Familie verbringen, betont Schumacher die Vorzüge: Eltern, die beispielsweise im Spätdienst arbeiten, können den Vormittag mit den Kindern verbringen und sie erst dann, wenn sie tatsächlich zur Arbeit gehen, in der Kita abliefern.

Zu Beginn des neuen Kindergartenjahres am 1. August werden in Eschweiler sieben weitere Kita-Gruppen geschaffen, fünf davon in einer neuen Einrichtung an der Wilhelmstraße, zwei im reaktivierten Kindergarten in Kinzweiler. Insgesamt werden 1932 Kinder eine der 33 Eschweiler Kitas besuchen. Träger sind neben der Stadt die Arbeiterwohlfahrt, die Kirchen, deren Wohlfahrtsverbände oder private Vereine. Abgdeckt werden so fast hundert Prozent des Bedarfs an Ü3-Plätzen. Bei den U3-Plätzen können aktuell — unter Einbeziehung der Tagespflege — 66 Prozent abgedeckt werden, erklärt Olaf Tümmeler vom Jugendamt Eschweiler. Problematisch sei nach wie vor, ausreichend Fachkräfte für die Kinderbetreuung zu finden.

Auch Ramona Frings versucht, den Eltern ihrer Tagespflegekinder möglichst viel Spielraum zu lassen. Dass sie so flexibel ist, bringt aber auch ihre eigene Wochenarbeitszeit ans Limit: „Auch mit nur 35 Stunden Betreuungszeit komme ich mit Vorbereitung, Saubermachen und Pflegeberichten auf rund 40 bis 45 Stunden Arbeitszeit pro Woche“, sagt sie.

Übernachten im Kindergarten steht auf der Kippe

In vielen Einrichtungen ist eine Pyjama-Party der aufregende Abschluss der Kindergartenzeit - mit den Freunden und ganz ohne Eltern. Der ist jetzt in Gefahr: Wenn Übernachtungen in der Baugenehmigung der Kita nicht vorgesehen sind, handelt es sich dabei um eine „genehmigungspflichtige Nutzungsänderung“. Das hat das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung im Februar auf eine Anfrage aus Wuppertal mitgeteilt.

Landtagsmitglied Stefan Kämmerling (SPD) hält das für realitätsfern. Der bürokratische Aufwand werde dazu führen, dass viele Übernachtungsaktionen wegfallen.

In einer Kleinen Anfrage fordert Kämmerling jetzt Klärung über die Kosten, mögliche Ausnahmen und den Vergleich zum Mittagsschlaf.

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