Kabarettist Gregor Pallast: Statt heiterer Pointen etwas zum Denken

Kabarettist Gregor Pallast : Statt heiterer Pointen etwas zum Denken

Das alltägliche Leben in allen Bereichen, gesellschaftlich, politisch. sozial, wissenschaftlich und vor allem schulisch steht im Mittelpunkt der kabarettistischen Auseinandersetzung des Bonners Gregor Pallast, sein Programm bringt seine Kritik auf den politischen Punkt: „Verwählt“.

Mit Gregor Pallast und seinem Programm „Verwählt“ trat im Talbahnhof einer der selten gewordenen politischen Kabarettisten der Kulturszene im Rheinland auf. Das lässt sich vor allem daran erkennen, dass ihm heitere Pointen schier Schnuppe sind und die Zuhörerinnen und Zuhörer eher entsetzt bis tief nachdenklich seine Pointen verdauen lässt.

Bei seiner 90-minütigen messerscharfen Analyse verschiedener Phänomene unserer Gesellschaft kommt praktisch kein Bereich ungeschoren davon. Zu Beginn seziert er die Kompetenz und und mediale Präsenz bis in kleinste Detail. Er bringt es auf einen für ihn und seine künstlerische Arbeit bedrohlichen Punkt: „Mehr und mehr machen die Politiker heute meinen Job: Realsatire ist das tägliche Brot der politisch Handelnden in Bund, Ländern und Kommunen.“

Hauptberuflich ist Pallast Lehrer, was ihn hervorragend qualifiziert, Bildung und Erziehung in ihren Inhalten ad absurdum zu führen. „Da werden 15.000 fehlende Lehrer mit einer Postkartenkampagne gesucht. Mein Lieblingsspruch dieser Kampagne: ‚Job mit Pulsstatus – gönn dir!’ Toll!“

Ob Hambacher Wald, Energiezukunft, Friedrich Merz, Andrea Nahles oder seine „Lieblingskanzlerin“ – überall findet Pallast nicht nur einzelne Haare in der Suppe, immer wieder gar ganze abgelegte Perücken.

Am Herzen liegen ihm auch die Berater für alles und jedes: „Politiker sind die einzigen, die dafür bezahlt werden, wenn sie beraten werden.“ Politik ist prädestiniert für Menschen mit Dyskalkulie. Diese Behauptung macht er an einer ganzen Reihe von politischen Rechenfehlern deutlich.

Mit einem Zitat von Peter Lustig, dem früheren Macher der ZDF-Sendung Löwenzahn setzt Pallast der gesellschaftlichen Misere das i-Tüpfelchen auf: „Das größte Übel der Menschheit ist die Unwissenheit.“ Im hohen Maße macht er dafür Medien und Schule mitverantwortlich.Trotzdem sein Rat zum Schluss: „Auch wenn ihr euch immer wieder verwählt, geht wählen!“

(mu)
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