Eschweiler: Kabarettist Dave Davis: Der Bayer ist Deutschlands Afrikaner

Eschweiler: Kabarettist Dave Davis: Der Bayer ist Deutschlands Afrikaner

Dave Davis ist vor allem als Motombo Umbokko bekannt geworden. Der Kabarettist/Comedian mit ugandischen Wurzeln kommt bald nach Eschweiler und präsentiert am Sonntag, 7. September, 20 Uhr, im Talbahnhof sein neues Programm „Afrodisiaka“. Im Interview verrät er, wie er auf seine Kunstfigur gekommen ist, dass er Sprache liebt und gerne mit seinem Publikum spielt.

Waren Sie schon mal in Eschweiler?

Davis: Ich glaube schon. In Aachen war ich auf jeden Fall. Ich weiß auf jeden Fall, dass Eschweiler eine Karnevalshochburg ist.

Mögen Sie Karneval?

Davis: Ich war schon immer als „Jung mit de Bläck Föös“ unterwegs, und in Bonn bin ich bei den Goldenen Löwen zum Ehrenmitglied ernannt worden. Ich ziehe Karneval nicht komplett ab November durch, aber den Zug sehe ich mir an. Wenn Kamellche fliegen, dann habe ich Spaß. Ich habe auch schon Kamelle geworfen. Das ist toll. Wann sieht man schon mal drei Stunden am Stück fröhliche Gesichter?

Sie haben eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann absolviert und stehen jetzt auf der Bühne. Das passt auf den ersten Blick nicht so ganz zusammen.

Davis: Das passt gar nicht. Ich binda typisch deutsch und wollte erstmal etwas Solides machen. Im Grunde wusste ich aber bereits nach einer Woche, dass es nichts für mich ist. Ich war schon immer kreativ, habe mir beispielsweise das Klavierspielen selbst beigebracht. Ich wollte nicht als Konjunktiv-Existenz enden. Wer immer nur denkt „endlich Wochenende“ hat aus meiner Sicht etwas falsch gemacht. Ich habe alles auf eine Karte gesetzt und ins Schwarze getroffen.

Was haben Ihre Eltern zu dem Berufswechsel gesagt?

Davis: Sie haben mich immer gefördert. Ich war sprunghaft, und sie haben wir den Rücken freigehalten. Das hat sich ausgezahlt, es läuft super.

Sind Sie eigentlich Fußballfan?

Davis: Es geht so. Ich war in meiner Jugend tatsächlich in einem Verein angemeldet und habe sogar ein Spiel bestritten. Alelrdings gefiel mir der Ton auf dem Dorf nicht so sehr. Das war doch recht bauernhaft. Aber ich war schon eine Weile als schwarze Perle der Region unterwegs. Bei einer EM und WM schaue ich auch rein, auch bei der Champions League. ansonsten nicht, das nimmt zu viel Zeit in Anspruch.

Sie sind in Köln geboren und in Bonn aufgewachsen. Den Rheinländer hört man Ihnen an. Auf der Bühne wechseln Sie mühelos etwa in den Afro-Slang. Ist das Talent oder steckt viel Arbeit dahinter?

Davis: Das ist meine Verwirrungstaktik (lacht). Ich liebe Sprache, und das Talent dafür war schon da. Ich differenziere auch gerne zwischen den einzelnen Sprachen. In Deutschland ist es doch so: Sieht man einen bärtigen Mann auf der Straße, ist das für viele ein Türke. Es könnte aber auch etwa ein Perser sein, und der hat einen ganz anderen Akzent als der Türke. Der Bayer ist übrigens sprachlich der Afrikaner in Deutschland.

Sie sind mit der Bühnenfigur Motombo Umbokko bekannt geworden. Wie sind Sie auf ihn gekommen?

Davis: Ich wollte einen Underdog darstellen, jemanden, der auf der Karriereleiter eher unten steht. Die Zuschauer bekommen einen ganz anderen Zugang, als zu jemandem, der in Anzug und Krawatte auf der Bühne steht.

Haben Sie Vorbilder?

Davis: Eigentlich nicht, aber ich lasse mich gerne inspirieren. Ich finde es toll, wenn ein Mensch sich etwas vornimmt und es dann auch durchzieht, wie Nelson Mandela zum Beispiel. Bei den Comedians schaue ich eher in die USA. Dave Chappelle finde ich toll. Er geht auf sehr leichte Weise mit dem Thema Rassismus um. Das ist in Deutschland so oft nicht möglich.

Sie gehen aber doch auch locker mit dem Thema um...

Davis: Das wird auch oft zu hoch gehängt und mir ist vieles zu übertrieben. Es kommt bestimmt noch so weit, dass eine Firma, die etwas mit Fotografie zu tun hat, verklagt wird, weil sie vom Weißabgleich schreibt. Ich denke, wir haben eigentlich andere Probleme. Derzeit werden zum Beispiel Moslems verteufelt, dabei ist der Nazi der Feind.

Wie ist es für Sie, auf der Straße erkannt zu werden?

Davis: Ich sehe das locker, es sind schließlich die Geister, die ich rief. Mein Status ist gerade ganz gut. Es ist ja nicht so, dass ich nirgendwo hin kann, ohne erkannt zu werden. Bülent Ceylan zum Beispiel kann in Mannheim nicht mehr ohne Bodyguard aus dem Haus gehen. Ich bin auch mal mit ihm in Köln unterwegs gewesen. Das war schon interessant...

Wie sprechen Fans Sie an? Als Dave oder Motombo?

Davis: Das ist sehr unterschiedlich. Mal Dave, mal Motombo. Oder auch mal als „der Komiker“. Das ist aber immer ganz nett. Wir machen dann ein Foto und es ist gut.

Auf was können sich die Eschweiler freuen?

Davis: Auf mich natürlich (lacht). Es ist eine Vorpremiere. Also sehen die Zuschauer auch einiges, was so vielleicht nicht im Programm drin bleibt. Ich spiele gerne mit dem Publikum und mache vieles spontan. Ich kann jedenfalls jetzt schon versprechen, dass alle ein bisschen dunkler herausgehen. Und es sollen bloß alle kommen, sonst mache ich Voodoo.

Mehr von Aachener Nachrichten