Eschweiler/Stolberg: Jugendlichen den Weg in die Selbstständigkeit erleichtern

Eschweiler/Stolberg: Jugendlichen den Weg in die Selbstständigkeit erleichtern

Der Name ist Programm: „Startbahn” lautet der Titel des Projektes „Außenwohngruppe” des Hauses St. Josef, Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, das im Dezember 2001 ins Leben gerufen wurde und dessen zehnjähriges Bestehen nun alle Beteiligten (leicht verspätet) im Domizil Dürener Straße 33a feierten.

Dieses bietet auf drei Etagen neun Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren Raum und damit die Gelegenheit, mit Hilfe von vier festen Betreuern und einer Erzieherin im Anerkennungsjahr wichtige Schritte in Sachen Eigenständigkeit zu tun. Zusätzlich verfügt das Gebäude über ein Appartment mit zwei Plätzen, die auch an junge Erwachsene bedarfsorientiert vergeben werden.

Jeder mit eigener Geschichte

„Es handelt sich um eine Verselbstständigungsgruppe”, erklärt Teamleiterin Nicole Pisters. „Die Jugendlichen erhalten hier das Rüstzeug, um möglichst bald ihren Alltag eigenverantwortlich strukturieren zu können.” Dabei werden die Diplom-Sozialpädagogin und ihre „Mannschaft”, zu der auch ihre Stellvertreterin Christina Böer, Fachbereichsleiter Christof Lippert, Julian Manderscheid als Student der Sozialen Arbeit im Praxissemester, Corinna Egyptien als Erzieherin im Anerkennungsjahr sowie Beate Dymo, Lars Cool und Monika Detela gehören, vor die unterschiedlichsten Aufgaben gestellt. „Jeder Jugendliche hat seine eigene Geschichte. Manche bleiben zwei Monate bei uns, andere zwei Jahre. Wir schauen bei jedem genau hin, welche Hilfestellungen er benötigt”, sagt Nicole Pisters.

Als „Gegenleistung” wird aktive Mitarbeit von den Jugendlichen erwartet. „Alle sind freiwillig und nach einer schriftlichen Bewerbung hier”, betont die Teamleiterin. „Im Vorstellungsgespräch versuchen wir schließlich zu klären, ob wir dem Jugendlichen überhaupt helfen können.” Einen wichtigen Aspekt bilden auch die Eltern der Bewohner. Diese sollen, falls möglich, in die Betreuung, die alle Lebensplanungsbereiche umfasst, einbezogen werden. „Zu den Trainingsfeldern gehören unter anderem die Budgetverwaltung sowie der Umgang mit Behörden. So sollen sich die Jugendlichen selbst um ihre Ummeldung kümmern, auch ein Schritt in die Selbstständigkeit”, erläutert Nicole Pisters.

Eine wichtige Säule des Projekts „Startbahn” ist darüber hinaus das Mentorensystem. „Jeder Jugendliche im Haus hat einen sogenannten Bezugserzieher, der die individuelle Situation seines Schützlings genau kennt und bei Bedarf Hilfeplangespräche führen kann.”

Während einer kleinen Feierstunde betonte Dr. Andreas Frick, Pfarrer der Gemeinde St. Peter und Paul, die als Träger des Hauses St. Josef fungiert, die „seit zehn Jahren andauernde herausfordernde Pionierarbeit innerhalb des Projekts”, die sich als Konsequenz aus der Arbeit des Hauses St. Josef ergebe. „Unter der Überschrift Selbstständig durch Verantwortung werden hier junge Menschen sprichwörtlich zum Fliegen gebracht”, lobte er.

Wolfgang Gerhards, Leiter des Hauses St. Josef, unterstrich die Kontinuität innerhalb des Projekts, an dem inzwischen rund 220 Jugendliche beteiligt waren. „Nicole Pisters ist beispielsweise seit Einrichtung der Außenwohngruppe mit von der Partie”, blickte er zurück. „Die Idee, eine Außenwohngruppe einzurichten, existierte schon lange vor ihrer Verwirklichung. Als dann das Haus an der Dürener Straße, dass sich auch noch im Besitz unseres Trägers befand, umgebaut werden musste, war dies für uns ein Steilpass.”

Auch Nicole Pisters erinnerte an die Anfänge der „Startbahn”. „Als ich mich im Jahr 2000 im Haus St. Josef bewarb, war die Außenwohngruppe bereits in Planung. Für uns war es dann natürlich eine Herausforderung, als wir im Dezember 2001, in die große, weite Welt, 500 Meter entfernt vom Haupthaus, geschickt wurden”, schmunzelte sie. Seitdem habe sich viel getan. Eines stehe jedoch nach wie vor im Mittelpunkt: die individuelle Betreuung der Jugendlichen. Als Start in ein selbstbestimmtes Leben.