Eschweiler-Weisweiler: Jumping Festival: In Weisweiler winken Punkte für den Weltcup

Eschweiler-Weisweiler : Jumping Festival: In Weisweiler winken Punkte für den Weltcup

Das Reitgelände am Weisweiler Stadion gleicht derzeit einem Taubenschlag. Zahlreiche Helfer und Arbeiter treffen die letzten Vorbereitungen für das Eschweiler Jumping Festival, das ab dem 17. April auch Weltklasse-Reiter lockt.

Viele Profis nutzen die guten Voraussetzungen und die familiäre Atmosphäre zum Auftakt der Freisaison. Zu den Startern gehören diesmal der ehemalige Weltcup-Sieger Daniel Deußer und Luciana Diniz, aber auch Reiter aus Japan, dem Libanon und Bermuda. Beim Drei-Sterne-Masters kann man schließlich nicht nur ein ordentliches Preisgeld, sondern auch Punkte für den Weltcup ergattern und sich so für die Weltreiterspiele in Tyron in diesem Jahr und die Europameisterschaften 2019 in Rotterdam qualifizieren.

Hier werden an den zwei Turnierwochenenden über 400 Pferde untergebracht: Andrea McCartney vor den gigantischen Zelten. Foto: Patrick Nowicki

Verantwortlich fürs Turnier zeichnet Andrea McCartney. Die 28-Jährige ist zwar selbst eine passionierte Reiterin, kümmert sich allerdings inzwischen vorrangig um die Organisation im und am Reitstall der Familie Stormanns an der Stadionstraße, bildet Turnierpferde aus und trainiert junge Reiter. Mit Beginn eines Jahres nehmen die Anrufe bei ihr deutlich zu, denn dann geht die Vorbereitung des Jumping Festivals in die entscheidende Phase. Im Jahr 2010 veranstaltete die Familie Stormanns erstmals die „Eschweiler Pferdetage“.

Inzwischen gehören zur Familie Springreiter und Trainer Tim Stormanns sowie die ehemalige Weltklasse-Springreiterin Helena Stormanns, Tochter Andrea McCartney und deren Ehemann und Springreiter Felix McCartney. Das einst zweitägige Turnier ist ebenfalls gewachsen und umfasst als Jumping Festival zwei Wochen. Seit drei Jahren kann man auch Weltcup-Punkte gewinnen. Das Engagement trägt Früchte: „Eschweiler ist vielen Reitsportfreunden ein Begriff“, sagt Andrea McCartney.

Alleine 80 Teilnehmer zählt wohl der Höhepunkt der beiden Turnierwochenende, das Drei-Sterne-Springen am Sonntagnachmittag, 29. April, mit einem Preisgeld in Höhe von 55.000 Euro. Andrea McCartney rechnet mit über 400 Pferden pro Wochenende, die es unterzubringen gilt. Im Stadion, wo sonst Fortuna Weisweiler auf Punktejagd geht, werden in diesen Tagen Zelte für die Boxen errichtet. Die auf dem Hof vorhandenen 56 Boxen reichen an den Festival-Wochenenden natürlich bei weitem nicht mehr aus. Da viele Teilnehmer mit großen Fahrzeugen anreisen, werden auch die umliegenden Wiesen der Landwirte angemietet. „Dort entsteht so etwas wie eine Camping-Atmosphäre“, schildert sie. Manche Teilnehmer bleiben an allen Tagen und ziehen die Übernachtung in den Fahrzeugen den Hotelbetten vor.

Dass der große Andrang von Pferdefreunden auch zu Verkehrsproblemen führen kann, ist der Familie Stormanns bewusst. Die Stadionstraße wird an den Turniertagen zur Einbahnstraße — allerdings nur für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen. „Anwohner können dadurch problemlos in beide Richtungen fahren“, schildert sie. Damit reagiert die Stadt auch auf die Kritik an der Verkehrsführung im vergangenen Jahr. Verkehrskadetten weisen auf Parkplätze hin. Die Belastung für die Nachbarschaft soll so gering wie möglich sein.

Die ersten Reiter gehen am 17. April durch den von Peter Schumacher gesetzten Parcours. Anschließend kommt vor allem der Springreiternachwuchs auf seine Kosten. Vom 19. bis zum 22. April findet das Internationale Jugend- und Zwei-Sterne-Turnier statt. Trainer vom Pferdesportverband Rheinland nutzen dieses Turnier zur Sichtung der besten Nachwuchsreiter.

Ihnen winkt eine Teilnahme beim „Preis der Besten“ im Mai in Warendorf, dem Olympia-Stützpunkt. Vom 26. bis zum 29. April stehen die Internationalen Ein- und Drei-Sterne-Turniere auf dem Programm. An diesem Wochenende werden am Freitag- und Samstagabend auch Nachtspringen geritten. Finanziell hat das Turnier schon vor Jahren eine neue Dimension im Pferdesport in Eschweiler erklommen: Über 200.000 Euro werden beim Jumping Festival an Preisgeld ausgeschüttet.

Doch der finanzielle Anreiz alleine reizt die Profis nicht, in Eschweiler an den Start zu gehen. Das Gesamtpaket muss stimmen. Dazu zählen auch die Bedingungen auf dem Hof der Familie Stormanns. „Manche Reiter nutzen das Turnier, um die Pferde langsam wieder an die Turnieratmosphäre im Freien zu gewöhnen“, schildert Andrea McCartney.

Erst vor wenigen Wochen endete schließlich die Hallensaison. Natürlich kommen ihr auch die guten Kontakte in der internationalen Reitsportszene zugute. Letztlich sind die Familienmitglieder immer noch regelmäßig in der Welt unterwegs, um Pferde und Reiter zu trainieren. Am Rande von Turnieren besteht so immer wieder Gelegenheit, auf das Eschweiler Jumping Festival hinzuweisen, auch wenn man inzwischen nicht mehr großartig die Werbetrommel rühren muss.

Nicht nur aus sportlicher Sicht sind die Turniertage für Zuschauer interessant. Parallel zum Turnierreigen wird eine kleine Budenstadt mit Angeboten rund um den Reitsport aufgebaut. Das Longier-Rondell wird in einen „Food-Court“ mit zahlreichen Essensständen umgestaltet. Unmittelbar am Parcours wird wieder das Gastro-Zelt mit Vip-Bereich stehen. Der Eintritt an allen Turniertagen ist frei. Beste Voraussetzungen also für das sportliche Großereignis in Eschweiler.

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