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Seit 28 Jahren gemeinsam auf der Bühne: Kabarettisten Rainer Pause und Norbert Alich überzeugen mit neuem Programm

Seit 28 Jahren gemeinsam auf der Bühne : Kabarettisten Rainer Pause und Norbert Alich überzeugen mit neuem Programm

Die beiden Bonner Kabarettisten Rainer Pause und Norbert Alich stehen seit 28 Jahren gemeinsam als Duo auf der Bühne. Ihre beiden Charaktere „Fritz Litzmann“ und „Hermann Schwaderlappen“ haben sie bereits in den 80er Jahren erfunden. Grund genug, mal etwas Neues zu probieren.

Und so betreten die Kabarettisten die Bühne des Eschweiler Talbahnhofs zu dem Lied „The Final Countdown“. Sie rollen das Programm also von hinten auf. Ihre ersten Worte: „Das Land steckt in der Krise“. Für Pause und Alich bedeutet das: genug Stoff für ihr inzwischen zwölftes Programm „Alles neu“.

Und doch stellt sich schnell heraus, dass sich gar nicht so viel geändert hat. Die neue Regierung ist quasi die alte. Weder die Kanzlerin noch die Flüchtlingsproblematik und Rassismus sind neu. Die geplante Mauer zwischen den USA und Mexiko ist auch nur ein Abklatsch der Berliner Mauer, zählen die Kabarettisten auf, während sie sich auf der Bühne in einen Wutanfall nach dem nächsten steigern — so, wie das Publikum sie kennt und schätzt. Und Grund für Aufreger gibt es für die beiden wahrlich genug. Donald Trump, die Hitzewelle und die katholische Kirche sind nur einige der Themen, die die beiden Gemüter zum kochen bringen.

In altbekannter Manier wechseln Pause und Alich in ihrer kurzweiligen Bühnenshow zwischen Gesang und hitzigen Dialogen hin und her, untermalt von der Musik von Stephan Ohm am Klavier. Das Publikum freut sich jedoch am meisten über die manchmal ausufernden Sticheleien zwischen den Protagonisten, die sich gegenseitig vorwerfen „nur Quatsch zu erzählen“.

Und das tun sie wirklich zur Genüge. Ausgehend von tatsächlichen gesellschaftlichen und politischen Geschehnissen, wie der Krise der SPD oder den Vorkommnissen in Chemnitz, führen die Kabarettisten die Themen durch Übertreibung und Fantasie auf äußerst unterhaltsame Weise ad absurdum.

Dem Publikum gefallen die Gedankenspiele, beispielsweise Norbert Alichs vergeblicher Versuch, den ökologischen Fußabdruck von Jesus Christus festzustellen. Einig sind sich Fritz und Herrmann dabei, dass die katholische Kirche einen riesigen Abdruck in der Geschichte hinterlassen hat. „Für die Schiffe der Kreuzritter und die Scheiterhaufen wurde ganz Spanien abgeholzt“, sagt Fritz. „Und dann die riesigen Klöster, in denen nur ein paar Mönche rumlungern und diese riesigen Glocken, was dafür alles an Rohstoffen abgebaut werden musste. Damit hat die Kirche die Lärmverschmutzung zudem überhaupt erst erfunden.“

Auch der Kölner Dom sei alles andere als nachhaltig. „Wir regen uns auf, weil der Bau des Berliner Flughafens 30 bis 50 Jahre dauert, aber der Dom hat 800 Jahre gebraucht. Und dann holt man gefälschte Reliquien extra aus Mailand. Wie wär‘s denn mal mit regionalen Produkten? Nehmen wir doch einfach die Gebeine vom Heiligen Tünnes und Heiligen Schäl.“

Die äußere Erscheinung der Protagonisten — mit Frack, Weste, Krawatte und Rose im Knopfloch — erweckt einen seriösen Eindruck. Doch Pause und Alich lassen keine Gelegenheit aus, um im feinsten Outfit mit gröbsten Flüchen über gesellschaftliche Tabus zu sprechen. Sie halten nichts von „Worten, die man nicht sagen darf“. Ihre Witze sind makaber, ihre Übertreibungen provozieren.

„Hätte man die Brücke in Genua einfach mal bombardiert, wäre die jetzt nicht eingestürzt. Gleiches sollte man auch mit der Kennedy-Brücke in Bonn tun“, schlägt Rainer Pause alias Fritz Litzmann vor. Wäre da nicht das große Problem der Bundeswehr: „Die Panzer können nicht fahren, die U-Boote verrosten irgendwo und die Gewehre schießen um die Ecke.“ Trotzdem sprechen sich beide für die Wiedereinführung der Wehrpflicht aus, denn: „Dann haben junge Leute wieder die Chance, den Dienst zu verweigern und können uns dann später pflegen.“

Doch bis dahin könnte es wohl noch eine Weile dauern. Denn Alich (63) und Pause (71) beweisen auf der Bühne, dass sie voller Energie sind. Ihre gesanglichen Einlagen mit umgedichteten Evergreens sind nicht nur humorvoll, sondern auch von hoher gesanglicher Qualität. Dazu führen die Kabarettisten auf der Bühne noch die ein oder andere Tanzeinlage auf.

Trotz der Übertreibungen und unterhaltsamen Wortgefechte gelingt es den Kabarettisten einige wichtige Botschaften durchschimmern zu lassen und dem Publikum einige Denkansätze mit auf den Weg zu geben. Dafür nutzen Pause und Alich auch historische Beispiele. „Damals sind die Europäer in die USA ausgewandert. Streng genommen, waren das alles Wirtschaftsflüchtlinge. Wir würden also von uns heute gar nicht mehr aufgenommen“, sagt Fritz. „Aber zum Glück hatten die Amerikaner damals noch kein Frontex und der Maschendrahtzaun war noch nicht erfunden.“

Alich sorgt sich auch um das Fortbestehen der Demokratie in Deutschland. Natürlich sei das eine schwierige Staatsform. „Da wird so viel diskutiert, alles dauert immer so lange. Und am Ende kommt immer nur ein Kompromiss dabei raus und Kompromisse sind immer blöd. Aber es ist das, was wir aushalten müssen“, sagt er und wirkt dabei erstmals vollkommen ernst.

Doch das hält nicht lange an, denn zum Schluss führen Fritz und Hermann noch ein Medley zum 50. Jubiläum der 68er-Bewegung auf. Der ein oder andere Zuhörer bekannte sich dazu, damals auch Teil der Bewegung gewesen zu sein und klatschte bei „Ein bisschen Gras muss sein“ eifrig mit.

Pause und Alich bewiesen in ihrem zweieinhalbstündigen Programm, dass sie über die Jahre nichts von ihrem Humor und ihrem Gespür für die wichtigen gesellschaftlichen Themen unserer Zeit eingebüßt haben. In „Alles neu“ geben sie sich so wie ihre Fans sie lieben: bissig, pointiert, albern und gleichzeitig scharfsinnig.