Kammerphilharmonie Köln begeistert in Eschweiler Kirche

Kammerphilharmonie Köln in der Dreieinigkeitskirche : Eine ruhige Melodie des „Teufelsgeigers“

Diese Verabredung steht. Seit Jahren. In der Weihnachtszeit gastiert die Kammerphilharmonie Köln in der Indestadt. Und zahlreiche Liebhaber klassischer Musik strömen in die Dreieinigkeitskirche, um im wunderbaren Ambiente des Gotteshauses ein Konzert der Sonderklasse zu genießen.

So auch am Freitagabend, als sieben brillante  Musiker das Ensemble aus der Domstadt am Rhein unter dem Titel „Klassik überall...“ hervorragend repräsentierten, dabei eine außerordentliche Bandbreite von Werken zu Gehör brachten und den Facettenreichtum der Musikgenres unter Beweis stellten, die unter dem Begriff „Klassik“ zusammengefasst werden.

Violinist Anton Georg Gölle verzückte die Zuhörer mit der meisterhaften Interpretation von Werken Vivaldis und Paganinis. Dimitre Marinkev brannte ein wahres Feuerwerk an der Piccoloflöte ab, während Sopranistin Sabine Könner sich unter anderem vollkommen in die Rolle der Dido vertiefte und die Konzertgäste mit der Arie „Dido´s Lament“ aus Henry Purcells Oper „Dido und Aeneas“ tief bewegte. Unterstützt wurden die drei Solisten des Abends von Franziska Blasel (Cello), Hayley Bullock (Violine), Alexander Dressler (Viola) und Giorgi Kulivizde (Kontrabass).

Gleich zum Auftakt beschenkte Anton Georg Gölle, der Schüler von Professor Géza Kapás an der Franz-Liszt-Musikakademie Budapest ist, das Publikum temperamentvoll mit dem Meeressturm „La tempesta die mare“ aus Antonio Vivaldis Konzert g-moll für Violine, Streicher und basso continuo. Ebenfalls auf den Spuren des in Venedig geborenen Barockkomponisten wandelte Dimitre Marinkev, als er mit seiner Piccoloflöte das Allegro, Largo und Allegro molto aus dem Konzert C-Dur hervorzauberte, dabei zwischen atemberaubendem Tempo und ruhigen, harmonischen Sequenzen variierte und den Zuhörern in der vollbesetzten Dreieinigkeitskirche ein Klangerlebnis der außergewöhnlichen Art bescherte.

Einen großartigen Kontrapunkt setzte Sängerin Sabine Könner mit der Arie „Lascia ch´io pianga“ aus der Oper „Rinaldo“ von Georg Friedrich Händel, die 1710 in London komponiert wurde und den Auftakt der zahlreichen in der britischen Hauptstadt entstandenen Werke des Musikgenies darstellt.

Auch während des zweiten Konzertteils ließen die Musiker der Kammerphilharmonie Köln keine Zweifel aufkommen, dass sich das Ensemble in keine spezifische Schublade einteilen lässt. Anton Georg Gölle interpretierte mit „Andante cantabile“ ein Werk des sogenannten „Teufelsgeigers“ Niccolò Paganini, das sich einer eher ruhigen Melodie bedient. Dem von Sabine Könner herzergreifend vorgetragenen tieftraurigen Lamento Didos, die von Aeneas verlassen wurde und nun dem Selbstmord ins Auge blickt, ließ das gesamte Ensemble mit „Claire de lune“ die von Claude Debussy komponierte Vertonung des Mondscheins aus der „Suite bergamasque“ folgen. Die Schlussphase prägte dann Querflötist Dimitre Marinkev, der sich der „Suite a-moll für Flöte, Streicher und basso continuo“ von Georg Philipp Telemann widmete.

Langanhaltender Applaus forderte die Musiker geradezu auf, die spätweihnachtliche Bescherung in Form von Zugaben zu erweitern. Dies geschah mitreißend: Dimitre Marinkev zeigte sich der (Jahres-)Zeit voraus, flötete Vivaldis Frühling herbei und erntete ein begeistertes „Bravo“ aus dem Publikum, Anton Georg Gölle ließ kurzerhand den „Csárdás“ von Vittorio Monti fulminant erklingen und Sabine Könner krönte den Abend mit dem wundervollen Lied „Es ist ein Ros entsprungen“. Dann fiel (bildlich) der Vorhang. Bis in die Weihnachtszeit 2019. Diese Verabredung steht.

(ran)