Comedy im Talbahnhof: Ingrid Kühne begeistert ihr Publikum mit Bühnenpräsenz

Comedy im Talbahnhof : Ingrid Kühne begeistert ihr Publikum mit Bühnenpräsenz

Ingrid Kühne geht es wie anderen Menschen auch – sie ist an allem schuld. So ist es nur verständlich, dass sie ihr Bühnenprogramm „Okay, mein Fehler!“ benannt hat. Übersetzt ins Lateinische „Mea culpa“ ließ sie durchblicken, dass schon im alten Rom einer alles Schuld war. Mit gehöriger Selbstironie spielte sie ihre Trümpfe aus und zog das Publikum mit ein.

Ihrem geschärften Blick entging nichts, sodass man aus dem Lachen gar nicht mehr herauskam. Sie brachte zur Sprache, was andere sich komischerweise nicht fragen, und dann erstaunt sind, wenn sie sich in den alltäglichen Themen wiederfinden. Da wurden die Müll- und Wetterapps auf’s Korn genommen sowie der Familienkalender, in dem sie ihre eigenen Termine aufgeschrieben hatte, die Ehemann Ralf und Sohn Sven irgendwie nicht verstanden, worauf es zu der ein oder anderen Reiberei kam. So verstand Kühne zum Beispiel unter „BlutI“ Blutabnahme Ingrid.

Schlagfertig und spontan bot sie alles auf, was ihr gerade einfiel. Die zwei Stunden vergingen wie im Fluge, und kein Auge blieb trocken. In den alltäglichen Ereignissen und in dem allgemein Menschlichen zeigte die Kabarettistin die hohe Kunst des Humors. Dass Sitzen das neue Rauchen sein sollte, wollte sie gar nicht glauben. Sie mache ja schon zum Ausgleich als Sport das Bogenschießen. Als Mutter brauchte sie schon gute Nerven, wenn sie mit ihrem 17-jährigen Sohn am Steuer Autofahrten auf Probe machte.

Regelrecht ins Schwärmen kam sie bei einem Urlaub mit der Familie nach Plön. Einen Abstecher nach Malente erinnerte sie an den „Immenhof“-Kult, den die Jugend nicht mehr kennt. Ihr Mann sei Bonanza-Fan gewesen, ließ sie durchblicken, und dass man rund um die Uhr Filme schauen konnte wie heute, sei damals nicht möglich gewesen bei den wenigen Fernsehprogrammen.

Themen aus dem Alltag

Dass das Wort „aufgeweckt“ in Verbindung mit Kind aus dem Wortschatz verschwunden sei und nichts mit ADHS und der damit verbundenen Behandlung mit Ritalin zu tun habe, machte sie einmal mehr als deutlich. Ihre Ehe mit Ralf seit mehr als zwanzig Jahren habe ihre Gelassenheit gefördert, und als Einzelkind und Alleinerbe hasse sie das Getue der Geschwisterkinder.

Selbst das Geschirr im Schrank, „Hutschenreuther“ oder Villeroy und Boch“, das „Gute“ und „Alltägliche“ war ein Thema, das sie erfrischend gut analysierte. Gegen Schluss waren es dann die dummen Sprüche der Erwachsenen, auf die sie schlagfertige Antworten liefern konnte.

Die aus Xanten stammende Kabarettistin hatte eine unglaubliche Bühnenpräsenz und wusste ganz ohne Hilfsmittel den Abend zu etwas Großem zu machen. Ingrid Kühne war zum fünften Mal im Talbahnhof und spielte erneut vor ausverkauftem Haus. Den donnernden Applaus hatte sich die großartige Künstlerin natürlich verdient. Sie genoss ihn förmlich und nahm sich nach der Zugabe Zeit, um mit ihren Fans zu plaudern.

(mlo)
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