Die fleißigen Bienchen auf dem Rathaus: Junges „Völkchen“ wächst im gläsernen Schaukasten auf

Die fleißigen Bienchen auf dem Rathaus : Junges „Völkchen“ wächst im gläsernen Schaukasten auf

Wolfgang Zylus ist eher der praktische Typ. Gerade, wenn es um die Bienen geht. Die Imkerei, die müsse man selbst ausprobieren, das Bienenvolk langsam wachsen sehen. „Das ist was ganz anderes, als nur eine Stunde mal dabei zu sein“, sagt Zylus.

Er ist Imker und er kümmert sich um die Bienenvölker, die seit ungefähr zwei Jahren auf dem Rathausdach wohnen. Vier Stück sind es derzeit, macht ungefähr 50.000 Bienen. Neu dabei: Ein gläserner Bienenschaukasten, in dem noch einmal zwischen 2000 und 3000 Gelb-Schwarze leben.

Und an dieser Stelle kommen die Schüler ins Spiel, denen Wolfgang Zylus gern etwas Praxis vermitteln will. Und auch überhaupt allen, die sich dafür interessieren. Der Bienenschaukasten ist nämlich für jeden frei zugänglich, jeden Tag von 10 bis 14 Uhr. Bei der Eröffnung sind die Schüler der Waldschule dabei – sie haben auf dem Rathausdach ein paar Blumen gepflanzt, die Holzkästen gestrichen und einige Info-Plakate zu den Bienen entworfen. Die Gesamtschüler haben Bienenkunde sogar als Unterrichtsfach bei sich verankert.

Im vergangenen Jahr hat Zylus das erste Mal rund 80 Kilogramm Honig auf dem Rathausdach geerntet, Eschweiler Stadthonig quasi, und davon haben die Schüler ein Drittel als Spende bekommen. Immer donnerstags um 16 Uhr will er  das junge Volk im Schaukasten, das dort jetzt aufwächst, organisieren. Die Eschweiler Stadtverwaltung ist in das Projekt involviert. Die Initiatoren wollen damit das Verständnis für die Natur und deren Abläufe stärken und zeigen, für wie wichtig sie den Bienenschutz halten, denn: Viele Hunderte Wildbienenarten sind vom Aussterben bedroht.

So sieht der neue, gläserne Schaukasten aus. Foto: Marie Eckert

Schon im nächsten Monat soll wieder Honig geerntet werden. Wie üblich bekommen die Stadtbienen als Gegenleistung für ihre Arbeit Zucker. Auch diesmal soll wieder ein Anteil des Honigs gespendet werden. Seit Anfang des Monats lebt das Nachwuchs-Bienenvolk um Schaukasten – wenn es ausgewachsen ist, ungefähr im Oktober, sagt Zylus, soll das nächste einziehen.

Und die Planung geht sogar noch weiter, sagt Zylus: In Zukunft soll eine Webcam die Arbeit der Bienen in Echtzeit übertragen, die Bienenköniginnen sollen Namen bekommen, damit die Zuschauer alle Völker zuordnen können. Der Imker möchte vor allem zeigen, dass jeder Bienen züchten kann, dass das Hobby nicht allein den ländlichen Gebieten vorbehalten sein muss. „Eschweiler ist grün“, sagt er.

Mit im Projekt involviert sind die Schüler der Waldschule und die Stadtverwaltung. Foto: Marie Eckert

Ein paar der Schüler sind noch ein bisschen scheu – schließlich haben Bienen bekanntlich einen Stachel, den sie, auch wenn Bienen nicht aggressiv sind, bei Gefahr durchaus einzusetzen wissen. Die Sorge ist aber unberechtigt: Die Tierchen sind viel zu sehr mit ihrer Arbeit beschäftigt und nur mäßig bis gar nicht am menschlichen Besuch interessiert. Vielleicht merken sie ja aber auch schlicht das Wohlwollen, das alle Beteiligten auf dem Dach ihnen entgegenbringen.

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