Rathaus-Quartier: Infoabend endet in Grundsatzdiskussion

Rathaus-Quartier : Infoabend endet in Grundsatzdiskussion

Die Bürgerwerkstatt zum Rathaus-Quartier hatte es in sich. Es gab scharfe Töne, zwei Ideen, Sorgen eines Geschäftsmanns – und das große Abwarten, wie es nun weitergeht.

Die Veranstaltung im Rathaus war als Bürgerwerkstatt und -informationsabend rund um das Rathaus-Quartier angedacht. Was die rund 85 Zuhörer (darunter viele Politiker) nach dem viertelstündigen Vortrag des Investors Ten Brinke geboten bekamen, hatte nur anteilig etwas von diesem Charakter. Der Abend entwickelte sich zunehmend zu einer Grundsatzdiskussion, an der gerade die öffentlich bekannten Kritiker und Kläger gegen das 70-Millionen-Euro-Projekt ihren Anteil hatten.

Nicht zu verschweigen ist indes: Lob, Anerkennung und Applaus dafür, dass ein Investor den jahrelangen Schandfleck beseitigen möchte, gab es auch. Aber: Ideen und Vorschläge dazu, wie die Bürger das geplante Nahversorgungszentrum an der Indestraße mitgestalten würden, waren die absolute Ausnahme. Es folgt eine erste Zusammenfassung*:

Stand der Planung: Im Vergleich zum Vortrag im Planungs-, Bau- und Umweltausschuss Mitte Juli hatten die Vertreter der deutsch-niederländischen Investorengruppe keinen nennenswerten Fortschritt mitzuteilen. Statik- und Brandschutzfragen sind noch nicht in Gänze geklärt, ebenso seien die laufenden Klagen eine „Hemmschwelle“ – absolute Klarheit über einen erfolgreichen Ausgang der Planungen gebe es noch nicht. Für den Zeitpunkt, wann diese herrschen könnte, gibt es keine offizielle Aussage.

Die Vertreter der Investorengruppe, zu denen auch einer der fünf Geschäftsführer Ilja Alexander Keller gehörte, stellten außerdem folgende Punkte heraus:

  • Sie hätten gerne auf etliche der geplanten 464 Stellplätze (300 unter-, 164 oberirdisch) verzichtet und dafür mehr Attraktivität geboten. Die Vorgaben der namhaften Mieter (Edeka, Aldi, Netto, Müller) verhinderten dies.
  • Mit einem ebenerdigen Entrée mit Bistro und Bäcker würde die Verbindung zum Markt gelingen.
  • Es entstehe keine Konkurrenz zur Innenstadt.
  • Auf die Kritik von Bürgern aus der Peilsgasse, dass ihre Sicht bald durch vier Stockwerke verdeckt werde, hieß es: „Wer in der Innenstadt wohnt, muss damit rechnen, dass mehrgeschossig gebaut wird.“ Ungeachtet dessen werde der Aldi von der Straße aus nicht zu erkennen sein, die Fassade hebt die Wohnbebauung hervor.
  • Auf die Frage, ob das geplante Rathaus-Quartier die nötige Kaufkraft anziehe, sagte Geschäftsführer Keller: Gerade die Zusage von Edeka „nach zähen Verhandlungen“ beweise, dass der Standort für Nahversorgung interessant sei. Zudem würden der „bei der Standortwahl wählerische“ Drogeriemarkt Müller und „das Restaurant“ genügend Kunden anziehen.
  • Zur Investitionssumme von 70 Millionen sagte Keller: „Normal sagt jeder: maximal 45 Millionen. Das zeigt, dass wir an den Standort glauben. Vor zehn Jahren wäre das nicht so möglich gewesen.“

Ideen der Bürger: Konkret waren es zwei. Eine betraf eine mögliche begrünte Aussenfassade, damit Nachbarn nicht auf einen Betonblock schauen müssten. Die Investoren seien „die letzten, die dazu nein sagen würden, aber es muss wirtschaftlich sein“. Die zweite betraf die Verbindung der Stadtbücherei im Rathaus zum geplanten Gebäudekomplex: Eine direkte Zuwegung wäre „eine gute Ergänzung“. Die Stadt werde das prüfen, betonte der Technische Beigeordnete Hermann Gödde.

Die Sorge von Geschäftsmann Andreas Knoblauch: Der Fotograf betreibt sein Geschäft derzeit in einem provisorischen Container neben dem Rathaus auf städtischem Grund mit „großer städtischer Unterstützung“, seitdem das City Center nicht mehr steht. Er sagte: „Ich fühle mich etwas in den Hintergrund gedrückt. Ich brauche Planungssicherheit, ob ich noch ein Jahr im Container bleibe oder einen Platz im Rathaus-Quartier bekomme. Die Kunden fragen mich ständig.“ Knoblauch benötige etwa 50 Quadratmeter für sein Geschäft – die der Investor derzeit aber „nicht vorrätig“ habe. „Wir sind aber auch die letzten, die sich dagegen wehren, lokale Händler anzusiedeln.“ Knoblauch bleibt also (mehr oder weniger) in der Verlosung; eine große Hürde sei jedoch noch der kalkulierte Mietpreis, der ihn „mit den Ohren schlackern lässt“. Der wiederum liege laut Investor im Grundstückskaufpreis (genaue Summe unbekannt) und den Preisen der gut laufenden Baubranchen begründet. Stadtvertreter Gödde versicherte, dass man wegen des Containers im Gespräch bleibe.

Dürener Straße: Bis auf die Kita und das Fitnessstudio (jeweils zweigeschossig) wird das Gebäude eingeschossig geplant. Zum Gebäude hin entsteht ein Grünstreifen von drei Metern bis zum Bordstein. „Wir wollen die Ansicht human halten.“

Verkehrsgutachten: Laut Stadt und Investor sei die Veränderung rund um das geplante Quartier nicht „unzumutbar“.

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