Eschweiler: Inkasso-Firma macht sich kaum bezahlt

Eschweiler : Inkasso-Firma macht sich kaum bezahlt

Lange wurde politisch darüber debattiert, wie die Stadtverwaltung Schulden eintreibt. Dabei war die Summe nicht unbeträchtlich, die noch von Unternehmen und Menschen zu zahlen war. Von über vier Millionen Euro war die Rede — für eine finanziell klamme Kommune wie Eschweiler viel Geld.

Zunächst richtete man ein sogenanntes „Forderungsmanagement“ ein, das in den Jahren 2012 und 2013 entwickelt und umgesetzt wurde. Seit September des vergangenen Jahres unterstützt auch die Bad Homburger Inkasso GmbH (BHI) die Verwaltung. Finanziell macht sich diese Zusammenarbeit noch gering bemerkbar: 1757 Euro flossen bisher in die Stadtkasse. Dieses Geld wäre ohne die Beteiligung des Inkasso-Unternehmens allerdings für die Stadt verloren gewesen.

Die Forderungen der Stadtverwaltung sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Nach dem neuesten Stand vom 26. März sind noch Zahlungen in Höhe von 1,1 Millionen Euro offen. Hinzu kommen Ansprüche anderer Kommunen und Behörden an Eschweiler Schuldner in Höhe von 248.000 Euro. Schulden können aus verschiedenen Gründen unbeglichen bleiben und nicht vollstreckt werden. Oft Niederschlagung In einem Insolvenzverfahren eines Unternehmens sind Einzelvollstreckungen zum Beispiel juristisch nicht möglich. Ebenfalls können Personen, die eine eidesstattliche Versicherung abgegeben haben, oft nicht finanziell belangt werden.

Ist es absehbar, dass das Geld mit angemessenem Aufwand in absehbarer Zeit nicht eingetrieben werden kann, besteht die Möglichkeit einer sogenannten Niederschlagung. In einem solchen Fall wird der Fall an die BHI übergeben. Sie übernimmt Forderungen ab einer Höhe von 15 Euro. Aktuell liegen 876 Fälle zur Bearbeitung bei dem Inkasso-Unternehmen. Es lässt sich die Arbeit mit 30 Prozent der Summe vergüten. Bisher wurden 2863 Euro von Schuldnern an die BHI überwiesen — etwa 1000 Euro behielt BHI.

1757 Euro gingen an die Stadt Eschweiler. „Die Abwicklung der Zusammenarbeit erfolgte bisher reibungslos“, teilt die Verwaltung mit. 72 Fälle wurden seit dem September 2017 erledigt. Dabei handele es sich um Vorgänge, „bei denen zuvor nahezu alle Betreibungsmöglichkeiten ausgeschöpft“ wurden. Eine positive Tendenz lässt sich an aktuellen Zahlen ablesen: Zum 9. Januar lag die Summe der Zahlungen, die sich in der Vollstreckung befinden, noch bei etwa vier Millionen Euro, sechs Monate später sank sie schon auf 3,3 Millionen.

Am 22. März dieses Jahres lautet der Stand bei den in der Vollstreckung befindlichen Forderungen bei 2,102 Millionen Euro. Allerdings schwanken die Summen im Laufe eines Jahres, weil Schuldner die offene Rechnung begleichen oder Summen niedergeschlagen werden. Erfolgsquote gewachsen Auch die Erfolgsquote ist gewachsen: Erledigten sich im Jahr 2016 noch 51,89 Prozent der Forderungen durch Zahlung, gelang es den Vollstreckungsbeamten im vergangenen Jahr, von den geforderten offenen 2,4 Millionen Euro insgesamt 67,15 Prozent oder 1,613 Millionen Euro einzutreiben.

Im Gegenzug verringerte sich der Anteil der Niederschlagungen von 37,28 Prozent (1,314 Millionen Euro) in 2016 auf 22,17 Prozent (533.002 Euro) im vergangenen Jahr. Die Abteilung für Zahlungsabwicklung im Eschweiler Rathaus musste in den vergangenen Jahren immer weniger Verfahren abwickeln, was die sogenannten „Personalkennzahlen“ untermauern. Zum 1. Januar des Jahres 2016 waren 12872 offene Vollstreckungsforderungen zu bearbeiten. Pro Vollzeitstelle wurden in diesem Jahr 1629 Fälle erledigt, 1464 kamen hinzu. Zum Jahresbeginn 2017 waren im Rathaus 11.382 Vollstreckungsforderungen bekannt. 1546 Fälle konnten pro Vollzeitstelle zu den Akten gelegt werden, 1382 Fälle wurden neu registriert. In der Summe reduzierte sich also die Zahl der Verfahren weiter. Allerdings werden nicht alle Fälle dazu führen, dass die Stadt an ihr Geld gelangt.

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