Jupp Hammerschmidt gastiert im Talbahnhof

Comedy im Talbahnhof : „Maggi, Himbeersaft und Pudding“

Da war er wieder, der „baschtisch wracke wönk“, jener Wind, der hart über die Höhen der Eifel bläst. Er weht aber auch durch die Auftritte des Kabarettisten Jupp Hammerschmidt. Der packte noch mehr Humor dazu und gastierte mit seinem Programm „Das Klümpchensglas“ im Kulturzentrum Talbahnhof.

Hammerschmidt, der in Höfen geboren wurde, heute in Aachen lebt und eigentlich Wendelin Rader heißt, nimmt nämlich in seinem Programm mit dem Untertitel „Verzicht und Genuss in der Eifel“ ganz ausschließlich und genau Mentalität und Typen in dem Landstrich rund um Monschau aufs Korn – jene Gegend die Hammerschmidt/Rader von Geburt an kennt. Die „Triftstraßen-Sprache“, den von Mythen und Legenden umwobenen Dialekt seines Heimatdorfes Höfen, parodiert der gelernte Buchhändler ebenso treffsicher wie er den Eifler mit einem Rodonkuchen vergleicht: „Schlicht in der Form, aber innen mit viel Power“.

Kulturelle Verbindungen seiner Stammesgenossen mit weitab lebenden Völkern sind für den Gast nicht schwer zu finden: „In der Eifel steckt auch viel Russisches.“ Die Eifel nennt er schlicht (warum wohl?) „Kargistan“. Vor allem steckt das Programm randvoll mit Erinnerungen an die Kindheit – vom Kirchgang als Pflicht über die Einkaufsgänge quer durchs Dorf („Das Höchste der Gefühle war geräucherte Kalbsleberwurst“) bis hin zum üblen Geschmack aus Kindertagen, einem kruden Mix „aus Maggi, Himbeersaft und Pudding“, den der Mann auf der Bühne heute noch zu spüren meint. Selbst boshafte Randbemerkungen fehlten nicht. Das Gerät, auf dessen Bildschirm nicht Teens und Twens heute wie hypnotisiert starren, nannte der Kabarettist statt Smartphones einfach und entlarvend „Schmachtphones“.

So zeigte sich Hammerschmidt als klarer Beobachter des menschlichen Tuns. Wie genau er seine Pointen setzt und dabei mit wenigen Mitteln klarkommt, zeigt seine Geschichte von der armen Tante Lieschen, die sich mit Eierlikör besoffen hat. Auch am Vergleich zwischen dem Eifler und einem Rodon (der Kabarettist dreht währenddessen eine Backform aus flexiblem, hitzebeständigem Kunststoff in den Händen) gelingt ihm komödiantisch prall und schauspielerisch exakt – der Vortrag über das titelgebende Klümpchensglas.

Vor allem aber weckt der Gast, notfalls durch den Einsatz von Musik aus dem i-Pod, Sympathie für die nicht gerade wenigen Verschrobenheiten seiner Miteifler – fürwahr einen guter Beitrag zur Rettung des innerrheinischen Friedens.

(chh)