Eschweiler: Kein Licht am Ende des Hartz-IV-Tunnels

Eschweiler: Kein Licht am Ende des Hartz-IV-Tunnels

„Der Aufschwung”, sagt Heinz-Dieter Hahn, „geht an jenen, die seit längerem arbeitslos, nicht oder nur gering qualifiziert sind, vorbei.”

Seit vielen Jahren begegnet der Diplom-Sozialarbeiter in der Eschweiler Fachberatungsstelle von Caritas und WABe. e.V. an der Franzstraße Menschen, die in eine soziale Notlage geraten sind, aus der es ohne Hilfe von außen kaum ein Entrinnen gibt. Ihr Weg endet oft am selben Punkt: „Auch im Jahr 2010 war das alles beherrschende Thema Hartz IV”, sagt Hahn.

Wer qualifiziert ist, hat bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Dass man trotz guter Ausbildung dennoch nicht gegen den sozialen Abstieg gefeit ist, mag folgender Fall aus der Praxis belegen: Peter F., gelernter Elektriker, verlor seinen Arbeitsplatz und begann, heftig zu trinken. Er schottete sich mehr und mehr ab und verlor schließlich vollkommen den Überblick über seine Lebenssituation.

Irgendwann wandte er sich an eine Suchtberatung, die den 40-Jährigen an die Fachberatungsstelle der Caritas/WABe weitervermittelte: Er hatte seit längerem weder Strom noch Miete bezahlt, hatte Schulden angehäuft und stand vor dem Nichts. Die Beratungsstelle richtete für ihn ein so genanntes Verwaltungskonto ein, auf das das Arbeitslosengeld überwiesen wurde. Von diesem Konto gingen nun monatlich alle fälligen Zahlungen wie Miete, Stromabschlag und Raten ab.

Das restliche Geld, das ihm für den Lebensunterhalt blieb, erhielt Peter F. auf eigenen Wunsch in kleinen Teilbeträgen. Immer noch litt er unter Antriebsschwäche und versäumte unter anderem Termine beim Arbeitsamt, was dazu führte, dass ihm das Arbeitslosengeld gekürzt wurde.

Mittlerweile hat sich seine Situation verbessert. Mit finanzieller Unterstützung durch eine Stiftung konnte verhindert werden, dass ihm der Strom gesperrt wurde. Und um seine Mietschulden zu begleichen, erhielt Peter F. ein Darlehen, das er in Raten zurückzahlt. Die Beratungsstelle erreichte zudem in Verhandlungen mit den Gläubigern, dass ihm die Schulden gestundet wurden.

Heute besucht Peter F. regelmäßig eine Sucht-Selbsthilfegruppe und wartet auf einen Therapieplatz in einer Klinik. Mit Unterstützung der Beratungsstelle will er seine finanziellen Angelegenheiten dauerhaft in den Griff bekommen und beruflich wieder Tritt fassen.

Typische Probleme

So wie Peter F. nahmen im vergangenen Jahr 68 Frauen und Männer die Hilfe der Beratungsstelle im Haus Franzstraße 19 wahr. Typische Probleme, mit denen die Betroffenen zu Heinz-Dieter Hahn kommen, sind Arbeitslosigkeit (36 Fälle) und Schulden (35).

50 Prozent derer, die die Beratungsstelle im vergangenen Jahr aufsuchten, hatten keine Ausbildung, vielfach sogar noch nicht einmal den Hauptschulabschuss. „Diese Zahlen verdeutlichen erneut, dass ein Großteil unserer Klientel keinen oder nur einen äußerst schwierigen Zugang zu Stellen auf dem 1. Arbeitsmarkt hat”, sagt der Sozialarbeiter.

Wer Hartz IV erhält, hat kaum Aussichten auf dauerhafte Besserung, Hahn: „Im Jahr 2010 konnte keine Person in versicherungspflichtige Arbeit vermittelt werden.” Erfolge kann die Stelle, die psychosoziale Beratung und persönliche Hilfe anbietet und an die sich Menschen mit vielfältigsten Problemen wenden können, dennoch vorweisen. So gelang es etwa, fünf Betroffenen eine Wohnung zu vermitteln, in sieben Fällen konnte der Wohnraum, in mehreren anderen Strom und Heizung gesichert werden.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Konsolidierung der Finanzen: Mit finanzieller Sicherung in 15 und einer Schuldnerberatung in 35 Fällen sei eine weitere Stabilisierung der betroffenen Haushalte erreicht worden, sagt Hahn. Bei 20 Ratsuchenden habe man zudem eine Regulierung der Schulden einleiten können; auch half die Beratungsstelle in elf Fällen mit einer Geldverwaltung, wie sie auch Peter F. in Anspruch genommen hat.

Sprechzeiten und Ansprechpartner

Die Eschweiler Caritas/WABe-Fachberatungsstelle befindet sich im Haus Franzstraße 19 und ist unter 02403/800414 erreichbar. Sprechzeiten werden dienstags von 9 bis 12 Uhr und donnerstags von 14 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung angeboten, Ansprechpartner ist Heinz-Dieter Hahn. Über ihre Angebote informiert die Stelle im Internet unter: www.wabe-aachen.de.