Eschweiler: Kabarettistin Maria Vollmer begeistert mit ihrem ersten Soloprogramm

Eschweiler: Kabarettistin Maria Vollmer begeistert mit ihrem ersten Soloprogramm

Als „Frau Antje” betritt Maria Vollmer die Bühne des Talbahnhofs und klärt zunächst auf: „95 Prozent der deutschen Fernsehsendungen sind Käse aus Holland. Der Rest kommt aus den Niederlanden.”

Und da sie nach 50 Jahren das Leben als Käse-Werbeikone leid ist, habe sie beruflich umgesattelt und sei nun bei der TV-Produktionsfirma „Du kannst mich Mol” für das Casting zuständig. So kann sie stolz ihre erste Entdeckung präsentieren: Marianne aus Köln-Nippes. Seit fünf Jahren lebt Marianne mit ihrem Mann und den zwei Kindern in einem Reihenhaus. „Hätte mir das jemand vor zwanzig Jahren prophezeit, hätte ich doch angefangen, Schlaftabletten zu sammeln”, hadert sie.

Bestechende Mimik

Früher seien Reihenhausbewohner für sie Menschen gewesen, die ihre Mülltonnen von innen säubern. Heute ertappe Marianne sich selbst dabei, wie sie die Rasenkante ihres Vorgartens mit dem Epiliergerät schneidet. Schon ist Miaria Vollmer alias Marianne mitten im Thema ihres ersten Solobühnenprogramms „Sex & Drugs im Reihenhaus”, und das Publikum dankt es ihr lachend. Bekannt durch das Kabarettduo „First Ladies”, gelingt es Vollmer gekonnt, die Gäste im Talbahnhof heiter zu unterhalten. Sie besticht durch Gestik und Mimik, würzt das Programm mit Gesangseinlagen und atemberaubenden Tanzeinlagen, wobei das Lachen die Atmung erschwert.

Aus Mike Krügers „Mein Gott, Walter” wird bei Vollmer „Mein Gott, Reiner”, ein Lied das ihrem Mann gewidmet ist, der neuerdings den Sport für sich entdeckt hat. „Im Haushalt zählt er übrigens zur Pflegestufe 3”, beschreibt sie ihn. Zur Melodie von „Pokerface” (Lady Gaga) singt sie ein Stück über „die gute Mutti, die nur öko-biologisch korrekt einkauft” und leitet damit zu einem ernsten Thema über. Was sie wirklich vermisse, seien die „Schlecker”-Drogeriemärkte, die ihr immer Oasen der Ruhe im täglichen Einkaufstrubel waren: „Wenn woanders die Schlange bis auf die Straße reichte - da war nie was los. Manchmal habe ich meine Yogamatte dorthin mitgenommen.”

Köstlich berichtet Vollmer davon, wie sie im Zuge der Reihenhausfinanzierung zum Sparfuchs geworden sei - mit Tollwut: „Wir haben sogar die Klobrille bei Fielmann gekauft, um nichts dazuzahlen zu müssen.” Hart ins Gericht geht sie mit Heidi Klum, die unmittelbar nach der Schwangerschaft wieder eine Topfigur hatte, und damit die Frauenbewegung weiter zurückgeworfen hätte als die Taliban. „Ihr wird zu Mittag der Klang einer in die Schüssel fallenden Kartoffel serviert, und sie trinkt 17 Liter Wasser täglich. Die ist ja schon deshalb so dünn, weil sie ständig aufs Klo rennen muss”, analysierte Vollmer messerscharf.

Besonders gut kommt beim Eschweiler Publikum auch der alte „Dschinghis-Khan”-Song „Moskau” an, den Vollmer grandios zu dem Titel „Hausfrau” umtextete. Authentisch verleiht sie Mariannes Dasein zwischen Töpfen, Teelichtern und Tratsch, Pfannen, Prosecco und Eierlikör schwungvollen Klang und singt universelle Lebensweisheiten wie: „Ist das Essen angebrannt, kommt der Pizzalieferant.”

Nach der bereits ausverkauften Vorstellung von Jochen Malmsheimer wird die Kabarettreihe im Talbahnhof am Samstag, 22. September, fortgesetzt, wenn um 20 Uhr das Programm „Liebling, wir müssen reden” mit Sylvia Brécko beginnt. Termine online: http://www.talbahnhof-eschweiler.de.