Comedian David Kebe: „Jesus für Arme“ sorgt für Lacher im Talbahnhof

Comedian David Kebe : „Jesus für Arme“ sorgt für Lacher im Talbahnhof

Das Leben jenseits der 30 ist ein anderes als noch mit Anfang oder Mitte 20, findet David Kebe. Ein sorgenfreieres, in dem es auch egal ist, wenn man scheitert. In seinem Programm „Aha? Egal.“ erzählte der Kabarettist dem Publikum im Eschweiler Talbahnhof aus seinem Leben: Warum er nichts vom Heiraten hält und seiner Familie noch nie seine Liebe ausgedrückt hat.

„Leute Ende 20 haben ein Problem damit, 30 zu werden. Aber seit ich über 30 Jahre alt bin, finde ich es gar nicht so schlimm. Denn während man vorher noch viel vorhatte, alles können und erreichen wollte, weiß man mit 30: Das wird nix. Der Druck ist weg“, erklärte David Kebe seine Ansicht auf die Welt ab 30.

Für viele Dinge gebe es ein gewisses Zeitfenster: „Mit 23 Jahren heiraten — zu früh! Mit 38, 40 Jahren in einem Party-Hostel absteigen — zu spät!“. Heute sei ihm aber ohnehin vieles egal. Von seiner Ü-30-To-do-Liste, auf der Dinge standen wie Miete zahlen, nie wieder bei einem Umzug helfen und Gitarre lernen, hätte er irgendwann einfach angefangen, Sachen zu streichen, ohne sie je gemacht zu haben. „Umwelt schützen — weg. Geld sparen — weg“. Mit schwarzem Edding dick durchgestrichen.

Sie fing an „zu fummeln“

Seine erste richtige Beziehung habe er erst mit 31 Jahren gehabt, ließ der mittlerweile 34-jährige Kabarettist, Regisseur und Comedy-Autor das Eschweiler Publikum wissen. „Und ich erfuhr seinerzeit erst davon, dass ich in einer Beziehung bin, als sie es mir sagte“, so Kebe. Schon mit dem Flirten habe es damals gehapert: Seine Freundin lud ihn zum Netflix-Abend ein. Also dachte er sich, man könne einen Arthouse-Film gucken, schließlich habe er aufgrund seines Regiestudiums eine Vorliebe dafür und wollte dies mit seiner Freundin teilen. Doch die Dame hatte andere Pläne und fing während des Films an „zu fummeln“.

„Und ich so: Aber der Film! Ich drückte auf Pause. Und sie sagte, ich solle weiterlaufen lassen. Und ich so: Nee!!“, erklärte David Kebe. Ähnlich ungeschickt stellte er sich auch beim Kommunizieren per Whatsapp an. Als ihm seine Freundin schrieb, dass sie ihn vermisse und ihn gerne im Arm hätte, schickte er als Antwort Emojis einer Lupe, einer Ameise und eines Faxgerätes. Sie kamen aber „von Herzen“, wie Kebe beteuerte. Mittlerweile wüsste er aber wie es besser geht: „Ich schicke einfach drei Herzchen während ich auf dem Klo sitze“. Sein trockener, ehrlicher Humor kam gut beim Eschweiler Publikum an.

Während sich David Kebe zwar wieder eine längere Bindung vorstellen könne, wüsste er nicht, ob die Ehe was für ihn wäre. Viele seiner Freunde würden aktuell heiraten und er frage sich „Warum sollte ich heiraten?“ „Steuer“, schallte es ihm kurz und knapp von einem Gast entgegen. Seinen Vater habe er auch dazu befragt und dieser hatte ebenfalls einen pragmatischen Ansatz: die Patientenverfügung.

Kebe ist sich jedoch sicher, dass er die Aufgabe, möglicherweise über sein Leben oder seinen Tod zu entscheiden, nur seinem besten Freund überlassen würde: „Der hätte sicher noch Spaß daran, mich dann gegebenenfalls umbringen zu dürfen.“ Ein weiterer Nachteil der Ehe sei, dass der Hochzeitstag ja der vermeintlich glücklichste Tag im Leben zu sein habe.

„Wenn ich 20.000 Euro für eine Party ausgebe, durch ein hässliches Bettlaken steigen muss und man mir im Standesamt sagt ‚An dem und dem Tag können wir dich noch unterkriegen‘, dann ist das vielleicht der teuerste Tag in meinem Leben, aber nicht der glücklichste“, führte David Kebe an. Das Lachen vieler Leute im Publikum bestätigte, dass er mit seiner Vermutung wohl gar nicht so falsch lag.

Kleine Anekdoten

Ebenso wie Geschichten von seinen Affären, Kumpels und seiner Aversion gegen lustige, aber zeitverschwendende Youtube-Videos fanden auch kleine Anekdoten aus Kebes Familie einen Platz in seinem Programm. Für besondere Lacher sorgten der theoretische Supermarkt-Überfall, den er mit seinem Vater unternehmen würde, um ihn aus der Langeweile seines Rentnerlebens zu reißen, ebenso wie sein Abriss über ein Fotoshooting, das seine Mutter auf einer Kreuzfahrt hatte: Sie als 64-jährige Meerjungfrau im Muschel-BH mit Flosse.

Hier gestand David Kebe dem Publikum einen weiteren Punkt, an dem er nun auch mit über 30 versage: Trotz seines guten Verhältnisses zu seinen Eltern hätte er es in 34 Jahren nie geschafft, ihnen wirklich zu sagen, dass er sie liebe. Aber zu Weihnachten würde er es sich immer vornehmen, mal „Vater, ich liebäääääääääh…..“ zu sagen. In seiner Familie sei das aber ohnehin nicht üblich.

Zum Ende seines fast zweistündigen Auftritts zeigte sich David Kebe doch noch optimistisch, irgendwann die richtige Frau zu treffen. Diese sei zwar dann nicht die beste Frau der Welt, sondern eine Frau, der die gleichen Sachen egal seien, wie ihm. Als Beispiel nannte er dann das theoretische Versterben des letzten Ziegenbocks auf Erden.

„Während die perfekte Frau eine Bock-Partei gründen, Spenden sammeln und den Ziegenbock mittels DNA-Klonverfahren nachzüchten würde, macht es meine Traumfrau anders. Diese hört vom Tod des letzten Ziegenbocks, nimmt einen Duden und zieht über das Wort Ziegenbock mit Edding einen fetten Strich. Weg mit dem Biest!“. Natürlich durfte der sympathische „Jesus für Arme“, wie Kebe aufgrund seines Aussehens schon genannt wurde, nicht ohne eine Zugabe — oder zwei oder drei — von der Bühne.

(zsa)
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